Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 79 (12.10.1885)
- Date
- 1885-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1343 Kosten werden infolge dessen uni 400» bis 5000 Frcs. jährlich wachsen. Rußland. Moskau, 7. Oktober. Der „Moskauer Zeitung" zufolge nimmt die unter dem Vorsitz des Grafen Pahlen tagende Judenkommission ihre Sitzungen zu Anfang Oktober (a. St.) wieder auf; au denselben werden jetzt auch die Senatoren Mordwinoff und Palowtzeff theiluehmen. Feuilleton. Hlefiaöikilirt. Bezahlung von Friedrich Rott. V. Es war Mittag, Herr Steinhart hatte den Vormittagsunterricht beendet und war eben im Begriff, die Hausthür zu öffnen, die zu seiner Wohnung führte, als ein junger Mann ans dem Innern des Hauses kommend ihn beinahe umgerannt hatte. „Pardon, lieber Freund!" lachte der heitere Mann, „das hätte ich nimmer geglaubt, daß ich bei hellem Tage so übersehen werden könnte." Der junge Mann murmelte einige Worte, die vermuthlich eine Entschuldigung enthalten sollten. „Ah, Sie sind's, Kornfeld!" rief Steinhart, indem er die Hand des Andern faßte und herzlich drückte, „ich habe Sie im ersten Moment nicht erkannt. Aber Himmel! lieber Freund! wie sehen Sie aus! was ist Ihnen passirt? Sie scheinen krank zu sein." „Ich fühle mich in der That nicht ganz wohl," entgegnete Eduard mit leiser, bebender Stimme. „Waren Sie bei Fräulein Ehrmann?" fragte Steinhart. Frau Ehrmann mit ihrer Tochter bewohnte nämlich die obere Etage im Steinhart'schen Hanse. „Ich wollte zu ihr," erwiderte Eduard in demselben matten Ton, „aber auf der Stiege hat mich ein Schwindel erfaßt." „Und da haben Sie Kehrt gemacht und wollten nach Hause. — Unbesonnener, und wenn sich der Schwindel auf der Straße wiederholt hätte, hätten Sie auf der Straße zusammenbrechen können. Ihr jungen Leute werdet doch niemals klug. Kommen Sie zu mir hinein, ich lasse Sie nicht fort, bis Sie sich vollständig erholt haben." Eduard blickte ängstlich um sich. „Ich möchte nicht, daß Adele —" „Machen Sie sich doch keine Sorge wegen Adele. Kommen Sie, sage ich, und wenn es Ihnen lieber ist, so gehen wir in mein Arbeitszimmer, und ich schiebe den Riegel vor." Er nahm bei diesen Worten den Arm des jungen Mannes und geleitete den in Wirklichkeit Wankenden in das bezeichnete Zimmer. „So," sagte er, ihn in einen Armseffel niederdrückend, „setzen Sie sich da in den Großvaterstuhl und ruhen Sic ans; ich gehe nur einen Augenblick hinüber, meiner Frau mitzutheilen, daß ich zu Hause bin." Er ging hinaus, kam aber nach wenigen Minuten mit einer Flasche Sodawasser zurück. Er schob in der That den Riegel vor die Thür, während sein Blick prüfend auf dem bleichen Angesicht des jungen Mannes weilte, der mit geschlossenen Augen im Sessel lehnte. Steknhart entkorkte die Flasche und leerte den Inhalt in ein Glas. „Trinken Sie, lieber Freund," gebot er, „es wird Ihnen wohlthun." Mechanisch gehorchte Eduard und athmete wie erleichtert auf. „Ich danke Ihnen," sprach er leise, „das hat gut gethan." „Freut mich," entgegnete Steinhart, „aber nun sagen Sie mir, was ist Ihnen passirt? Daß Sie einen Schwindelanfall hatten, glaube ich zwar gern, aber ich glaube durchaus nicht, daß dieser Anfall Ursache Ihres verstörten Aussehens ist— ich halte ihn vielinehr für eine Folge desselben Umstandes, der Ihr verstörtes Aussehen verursacht. — Run, lieber Freund, Sie wissen, wie herzlich gut ich es mit Ihnen meine. Sie wissen daher, daß meine Frage der innigsten Theilnahme entspringt — wollen Sie mir nicht sagen, was Ihnen ist?" Eduard athmete schwer auf, er preßte beide Hände auf die Brust, seine Lippen bebten, doch brachte er keinen Laut hervor. Steinhart schüttelte den Kopf. „Armer, armer Freund," sprach er, indem er die Hand des sichtlich Leidenden innigst drückte, „lvenn ich nur wüßte, wie ich Ihnen helfen könnte. — Aber Sie-wollen mir nicht einmal erklären...."- „Ich muß verreisen," flüsterte Eduard mit Anstrengung, „ich wollte es Fräulein Ehrmau» mittheilen — da hat es mich übermannt." „Es wäre demnach der Schnierz des Abschiedes von der Braut", sagte Steinhart, dessen forschender Blick an dem gesenkten Antlitze des Andern haftete. „Werden Sie längere Zeit abtvesend sein?"