Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 77 (5.10.1885)
- Date
- 1885-10-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1304 Der D. I. G. B. hatte beschlossen, mit der „Eonfcrenz iSr. Schulmänner aus ganz Deutschland" noch eine Ausstellung von Lehrmitteln für den jüd. Religionsunterricht zu verbinden, welche sowohl wegen ihrer Neuheit anregend als wegen ihres Inhalts für die Besucher der Konferenz nutzbringend zu werden versprach. Indem der Ausschuß an die Ausführung ging, mußte vor Allem eine Untersuchung darüber veranstaltet werden, welche Schulbücher für den israelitischen Religionsunterricht in Deutschland benutzt würden. Behufs Feststellung dieser Thatsachc wandte sich der Ausschuß au Vtt im Untcrrichtswcsen bewährte Rabbincn und Lehrer Deutschlands, bei deren Auswahl sowohl auf die Berschiedenartigkeit der Schulverhältniffe, als auch der religiösen Richtungen geachtet worden ist. Mit dankenswerthem Entgegenkommen wurden die Antworten ciugcsandt: das Ergcbniß war überraschend und bcachtcnswerth. Während nämlich in den 60 Berichten 145 Bücher als Grundlage des israelitischen Religionsunterrichts genannt worden waren, vereinigte sich jedoch die Majorität der Empfehlungen auf nur 8 bis 10 Schulbücher, ja auf einzelne dieser Werke vereinigten sich sogar die Stimmen sämmtlicher Votanten. Solche Bücher waren die Fibeln von Horwitz und Rahmcr, der Rödelhcimer Siddur, die Bibclausgaben der israelitischen orthodoxen Bibclanstalt(Kanffmann, Frankfurt a. M.), die biblichcn Geschichten von Ancrbach und Levy, die Lehrbücher von Sondheimer u. Hcrxhcimcr. Es muß besonders hervorgehoben werden, daß in der Bereinigung auf einige bestimmte Lehrbücher die entgegengesetztesten Richtungen zusammcntrasen. In der That, es konnten keine günstigeren Auspicieu der Dclegirten-Konfercnz vorhcrgchcu, als die Resultate dieser Untersuchung. Welche Einigkeit innerhalb dieser Vielfältigkeit der Objekte, die ja zugleich ans ein reges Bedürfnis; und auf das wiedererwachte religiöse Bewußtsein der deutschen Judeuheit hindeutct. 145 Lehrbücher waren genannt worden — und doch sind kaum einige Mcnscheualter verflossen, selbem das erste jüdische Schulbuch in deutscher Sprache erschien und allgemein angcstannt wurde! Eine solche Mannigfaltigkeit mußte die erhöhte Aufmerksamkeit des D. I. G. B. auf die Geschichte und den gcsammten Umfang der jüdischpädagogischen Literatur in Deutschland lenken. Bei dem Mangel an guten bibliographischen Hilfsmitteln in diesem Fache erhob sich aber zunächst die Schwierig- Bureau des D. I. (&. B>, Berlin W., Sigisittundstraße 5, z» erhalten. feit, eine Uebcrsicht über das jetzt in Deutschland vorhandene Material zu gewinnen. Denn erst nach erlangter Keuntuiß dieser Literatur konnte der Ausschuß daran gehen, die Bücher hcrbeizuschaffen. Das Gelingen dieses sehr mühsamen Wertes ist lediglich der Güte des Herrn Dr. Gustav Karpeles zu danken, der sich mit seiner Kcnntniß und seiner großen Liebe zur Sache der Angelegenheit angenommen hat. Nicht minder dankbar hat es der Ausschuß anzuerkenncn, daß das Unternehmen von Behörden. Schulmännern und Verlegern auf das Engegenkommendste unterstützt worden ist. Alle in dem Kataloge aufgeführten Bücher — 394 an der Zahl — sind uns von den Vcrlagsanstalten gratis zugestellt worden. Am Tage der Eröffnung der Konferenz wurde auch die erste isr. Lchrmittelausstellung in der Aula der Gemtindcschnle zu Berlin eröffnet. Waren sich die Unternehmer der Ausstellung scholl vorher bewußt, mit derselben eine Institution von Bedeutung für das jüdische Lehrwescn in's Leben zu rufen, so wurde die ganze Tragweite des Werkes erst klar, als sic den Eindruck beobachteten, den cs auf die Fachmänner hervorbrachte. War es die Fülle des Gebotenen, waren es interessante und bedeutsame Einzelheiten, die Einer oder der Andere längst kennen zu lernen gewünscht hatte, war es die Verglcichllllg zwischen älteren und neueren Lehrmittelll, die Betrachtung des Fortschritts, der sich auch in der jüd. Schulbüchcrlitcratur unverkennbar offenbart, oder Alles dies zusammen — genug der Eindruck der Sammllmg war ein bedeutender und die Ausstellung für alle Besucher nutzbringend und belehrend. Die einzelnen Objecte waren nachfolgenden fünfzehn Abthcilnugen geordnet: l) Fibeln, Wandtafeln und Schreibhefte. 2) Sprüche und Memorirbücher. 3) Lesebücher. 4) Bibeln, einzelne Bücher der Bibel und Apokryphen. 5) Gebetbücher. 6) Vokabularien, Lexica. 7) Grammatiken. 8) Gesangbücher und Liturgisches. 9) Erbaunngsbücher. 10) Religionslehre. 11) Biblische und jüdische Geschichte. 12) Geographisches und Karten. 13) Konfirmandenbücher. 14) Jugendschriften. 15) Bücher für Lehrer. Es steht dem Ausschuß des D. I. G. B. nicht zu, über die Ausstellung selbst ein fachnlännisches Urtheil abzugeben. Nur einige Bemerkungen seien uns noch gestattet, die das Besondere des Eindrucks, den die Ausstellung hervorgernfen hat, erklären mögen. Zunächst war es das Gefühl der Freude über die Thatsache, daß eine solche Ausstellung überhaupt hat stattfinden können, und in Zusamulenhang damit das Gesühl der Genngthnuug über den Fortschritt der israelitischen Schulbücherliteratur, in dein ersten halben Saecu-