Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-10-05 · Heft 77 (5.10.1885) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 77 (5.10.1885)
Date
1885-10-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449574--22973-2512627
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1305 litm ihres Bestehens. Diese Literatur darf sich — das war die Ueberzeugung Aller — getrost mit jeder andern Schulbücherliteratur, sowohl was den Inhalt als auch die Reichhaltigkeit betrifft, messen. Auch die äußere Ausstattung der Lehrbücher an Papier, Druck und Einband erweckten einen befriedigenden Eindruck. Der Schulmann, der Humanist weiß es, daß dies keine werthlose Acnßcrlichkeit ist. Groß ist der sittliche und ästhetische Einfluß, den gut ausgestattete und gut gehaltene Bücher auf die Jugend üben, in Gegensatz zu jenen ehemaligen zcrblättcrten, unsauberen Gebetbüchern und Bibeln. Der sich jedem Kelteren aufdrängende Vergleich konnte das Herz nicht ungerührt lassen. Der Eine der Herren gab diesem Gefühl in öffentlicher Rede einen wchmüthigen Ausdruck, der aber in Helles Lob der guten Gegenwart überging. Der Ausschuß hat beschloffcn, diese Sammlung zu einer ständigen Bibliothek des jüdischen Religionsunterrichts zu gestalten und nach Bedürfnis; zu vervollständigen. Der veröffentlichte Katalog gibt, wenn auch nicht ein vollkommenes, doch ein ziemlich ausreichendes Bild dessen, was jetzt vorhanden ist und kann Lehrern als Führer bei der Auswahl der Lehrmittel dienen. In dein Maaße, wie uns vorhandene und neu erscheinende Bücher zngehcn werden, sollen Nachträge zu diesem Kataloge erscheinen, so daß diese bibliographische Sammlung neben ihrem praktischen Werthe für das Anssuchen der Lehrbücher noch ein Hilfsmittel für das Studium b<yr geschichtlichen Entwickelung der Lehrmethoden bieten kann. Es ergeht deshalb die Bitte an alle Diejenigen, in deren Besitz sich ältere Lehrbücher und Hilfsmittel der jüdischen Schullitcratur befinden, sowie an alle Herren Verleger, die neuerdings solche in Verlag nehmen, dem D. I. G. B. dieselben gütigst zur Verfügung stellen zu wollen. Daß es auch für die Herren Verleger von Nutzen sein wird, wenn ihre Verlagsartikel durch unfern Katalag veröffentlicht werden, ist wohl selbstverständlich. Nun, eine Auswahl von empfehlenswerthen Büchern zu treffen, konnte der Ausschuß aus bekannten Gründen nicht unternehmen, wohl aber glaubte er durch die Herausgabe dieses Katalogs dem suchenden Lehrer einen Führer geboten zu haben. Möge Jeder nun das auswählen, was die lokalen Verhältnisse verlangen, und was dem Lehrer in Bezug auf die religiöse Richtung seiner Gemeinde nothwendig und heilsam erscheint. Mehr darf vom D. I. G. B. nicht geschehen, dagegen erlaubt sich der Ausschuß noch die Frage anzurcgen, ob denn bei der oben nachgewiesenen inneren ttebereinstimmung der Bücher eine so große Vielfältigkeit derselben nothwendig ist. Die Uebcrhäufnng mit Lehrbüchern wird ja auf dem allgemeinen Gebiete der Pädagogik beklagt. So belehrt uns z. B. das Lexikon der Pädagogik von F. Sander, daß im Jahre 1880 an den höheren Schulen Preußens im Ganzen 1544 Lehrbücher im Gebrauch waren, davon 668 nur an je einer, 233 an je zwei, 133 an je drei Schulen, zwei Dritttheilc aller Lehrbücher also, nämlich 1014, waren an höchstens 3 Anstalten cingesührt. Wenige Bücher dringen, wie ein Referent dazu bemerkt, wirklich durch, und dabei erscheinen jährlich, von den Hilfsmitteln für den fremdsprachlichen Unterricht abgesehen, etwa 1200 deutsche Schulbücher. An einer höheren Schule liegt der Fall vor, daß von den Rcligionslchrcrn, welche sich im Laufe von 10 Jahren folgten, drei je ein Hilfsbuch für den Religionsunterricht an höheren Schulen verfaßten. Dieser Aufwand von Arbeitskraft und Kapital, welcher durch Abfassung und Druck von Schulbüchern veranlaßt wird, ist ein ebenso großer Uebelstand wie die Berschiedenartigkeit der im Gebrauche befindlichen Schulbücher. Die Mängel, die ein Lehrer entdeckt, veranlassen ihn, ein neues Lehrbuch zu schreiben, in welchem ein dritter Lehrer wieder andere Mängel entdeckt. So entsteht denn liiic Uebcrprodnction, welche für den Unterricht wahrlich nicht ersprießlich, für die Eltern aber wegen des häufigen Wechsels der Bücher kostspielig ist. Und dies trifft für unsere Verhältnisse um so mehr zu, als die Amtsthätigkcit unserer Lehrer, namentlich in den kleineren Gemeinden, selten von langer Dauer ist. Eine Abhilfe ließe sich hier dadurch bringen, daß berufene Kräfte, welche die verschiedenen Richtungen vertreten, eine Reihe von Büchern answählten und daß mit den Verlegern wegen einer billigen Herstellung dieser Bücher in größerer Anzahl in Unterhandlung getreten würde. Der Ausschuß wird dies nach seinen Kräften gern unterstützen, und hofft dadurch in den Stand gesetzt zu sein, ärmere Gemeinden mit den fehlenden Lehrmitteln zn versehen. Der Rechnungsbericht pro 1884/85 weist eine Einnahme von 31588 M. ans, die bis 10009 verausgabt werden. An Vermögen besitzt der Bord 67031 Mark. Rußland. Bobrnisk, September. Kurz vor bciii Bcrsöhnungstage wurde den hiesigen Soldaten, die ihrer Wehrpflicht genügt und in die Hcimath entlassen werden sollten, angckündigt, daß diese Entlassung am 7. September, das ist nach unserem Datum am 19. September (Versöhnnngstag), stattfiudcn werde. Bei diesen Reservisten befanden sich über Hundert jüdische Soldaten, denen man auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.