Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 79 (12.10.1885)
- Date
- 1885-10-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1339 gegen den Herausgeber des „Israelit" und meine Wenigkeit in unqualifizirbaren Ausdrücken losgezogen, ohne auch nur den Versuch zu machen, eine einzige der von mir ausgestellten Behauptungen zu widerlegen. Der Rabbiner und Direktor eines „sogenannten" Rabbinerseulinars in Eincinatti, Dr. Wise, unter der jüdischen Bevölkerung Amerikas als der „westliche Papst" bekannt, zählt inich Eingangs seines Angriffs zu den „gekränkten Seelen New-?)orks die in einer Dachstube (oder vielleicht gar nicht inN.-A.) an den „Israelit" schreibt." Bisher glaubte ich doch, das; der „Rabbiner" Wise willen sollte, das; der himmlische Vater dem Menschen im Dachstübchen so nahe, ja noch näher steht als dem Bewohner eines Palastes und cs zeigt ebensowohl von der Gottlosigkeit wie der Unwissenheit des Mannes, der sich sogar anmaßt, jüdische Geistliche äuszubilden, das; er an der Spitze seines Machwerks solche Worte stellt. Im Uebrigeü kann sich der Doktor trösten; wenn ich auch nicht auf so leichte Weise wie er Tausende von Dollars verdiene, wenn mir auch die Beobachtung unserer heiligen Religion nicht so viele Dollars cinbringt, wie dem jüdischen Geistlichen Wise die Nichtbeachtung der meisten jüdischen Gesetze, so schreibe ich zur Zeit doch nicht in der Dachstube, sondern in einem ganz netten Zimmerchcn, von wo ans ich erst jüngst die ehrwürdige Erscheinung des Herrn Dr. Wise, bei seinem Besuch inNcw-Aork, vorüberschweben sah. Weiter bemerke ich dem Herrn Dr., das; mir die Verhältnisse Amerikas ebenso bekannt sind, wie ihm und daß mir das meiner diesbezügl. Wissenschaft Fehlende bei meiner großen Bekanntschaft in jüdischen Kreisen in reichstem Maße mitgethcilt wird; besonders aber solches Material, das ich bei weiteren Angriffen seitens des Herrn Doktor, aus dem Schreibpnlle herausholen werde. Er zeiht mich der Lüge, ohne auch nur ein Wort meines Artikels zu widerlegen; der Herr Doktor, nicht ich, macht sich des Vergehens □'3*0 nun ’jd pinsn np»n Nt> wtwi vb schuldig; er sagt, ich habe „verleumdet, verdächtigt, entehrt, beleidigt, gelogen;" passen diese Worte nicht viel bester auf den Volks — Führer in Eincinatti? Der Herr Doktor hält von derartigen Schimpfworten stets große Quantitäten auf Lager und ich frage, ob ein Mann, der statt mit Beweisen auf Anklagen mit gemeinen Schimpfworten antwortet, fähig ist, das Haupt einer Religionsgesellschaft zu sein? Daß er und seine Freunde nach meiner und der Orthodoxie Ansicht, wie er (nicht ich) betont, die Jerobeams sind, gestehe ich gerne zu und wäre es sogar unhöflich, wenn ich bei dieser großen Selbsterkenntniß opponiren würde. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich Dr. Wise statt djqt lieber den Namen p> geben, da pb ja „Weiß" heißt und er ohnedies viel mit dem p^ der Bibel gemein hat. Auch der Name pt> umgekehrt wäre für ihn nicht so schlecht und würde cs ganz gut passen nci p iera — bis. — Die Gemeinden, denen er und seine Eollegen vorstchen, sind (wie er selbst schreibt) bei den Orthodoxen nicht viel besser wie mun Ty; allein dazu bemerke ich, das; die Gemeinden an dem Nebel weniger Schuld sind, wie die Führer und Leiter, die der Prophet Icsaias so schön und richtig im Kapitel 3, BcrS 12 kennzeichnet: cryno -piWD 13 D’twi &iyo vBfj« *oy .iy^3 -j'nmN -pn „Mein Volk, Seine Aussauger meistern cs und Wucherer beherrschen cs. Mein armes Volk, Deine Führer leiten Dich irre, verwischen die Spur Deiner Bahnen." Diesen Vers widme ich Herrn Dr. Wise in's Album. Der Erguß in der „Dcborah", der gleichzeitig an meinen Eollegen vom „Jeschurum" in Hannover gerichtet ist, schließt mit den Worten: „Wenn jene schamlosesten aller Antisemiten die Macht hätten, sie würden noch schlimmer als jene wirthschaftcn." Wahrlich ein Mann, der solche Worte niederschreibt gegen Glaubensgenossen, die berechtigte jüdische Interessen vcrthcidigcn, ist tief gesunken und wehe der Jugend die ans solchem Munde Unterricht hören muß. „ife rfej nw tn, rawra i: itn^.“ Ja, wenn die Orthodoxie die Macht hätte, wäre ein pi ,cy3T oder Wise kein Rabbiner und Jngcndbildncr. Der letzte Vers zeigt, wie wüthend der Doktor sein muß, woraus natürlich wieder hervorgeht, wie wahrheitsgetreu meine Berichte den Nagel auf den Kopf trafen. Schließlich sage ich dem Herrn „Rabbiner", das; er mich mit gemeinen Schimpfworten nicht zur Ruhe bringt; ich folge ihm ztvar auf diesem Pfade nicht gerne, allein wenn es sein muß, kann ich mir ja auch einen Lexikon für Schimpfworte anschasfen. Dr. W. hat dies nicht nöthig, bei ihm sind solche Worte nur der Ansdruck seines Geistes, worin er sie auf Lager hält. Und nun: good bye, Herr Dr.,Wise.