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Der Israelit · 1885-10-05 · Heft 77 (5.10.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 77 (5.10.1885)
Date
1885-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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i302 was gar keinen Sinn gehabt hätte, wenn der Mensch lediglich der Naturnothwendigkeit folgen müßte. Das erste Menschenpaar hat das ihm gewordene Verbot übertreten, was ohne die Freiheit des Willens gar nicht möglich gewesen wäre. Im Ebenbilde Gottes ist der Mensch durch den freien Willen des allmächtigen Gotte« erschaffen worden — das ist die Grundlage unserer religiösen lleberzeugung. Die Freiheit des Willens setzt die Möglichkeit voraus, daß der Mensch den rechten Weg cinschlage oder von ihm abweiche. Schon der erste Mensch bewährte diese Freiheit in der Uebertretung des einzigen göttlichen Gebotes, das ihm geworden war. Der älteste Sohn Adams ward znm Brudermörder, und schon im dritten Geschlechte fingen die-Menschen an, den Namen Gottes zu entweihen und Götzen von Holz und Stein ihre Verehrung zu widmen. So groß wurde die Verderbniß, daß bis auf eine Familie das ganze Menschengeschlecht hinweggerafft werden mußte, und nur Noach und die Seinen wurden in wunderbarer Weise vom Untergänge errettet. Aber die Nachkommen Noachs folgten meistens dem Beispiele ihrer vorsündfluthlichen Ahnen, bis Gott einen Menschen fand, der aus freiem Antriebe das Gute erstrebte, die Wahrheit erkannte und in zahlreichen Versuchungen die Probe bestand. Dieser eine Mensch war Abraham, wie es heißt: (Nehemias C. 9, V. 7) 'xi man iby nrai icw \xh nx nosdi „Und Du fandest sein Herz treu vor Dir und schlossest mit ihm den Bund." Nicht nur durch die Erwägung dessen, was gut und recht ist, sondern auch durch die von nnsern Vätern freiwillig übernommenen Verpflichtungen durch den Bund, den Gott mit uns und wir mit Gott geschlossen haben, sind wir gehalten, Ihm zu dienen und Seine heiligen Zlvecke auf Erden zu fördern. Und das ist die dritte Grundlage unserer religiösen lleberzeugung. Die erste ist die Anerkennung der Freiheit des göttlichen Willens, der nach freiem Ermessen das Weltall aus Nichts erschaffen; die zweite Grundlage ist, daß Gott den Menschen in Seinem Ebenbilde erschaffen und ihm die Freiheit des Willens verliehen; die dritte Grundlage ist, daß Gott aus allen Geschlechtern der Menschheit Israel zu Seinem Dienste berufen. Wir verehren die heilige Wuuderkraft des allmächtigen Gottes und lieben die gnadenvolle Vorsehung Seiner stets über uns waltenden unendlichen Liebe. Jedes Gottesgebot, das wir befolgen, setzt uns immer tvicder und stets auf's Neue mit bciti Einig-Einzigen in Verbindung, verjüngt die alternde Kraft, haucht uns immer wieder neues Leben ein und tränkt uns aus dem Borne der Unsterblichkeit. Das ist die Offenbarung des Geheimnisses unserer Existenz, das ist die Antwort auf die Frage, warum wir allein sind übrig geblieben von allen Völkern des Alterthums, warum wir nicht vernichtet werden konnten von den schrecklichen Stürmen, die, verderbenschwanger, im Mittelalter über unsere Häupter hinweggezogen; warum wir gestählt und gekräftigt sind gegen die Verführung) die uns in der Neuzeit zu verlocken droht, moiy obyb pxm *a *jm im -in „Es kommen und gehen die Geschlechter; aber das Geschlecht, das Gott erwählt hat, besteht für die Ewigkeit*)." Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Fürth ™yb ndd p. Eine Rundschau am vergangenen n"-i in den hiesigen Synagogen war keine erfreuliche; es fanden sich leider der Lücken so viele, Unsere Gemeinde hat im vergangenen Jahre so viele der Edlen nnd Guten verloren und zum Schluffe auch noch unseren allverehrten Herrn AbrahamFelsenstei n b‘% den letzten Veteranen, den letzten Kämpfer ans jener Zeit, in der derRcligkonssinn so sehr erschlafft, die Pflege der Gotteslehre so sehr vernachlässigt war. Er war noch einer und zwar leider nun der letzte jener wenigen, denen es damals durch ihre Energie gelungen, den Sinn für nssmpn irmin wieder anzufachen, denen cs gelungen, die orthodoxen Familien wieder zu engerem Anschlüsse zu vereinen. Jenen Wenigen gebührt auch der Ruhm, mit geringen Mitteln die jetzt so herrlich blühende isr. Bürgerschule in's Leben gerufen zu haben, eine Schule, die für die Erziehung unserer Kinder zu frommen gebildeten Juden von so unschätzbarem Werthe ist, nnd ganz besonders hatte der Verewigte dieser Anstalt Rath und That, Geld und Zeit in vollem Maße zugewandt, und ebenso wie die isr. Bürgerschule betrauert auch die ganze orthodoxe Gemeinde einen ihrer eifrigsten Vertreter. Das Andenken dieser Edlen Alle wird niemals ans unserer Gemeinde verschwinden; mögen auch deren Nachkommen in gleichem Sinne fortwirken. TO-0> p’TS T2T .r *) Koheleth (F. 1, V. 4. Vergleiche Raschi. ■ffiNJff pN IN1p: 'N-IIP* 'p'IU 72 1Q1N NDICUH KmOl pn px '»nn cnxi ,.Jm Midrasch Tanchuma wird gelehrt, daß alle Frommen in Israel p» genannt worden, wie es heißt: (Maleachi (5. 3, V. 12) „Und alle Völker werde» euch glücklich preisen, und ihr werdet sein ein l'and des Wohlgefallens — hat gesprochen der trwige, Zebaoth."

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