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Der Israelit · 1885-10-05 · Heft 77 (5.10.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 77 (5.10.1885)
Date
1885-10-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1306 ihre Beschwerde erwicderte, daß sie wohl bis zum «. bleiben könnten, doch dann auf eigene Kosten in die Hcimath reisen müßten. Bei den ungeheuren Entfernungen in Rußland wären diese Kosten immerhin sehr bedeutend gewesen, und da die Meisten der Soldaten nichts besitzen, wohl der jüdischen Gemeinde Bobrnisk zur Last gefallen. Man wandte sich daher an Herrn Eh. B. Rabinowitz hier, der, obgleich der Fasttag schon herannahte, nicht einen Augenblick zögerte, bei den maßgebenden Behörden persönlich für die Soldaten einzntrctcn und dem es auch gelang, die kostenfreie Beförderung der jüdischen Soldaten am Sonntage zu erwirken. Ucbcrhanpt ist den jüdischen Soldaten in Bobrnisk cs vollständig ermöglicht, ihre Religion zu halten. Während cs in Deutschland oft mit den größten Schwierigkeiten verbunden ist, das Geld zusammen zu bringen, um nur am Peßachfeste den jüdischen Soldaten erlaubte Speisen zu übermitteln, braucht von den achthundert und so und so viel Inden, die hier in Garnison liegen, niemals Einer auch nur einen Bissen Trefa zu essen; die Küsten hiefür trägt, soweit die Leute ganz unbemittelt sind, die Gemeinde. Und um was mancher deutsch-jüdische Soldat sie beneiden könnte: Kein jüdischer Soldat hatte bis jetzt am Sabbat oder Festtage irgend einen Dienst; doch ist vor wenigen Wochen nach längerem Hin- und Herrcdcn zum Beschlüsse erhoben worden, das; Inden, wenn sie das Loos trifft, auch am Sabbat Wache stehen müssen, da dies keine Arbeit und also keine Entheiligung des Ruhetages sei. P a l ä st i n a. Der ital. Consul in Jerusalem hat berechnet, daß der projectirte Canal durch Palästina zur Verbindung des mittelländischen mit dem rothcn Meere die Fahrt zwischen diesen Meeren um vier Stunden abkürzen werde, daß die Herstellungskosten um die Hälfte geringer sein würden, als die beim Bau des Suezkanals und derselbe mit bei Weitem geringerem Aufwand unterhalten werden könnte, als dies beim Suezkanal der Fall ist; namentlich würde Italien großen Vortheil durch einen Palästina-Canal erlangen. Afrika. Tanger. Ein aus dem Süden stammender Jude hatte einen Diebstahl begangen und wurde in's Gefängnis; gesetzt. Damit begnügte sich der Gouverneur nicht, er verhaftete auch dessen Frau, Tochter und Nachbarn, obgleich Letztere ganz und gar an dem Diebstahl nicht betheiligt waren. In Folge dieses Vorfalls hat der Gouverneur alle nicht in Tanger geborenen Inden, mehrere hundert Handwerker und ihre Familien, ausgewiesen. Auffallend ist es, daß die hiesige jüdische Vertretung mit dieser Maßregel sich einverstanden erklärte. / Ein jüdischer Kaufmann ans Demnat, welcher mit zwei mit Waarcn beladenen Mauleseln nach Hause reiste, wurde von den Soldaten des Gouverneurs seiner Waarcn beraubt. Anstatt die Diebe zu bestrafen, ließ der Gouverneur den Juden so lange bastionircn bis er zugab, daß ihm nichts entwendet worden. Die Mutter des Inden warf sich dem Gouverneur zu Füßen, um die Beendigung der schmachvollen Strafe zu bewirken; nicht allein, daß sie dieses nicht erzielte, wurde auch sic aus demselben Platze der Bastionirnng unterworfen. Die amerikanischen Missionäre entfalten in Tanger eine große Thätigkeit; aber alle ihre bekannten Mittclchen und ihr Kostenaufwand bleiben fruchtlos; nicht ein einziger Jude hat sich von ihnen verführen lassen. Feuilleton. Hiichaöikilirl. Erzählung von Friedrich Rott. III. Draußen heulte der Sturm, gar oft übertönt von dem furchtbar lauten Rollen des Donners, der den hcllleuchtcnden Blitzen in derselben Sccunde folgte und die Erde in ihren Grundfesten zu erschüttern schien; prasselnd schlug der Regen gegen die Fenster. Bei jedem Donnerschlag erbebte der bleiche Mann, der noch immer wie gebrochen vor dem Sohne stand. Umsonst hoffte er, Eduard werde das Schweigen brechen; doch Viertelstunde auf Viertelstunde verrann, und noch immer hatte dieser das ersehnte Wort nicht gesprochen, und die Zeit schritt vor, die Zeit drängte. Wieder ward ein feuriges Zickzack an den Fenstern sichtbar, und im selben Moment krachte der Donner so furchtbar laut, als stürzten die Mauern zusammen. „Herr Gott, das hat eingeschlagen!" ries Kornfeld. Auch Eduard hatte sich unwillkürlich aufgerichtet und blickte wie verwirrt um sich. Der Donner war verhallt, Sturm und Regen hatten nachgelassen, die Kerze war dem Erlöschen nahe. „Dn bist mir noch Antwort schuldig, utein Sohn," sprach Kornfeld nach längerer Panse. „Antwort?" wiederholte Eduard fragend. „Ich bin freilich über Deine Antwort nicht im Zweifel, — doch muß ich Dich ersuchen, mir zu sagen, ..." er stockte. „Was soll ich Dir sagen?" fragte Eduard. X

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