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Der Israelit · 1885-10-12 · Heft 79 (12.10.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 79 (12.10.1885)
Date
1885-10-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1340 Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 6. Oktober. Israelitische Familien, die gcnöthigt sind, oder denen cs wünschcnswerth erscheint, ihren gegenwärtigen Wohnort mit einem andern zu vertauschen, wollen wir auf den Ort Pflaumloch (Jaxtkrcis, Oberamt Neresheim) aufmerksam machen. Daselbst befand sich vor wenige» Jahren noch eine große israelitische Gemeinde, die j doch durch Fortzug vieler Familien an Zahl abgenommen hat. Noch heute ist die israelitische Gemeinde zu Pflaumloch gut situirt, hat ein schönes Schnlhans, einen schönen Friedhof, eine prachtvolle Synagoge und sonstige Gemeindciustitntionen. Bahnverbindung, gute Gegend und namentlich die Wohlfeilheit der Wohnungen ermöglichen cs, daß sich arbeWicbcnde und einigermaßen leistungsfähige Handwerker, z. B. Schneider, mit Leichtigkeit daselbst eine Existenz zu gründen vermögen. Von der israelitischen Gemeinde hätten sie keinerlei Lasten oder Stenern zu tragen; es könnte vielmehr, wenn nothwendig, Unterstützung aus dem nicht unbedeutenden Stiftungsfonds geleistet werden. Nähere Auskunft wird der Pfleger des isr. Kirchenvorsteheramtes, Herr I. Oberdörfer, gern crtheilen. Bemerken wollen wir noch, das; man für Reisekosten für eventuelle Einwanderer keine Verbindlichkeiten übernimmt, ebensowenig für deren Unterhalt nach geschehener Ansiedlung und daß endlich nur solche berücksichtigt werden, die sich durch Heimathszcngnisse und guten Leumund legitimiren können. Berlin, 7. October. Die Schriften des wicdcrbcgründeten hebräischen Literatur - Vereins Mekize - Nirdamim für das Jahre 564» werden noch vor Ablauf des Verwaltungsjahres 188» zur Versendung gelangen und einem jedem Mitgliede portofrei zugeftcllt werden. Mit dem 31. October c. wird die Abonnentcn- Liste geschlossen; daher bis dahin noch etwaige Beitritts-Erklärungen mit dem Jahres-Beitrag von 10 M. an den Unterzeichneten gerichtet werden mögen. Die Zahl der Mitglieder hat die Höhe von 400 überschritten. Zum festen Fond sind außer den bereits früher verzcichneten Beiträgen noch eingegangen von Herrn I. Zeitlin aus Dresden 400 Francs und durch Dr. Harkavy in Petersburg gesammelt mehr als.1300 Rubel. Von der Anstellung besonderer Agenten oder Kommissionäre für den Verein ist dcßhalb Abstand genommen worden, weil bei sonst unbekannte» Personen nicht immer genügende Garantie für die Sicherheit geboten ist. Außerdem würden hierdurch der Vcreinskaffe nicht unbedeutende Abzüge cntstan-. den sein, wie in einem einzigen Falle, wo das Jncaffo durch eine Buchhandlung in Paris besorgt werden mußte, dafür 25°/0 zu entrichten waren. Der Verein wird durch seine Leistungen allein immcrmehr an Ausbreitung zu gewinnen streben. Dr. Berliner. Straßburg i. E., 4. Oktober. Wohl selten dürfte ein Aufruf an die Judenheit der Diaspora mit größerer Begeisterung und innigerer Befriedigung ausgenommen worden sein, als der „zur Bildung einer freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Jndcnthnms," womit der Senior der jüdischen Orthodoxie uns aus überrascht hat. Daß die Gründung eines Vereines, der es mit zu seiner Hauptaufgabe rechnet, die Interessen des orthodoxen Jndcnthnms gegen innere und äußere Feinde zu wahren, besonders da lebhaften Widerhall finden würde, wo das Aufblühen von mm mnjn, wo die Herstellung ritueller Institutionen, die genau den religionsgesetzlichen Vorschriften entsprechen, durch „innere Feinde" zu hintertreiben gesucht wird, darf nicht Wunder nehmen. Daher ist auch die Begeisterung leicht erklärlich, mit welcher die Ansprache unseres sehr verehrten Rabbiners, des Herrn Ph. Deutsch, die derselbe am mi Vd Abend in der Synagoge der crn ^-Gemeinde hielt, ausgenommen wurde. Der Herr Rabbiner sprach über die Reihenfolge von npun rfrsn rown, er zeigte in geistvoller Rede, wie rown durch npis und rfcsn, d. h. durch Ausübung der Pflichten gegen Gott und Menschen vorbereitet werden müsse rc. Durch meisterhafte Wendungen wies Herr Rabbiner Deutsch, der für Alles, was unsere Religion betrifft, mit seltenem Feuereifer eintritt, sodann darauf hin, daß wahre Np»« im weiteren Sinne darin besteht, daß ein Jeder nach seinen Kräften dazu beitrage, die Interessen desGesauuntjudcnthums zn wahren, und forderte schließlich dazu auf, dem genannten Vereine beizutreten. Der Erfolg übertraf selbst die Erwartungen unseres Herr Rabbiners, denn nicht nur, daß die am Tage nach 2"' aufgelegte Liste die Namen der meisten Mitglieder der a'T, ^'-Gemeinde trägt, haben auch noch viele Andere, durch erstere dazu veranlaßt, sich angeschlossen und durch Zeichnung von Beiträgen ihre Mitgliedschaft bekundet. D. L.

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