Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 78 (8.10.1885)
- Date
- 1885-10-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1331 Antrag, das; die Versammlung sich sososort 31t einem Schutzvercin unter dem Namen „Icwish Immigration Society" organisire. Bevor noch der Vorsitzer Gelegenheit gehabt, den Antrag zur Abstimmung zu bringen, erhob sich ein junger Nnffe, Namens Gregor Weinstein, der in möglichst kräftiger Weise seine Ansicht dahin geltend machte, das; es höchst überflüssig sei, die Einwanderung durch derartige Maßregeln noch zu ermuthigen, da bereits Amerika, und speciell New-Jork, mit Arbeitskräften überfüllt sei. Der präsidirende Leichenbeschauer schnitt aber diesem „Socialiste", wie er von mehreren Stimmen aus dem Hintergründe betitelt wurde, das Wort ab, Weinstein zog sich zurück und verließ, als gleich darauf der bewußte Antrag zur Abstimmung kam, noch vor der Annahme desselben mit etwa r>b Männern, die seine Ansicht theilten, unter großem Geräusch den Saal. Hierauf sprachen noch die Herren Charles Honuiann, der Sekretär der Philadelphia Schutzgesellschaft, Morris Jacoby, Dr. L. Wintner von Brooklyn, Morris Goodhart und Rev. Dr. Brovne in dem Sinne des. Herrn Jndelsohu, und dann ernannte der Borsitzer ein aus den Herren. Jacoby, Weis, Noeder, Solomon und Goodhart bestehendes Comitö, welches ermächtigt wurde, einen Exekutiv- Ausschuß von Sechszehn zu ernennen. Während die Herren sich zurückzogen, forderte Herr Noeder die Anwesenden auf, durch Deponircn je eines Dollars den Grund zu einem Fond für den neuen Verein zu legen, wozu sich denn auch die Mehrzahl der Anwesenden sofort bereit zeigte. Das Comitö berichtete hierauf folgende Herren als Vollzugsausschuß : Simon M. Noeder, Mooris Goodhart, Jacob Weil, David Block, Feybnsch Libman», I. P. Solomon, David M. Pitza, Albert Cardozo, Ferdinand Lcvy, S. Gumprccht und Morris Jacoby. Dann erfolgte Vertagung. A s i e n. Bombay. Bor einem hiesigen Gerichtshöfe kam die Frage zur Entscheidung, ob für religiöse Zwecke bereiteter Nosinenwein steuerpflichtig ist oder nicht. Ein Herr Abraham Jacob hatte für „Kiddusch" Nosinenwein bereitet und verkauft, ohne die für Wein vorgeschriebene Steuer zu entrichten. Von einem Stenerbeamten der Defraudation angeklagt, hat das zuständige Gericht den Verkäufer freigesprochen, weil der Wein nur für religiöse Zwecke verwendet worden ist. Bokhara. Während der Negierung des bekannten turkessemischen Abenteurers und Rebellen Jakob Bey über die von ihm dem chinesischen Reiche 1*58 entrissenen Provinzen Kaschgar und Garkand wanderten von hier vier jüdische Familien nach der Stadt Kaschgar, wo bisher noch nie Inden gewohnt hatten, ans,- um sich dort anzusiedeln und sich daselbst dem Handel mit Seidenstoffen, Schmucksachen und Edelmetallen zu widmen. Jakob Bey nahm die Einwanderer gastfreundlich auf und wies ihnen in einer Vorstadt Kaschgars zwei Häuser mit den dazu gehörigen Gärtengrüuden als Wohnungen an. Sie mußten ihm jedoch dafür jährlich eine bestimmte Quantität Seidenstoffe für seine Frauen liefern. 1869 übersiedelten dann auch zwei jüdische Familien aus Khukan (Khokand) nach Kaschgar, wo sich nun eine kleine jüdische Gemeinde bildete. Dieselbe erbaute sich dann auch eine kleine hölzerne Synagoge, die zugleich auch als Lehrzimmer für die liebe Jugend, dann zu Snkkoth als Laubhütte und zu Pcsach wieder als Mazzoth-Magazin dienen mußte. 1879 wurde Kaschgar bekanntlich von den Chinesen znrückerobert, welche dort einen Colonial-Gouverneur bestellten. Vor Kurzem hat jedoch ein kaiserliches Dekret die Provinz Kaschgar in ein Vicekönigreich umgewandelt, und daselbst auch die chinesische Administration eingeführt. Nun wurden auch die Juden daselbst aufgefordert, immer am Geburtstage des Kaisers Kuany-su im Negierungspalaste zu erscheinen und dort vor dem Bilde des Kaisers dieTschotau-Ceremonie (neunmaliges Niederwerfen auf den Boden) zu verrichten. Dieses und dann auch der Umstand, daß man die Inden zwingen wollte, ihre Kinder in die chinesisch-heidnische Schule zu schicken, veraulaßte dieselben, Kaschgar wieder den Rücken zu kehren. Dieselben sind nun nach der russischen Provinz Taschkend ausgewandert. Afrika. Algier. Nach einem alten Gesetze sind die eingeborenen armen Israeliten in Algerien von der öffentlichen Unterstützung ausgeschlossen, obgleich viele reiche Inden den Unterstützungskaffen beträchtliche Summen znkommen; lassen. Alle bisher dagegen unternommenen Schritte blieben fruchtlos; erst in der neuesten Zeit wurde durch Vermittelung des Depntirten von Constantine, Herrn Treille, eine diesbezügliche Petition von der Commission der Deputirtenkammer in Paris dem Ministerium zur Berücksichtigung überwiesen.