Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 78 (8.10.1885)
- Date
- 1885-10-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1322 bei uns, ist uns immer nahe, selbst in dem geheimsten Gemache, selbst an dem entlegeutesten Orte, wie dürften wir da Dinge thnn, um derentwillen wir uns vor unsren Mitmenschen zu schämen hätten V- — Dessen war Noach sich stets bewußt, das ließ er niemals ans den Augen srbm nx ro ■frinn „mit Gott stets wandelte Noach," und daraus floß seine edle, vollkommen fromme Gesinnung „D’on" und diese Herzensreinheit bestimmte sein Thun und Lasten nnN vn nrx p-.s icrä-jVnna „Wandelt in Herzensreinheit der Gerechte, dann Heil seinen Söhnen nach ihm." — Durch diese drei große Eigenschaften Noachs war seinen Söhnen die Fähigkeit des Bestehens und der Dauer geworden. Dadurch vermochte er sie so zu erziehen, daß sie, imnitten einer verderbten Welt, unberührt blieben von der allgemeinen Sittenverderbniß. Im heiligen Soharbuche wird zu Anfang unseres Wochenabschnittes der talmudische Grundsatz erwähnt: Q’mv-n ret mpD bs. Daß überall das Wort rfrx ohne das verbindende Waw das ^tachfolgende in den Gegensatz zu dem Vorhergehenden stellt, nr&n rfo*, diese, die nun folgen, sind 9tachkonnnen, wirkliche Nachkommen, von denen an, Geschlecht an Geschlecht sich reihen wird; nicht aber diejenigen, die vorher die Erde bevölkert hatten und die sämmtlich zum Untergang bestimmt waren. Und was war es, was den nun folgenden Geschlechtern Dauer verlieh? Die Tugenden des Vaters waren es, seine thatkräftige Frömmigkeit, seine reine vollkommene Gesinnung, sein Wandel mit Gott. Wenn wandelt in Herzcnsrei'chcit der Gerechte, dann Heil seinen Nachkommen nach ihm. :o*jiwnn by ^diö rtasi -ickjet üipo b „Ueberall, wo steht „und diese", schließt es sich an das Vorhergehende an. Daher heißt es pnsr rr&m rbvn, da Jizchak, sein Sohn Jakob und dessen Nachkommen nicht in den Gegensatz zu dem Vorhergehenden getreten sind, sondern sich berufen fühlten, das von Abraham Begonnene fortzusetzen. Es wird in unserer Zeit vielfach darüber geklagt, daß es frommen Eltern so schwer fällt, ihre Kinder in Gottesfurcht zu erziehen. Auch in unserer Zeit hat der Abfall von Gott und Seiner heiligen Lehre große Ausdehnung gewonnen. Ueberall lauert die Verführung, und tausend Verhältnisse sind es, die sie fördern und begünstigen. Gegen sie das Heranwachsende Geschlecht zu waffnen und es vor ihr zu schützen, ist die Hauptaufgabe der Erziehung. Nur der kann diese große und schwierige Aufgabe erfüllen, der selbst als ein wahrhaft Gerechter in Herzensreinheit mit Gott wandelt. — Gott hat verheißen, daß niemals wieder eineWafferfluth die Menschheit vernichten soll; aber eine andere Sündflnth droht hereinzubrechen, Gottlosigkeit und Lasterhaftigkeit nehmen überhand auf Erden. Mögen die treuen Gläubigen in Israel fcststehen in tugendhaftem Leben, in frommer Gesinnung, im Wandel mit Gott. Dann wird, wenn auch die Berge weichen und die Hügel wanken, Gottes Gnade von uns nicht weichen, und der Bund Seines Wohlwollens nicht wanken, so hat gesprochen unser Erbarmer, der Ewige. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart, 29. Sept. Unser hiesiges Kirchenvorsteheramt hat endlich zur Besetzung der seit langer Zeit schon erledigten 2. Cantorstelle 2 Candidaten probeweise vorbeten lasten, um auch dem gottesdienstbesuchenden Publikum Gelegenheit zur Urtheilsbildung in Bezug auf diese Bewerber zu geben. So anerkennenswerth und praktisch diese Absicht ist, hat cs unter vielen Gemeindegenossen einen wahren Sturm der Erbitterung und Entrüstung hervorgerufen, daß unsere Kirchenleituug während eines halben Jahres keine passendere Gelegenheit zu finden wußte, als gerade an unseren höchste» Festen — Neujahrsfest und Versühnungstag — dieses — um den richtigen Ausdruck zu gebrauchen — Cantor- Wettrennen zu veranstalten. Selbstverständlich muß durch jeden neuen, dem Ohre gänzlich fremden Vortrage die Andacht und Erbauung mehr zu einem programmmäßigen Eoncert herabgewürdigt werden. Unser Kirchenvorsteheramt wandelt eben auch, wie seine oberste Kircheubehörde, jene eigeuthümlichen Wege, die von allen Seiten nur Mißbilligung und Befremden erfahren. Die jedenr jüdischen Sinne und Geiste entgegeustehende Zusammensetzung dieses letzteren Collegiums ist zwar in Ihrem geschätzten Blatte schon des öfteren treffend beleuchtet worden; als ein weiteres Eharacteristicum dürfte noch als ergänzende Thatsache angeführt werden, daß nämlich an unserem ersten Neujahrstage ein Mitglied dieser Behörde, Herr Bankdirektor Bensinger, sich bemüßigt sah, mit Geschäfts-Akten beladen von seinem Finanzbüreau nach Hause zu wandeln, um wahrscheinlich seine persönliche Austastung dieses Festtages geeignet werktäglich zu demonstriren. Muß dieses Benehmen eines zur Entscheidung religiöser Angelegenheiten mitberufenen Mitgliedes