Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 77 (5.10.1885)
- Date
- 1885-10-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1303 Stuttgart. crn mico nV. Ich habe den Lesern des „Israelit" heute eine Trauerbotschaft zu bringen, die Botschaft von dem Hiuscheidrn eines Mannes, auf den im vollsten Sinne der Worte anzuwcnden ist: rrnn n:s nn rmn n:s Tyn p pns ns*» „Scheidet ein Frommer aus der Stadt, so schwindet ihre Herrlichkeit, ihr Glanz und ihre Zierde." Eine wahre Zierde der Stadt und insbesondere der hiesigen Gemeinde ist mit (in p nxhr '21 wi) dem Bankier S. T. Nö rd linge r, der in der Frühe des zweiten Noschhaschonotages im Alter von 63 Jahren seine reine Seele aushanchtc, dahingcgangcn. Mit ihm ist zugleich ein filteren antcs Stück Geschichte der hiesigen jüdischen Gemeinde, der er ungefähr 30 Jahre lang angehörte, zu Grabe getragen worden. (k war gewiß der populärste, der geliebtcste und verchrteste Mann in der Gemeinde; er war ihr Glanz und ihre Zier. Seine große, echt jüdische Wohlthätigkeit, sein überaus leutseliges und freundliches Wesen, sein edler Charakter, die reichen Schätze seines Herzens und Gcmüthes und nicht minder die seines Geistes erwarben ihm schnell das unbegrenzte Zutrauen und die liebevolle Anhänglichkeit aller derer, die das Glück hatten, in irgend eine Beziehung zu ihm zu treten. Das Vertrauen seiner Gemeindegcnossen berief ihn daher auch zu wiederholten Malen in das Collegium des Kirchenvorsteheramtes, dem er eine lange Reihe von Jahren angehörte. Und grade in dieser Stellung verdient er unsre volle Anerkennung und Bewunderung. War er doch derjenige, welcher deu maßlosen Resormbcstrebungen des Hofrath Levi und seiner übrigen Amtsgcnossen mit aller Kraft und Entschiedenheit cutgegentrat; ja, er war der einzige, der cs wagte, das alte Judenthum gegen den allgewaltigen Hofrath ln Schutz zu nehmen, und er blieb seinen Grundsätzen treu und vertrat sie mit aller Energie, wenn auch seine muth- und thatlosen Kollegen in keiner Weise ihm Unterstützung zu Thcil werden ließen. Einen Erfolg konnte er trotz redlichster und aufopferndster Bemühung unter diesen traurigen Verhältnissen natürlich nicht erlangen, und dieser Umstand wie auch seine geschwächte Gesundheit veranlaßte» ihn, sein Mandat niederznlegeu. Aus gleichem Grunde lehnte er es auch ab, Mitglied der israel. Oberkirchenbehörde zu werden, wozu er schon vor ca. 15 Jahren in Vorschlag gebracht worden war. Sein Herzenswunsch war, in Stuttgart ein jüdisches Spital errichtet zu sehen. Wer nur irgendwie die Stuttgarter jüdischen Verhältnisse kennt, weiß, welches Bedürfniß ein jüdisches Spital für unsre Stadt ist. Sein Antrag im Kircheuvorsteheramt aus Errichtung eines solchen von Seiten der Gemeinde wurde abgclehnt, und als er darauf als Vorstand der ‘-on xvry einen Aufruf zur Cvllccte für diesen Zweck erließ, wurde diese Kollekte vom Gemeinderath nicht genehmigt, weil Hofrath Levi, der zugleich Gcmcinderathsmitglied war, die ErklärnngKabgab, daß ein jüdisches Spital hier kein Bcdürfniß sei. (!!) Seitdem betrachtet cs die 'icrnp '-cn auf Anregung ihres leider zu früh verstorbenen Vorstandes als eines ihrer Hauptziele, ein Spital zu errichten, sobald genügend Mittel vorhanden sein werden. Das Scheitern dieses seines Lieblingswunsches verursachte ihm unsäglichen Schmerz, besonders weil Diejenigen das Hindernis; bildeten, die vorzüglich berufen waren, ihm die höchste Unterstützung zu Thcil werden zn lassen. Wie er ein liebevoller Annehmer jeder guten Sache war, so zeigte er sich auch als eifriger Förderer und Gönner der hiesigen israel. Neligionsgesellschaft, und immer freute cs ihn herzlich, wenn er diese sich kräftig entwickeln und gedeihen sah. Wollte ich all' das Gute,(.das er ^während stincS ganzen Lebens unausgesetzt übte," aufzählen und schildern, ich wäre es nicht im Stande, schon dcßhalb nicht, weil eine Menge seiner Liebesthaten nur ihm und dem, der sie genossen, bekannt geworden sind: geräuschlos und bescheiden, wie er Alles that, vollzogen sich auch seine guten Werke. Wie viel Elend und Roth im Geheimen er gemildert, wie^ viele bekümmerte Herzen er getröstet, wie vielen er ein Stifter des Friedens war — wer vermöchte cs zu sagen? Ucber ihn selbst ist manches Ungemach heremgebrochen, doch ertrug er alles mit Ergebung in den Willen Gottes, wie überhaupt sein Gottvcrtrauen in allen Wechselfällcu des Lebens ihn stützte und aufrecht erhielt. Es kann daher nach all' dem Gesagten nicht Wunder nehmen, wenn der Hingang dieses seltenen Mannes von allen Seiten und Parteien so schmerzlich empfunden wird. Roch lange wird er vermißt werden, und die Lücke, die er gelassen, noch lange fühlbar bleiben. Möge er in jenen lichten Höhen, zu denen er nun cingegangen, den wohlverdienten Lohn für all' seine redliche Arbeit hier auf Erden finden, und mögen auch hier die Keime des Guten, die er in so reicher Zahl in den sterilen Boden des Stuttgarter Gemeindelcbcns gelegt, recht bald Wurzel schlage» und ein Umschwung zum Besseren sich vollziehen; dann wird unser edler Dahingegangener noch im Tode leben und sein Andenken ewig frisch sich erhalten! rt"3'Wn. Berlin. Den „Mirtheilnngen vom deutschisraelitischen Gemeindcdunde" *) (September) entnehmen wir: _ * . *) Dieselben sind gegen Fnurkonnsendung von 30 Pf. vom