Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 78 (8.10.1885)
- Date
- 1885-10-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1330 Schweiz. Bern, 28. Sept. Eine neue ma in Sicht! An der gestern in Bergdorf stattgefundenen Telegirtenversammlnng der bern'schen Thierschntzvereine wurde ein Kantonaler Verband gegründet und eine Petition au den Großen Rath um Erlaß eines Verbotes betr. Schächten beschlossen. ucy O Qijr s6i *m rai -eni nsy 'ay Oesterr. - Ung a r. Monarchie. Wien. Das Neujahrsfest wurde hier womöglich noch solenner als in früheren Jahren gefeiert. Außer den Synagogen waren auch die Privatbethäuser von Andächtigen gefüllt. Leider gab es aber auch viele Personen, die beim besten Willen kein Betlokal wegen der theuren Sitzpreise besuchen konnten. Es ist dies ein schreiendes Nebel, in dessen Abhilfe der Vorstand der Eultusgemeinde cinedankeswerthe Aufgabe finden könnte. Viele Leute haben sich den Bissen vom Mund abgespart, um au den hohen Feiertagen ihr Gebet in Gemeinschaft verrichten zu können. Dadurch, daß nicht genügend für freien Eintritt in ein Gotteshaus für Unbemittelte gesorgt wird, werden viele jüdische junge Leute förmlich zur Religionslosigkeit verleitet; sie bringen die Festtage im Prater und anderen öffentlichen Plätzen zu; gleiche traurige Verhältnisse waren früher in Bezug auf die jüdischen Soldaten. Daß es dieses Jahr anders gewesen, ist einzig und allein einem edlen Christen, dem Obersten des 24. Infanterieregiments, Edlen von Metzger, zu verdanken. Auf Veranlassung und Intervention desselben beim Corps- Commando wurden zwei geräumige, 600 Personen fassende Säle der Nudolfskaserue in ein Betlokal verwandelt. Zwei von der Gemeinde bestellte C’3;n trugen die Gebete vor; auch Eivilpersonen hatten freien Eintritt, Oberst v. Metzger hat ans seiner eigenen Tasche 80 Gulden beigesteucrt, wofür und b’-mriD angeschafft wurden. Der Gottesdienst daselbst war sehr erhebend. P Teplitz, 27. Sept. In der heutigen Hauptversammlnng des deutschen Schulvcreins fand dieser Gelegenheit in glänzender Weise gegen den Antisemitismus Stellung zu nehmen. Eine Tiroler Ortsgruppe hatte den Antrag gestellt „Der Verein möge den israel. Schulen die Subvention entziehe Bei der Abstimmung wurde der Antrag mit allen d. h. mit zwcitausendeinhrmderLfünfrrndvierzig gegen fünf Stimmen abgelehnt. Amerika. New-Iork, 14. September. In Folge eines Aufrufes, welcher von mehreren hervorragenden Bürgern jüdischer Konfession an ihre Glaubensgenogen in New-Aork erlassen worden war, hatte» sich gestern Abend etwa 300 Israeliten in der Pythagoras-Hallc an Canal Str. eingesundru, nur die geeigneten Schritte zu thun, eine Schuhgesellschaft für jüdische Einwanderer zu gründen. Nach Ansicht der leitenden Geister der Versammlung, unter welchen ein Herr I. Jndelsohn die Hauptrolle spielte, ist es nämlich in letzter Zeit klar geworden, daß sich die bereits zn dem Zwecke bestehende Gesellschaft „United Hebrew Charities" als unzulänglich erwiesen habe, weshalb es, angesichts der täglich höher anschwellenden Anzahl von Einwanderern, geboten erscheine, einen zweiten derartigen Verein zu orgauisiren. Die Versammlung konstituirte sich durch die Erwählung des Coroner Ferdinand Levy zum Präsidenten und des Herrn I. S. Solomon zum Sekretär. Herr Jndelsohn ergriff zunächst das Wort und versuchte, den Anwesenden in längerer Rede auseinanderzusctzen, wie höchst uothwendlg es sei, den draußen so hart bedrängten, hier häufig mittellos anlangenden Religionsgenossen mit Rath und That an die Hand zn gehen und sie vor dem grausamen Schicksal, auf Anordnung der Eiuwanderungskommission als „Paupers" wieder in die Heimath zurückgeschickt zu werden, möglichst zu bewahren. Redner verlas dann eine statistische Tabelle, laut welcher gegenwärtig sich schon 69,000 russische und polnische Juden, von diesen war den ganzen Abend hauptsächlich nur die Rede, in den Ver. Staaten befänden und würde diese Zahl bei den in Europa bestehenden politisch-socialen Verhältnissen sicherlich in nächster Zeit bedeutend größere Proportionen annehmcu. Andere Religionssekten, besonders die Katholiken, sorgten für ihre Glaubensgenossen in ausgedehntem Maße, und die Juden wären es sich selber schuldig ein Gleiches zu thun. Redner verwies dann auf die in den letzten Jahren in Philadelphia gegründete Schutzgescllschaft, betonte die segensreiche Wirkung derselben und schloß damit, daß es hohe Zeit sei, auch hier ein Gleiches zu thun. Herrn Jndelsohn folgte der Advokat Simon M. Roeder, welcher darauf aufmerksam machte, daß die Beamten im Castle Garden beim Ausfragen der nen Cingcwanderten nach ihren Vermögens- Verhältnissen sehr oberflächlich verführen, ein Vorgehen, das schon häufig zur ungerechtfertigten Zurückspedirnng der „Grünen" geführt habe. Herr Roeder stellte zum Schluß seiner Ansprache den