Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 75-76 (22.9.1885)
- Date
- 1885-09-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1286 •*« wolltest, lüfly die Ehre gebietet. Adele ist meine Braut." Kornfeld schüttelte den Kopf. „Eure Verlobung sollte erst im kommenden Herbst stattfindcn, Du warst daher nie berechtigt, sic Braut zu nennen." „Sie ist allerdings meine Braut," crwicdertc Eduard heftig, „mit Deiner Zustimmung habe ich ihr mein Wort gegeben; ich wäre ehrlos wollte ich cs brechen." „Ruhig, ruhig, junger Mann! wie oft werden nicht Verlöbnisse aufgehoben — und ich wiederhole, Ihr wart nie verlobt. Bon einem ehrlosen Vorgehen kann keineswegs die Webe sein, zu einer ehrlosen Handlung möchte ich meinen Sohn nimmer überreden." „Das weis; ich," entgcgncte Eduard nach Mäßigung ringend, „und ich begreife noch immer nicht, aus welchem Grunde Dil mit einem Male gegen diese Verbindung bist, die Dir bisher sympathisch schien." „Weil ich zu der Ueberzcugnng gelangt bin, daß diese Verbindung nicht zu Deinem Glücke führen tvird. —" „Nicht zu meinem Glücke? — Kennst Du Adele nicht? Die Beste, Schönste, Reinste, Edelste." „Und so weiter, und so weiter," siel Kornfeld trocken ein. „Um ein Hans zu gründen, bedarf es in unserer materiellen Zeit mehr als Schönheit, Tugend und Edelsinn. Dazu gehören vor allem anderen drei Dinge, Geld, Geld und wieder Geld. Schönheit, Tugend und Edelsinn sind darin angenehme Zugaben. Aber wo die Hauptsache fehlt..." „Adele ist nicht ganz mittellos, ich habe ein festes Gehalt, kann sogar bei meiner Verheirathung auf Zulage rechnen." Kornfeld schüttelte den Kopf, ohne jedoch den Blick vom Boden zu heben. „Wenn Du in Deinem Eigensinn verharrest, wirst Du nicht lange mehr auf Deinem Posten verharren." „Das begreife ich nicht!" rief Eduard aufspringend. Kornfeld zuckte abermals die Achseln. „Es gibt gar Manches, was Du nicht begreifst. — Du bist eben noch sehr, sehr jung. — Aber sei überzeugt, mein liebes, „theures Kind, daß ich Dein Glück im Auge habe. — Freilich nicht Dein Glück allein, denn das Glück Deiner Mutter und Deiner Geschwister muß mir ebenfalls am Herzen liegen. — Aber in biefem Falle begegnen sich eurer aller Interesse. Sowohl um Deinetwillen als um Deiner Mutter und Deiner Geschwister willen muß ich darauf bestehen, das; Du das mittellose Mädchen anfgibst und Dich um eine Reiche bewirbst." Der junge Mann war leichenblaß geworden. „Das kann Dein Ernst nicht sein" murmelte er, „unmöglich." Kornfelds Haupt neigte sich noch tiefer über seine Brust, er schien dem flehentlich auf ihn gerichteten Blicke des Sohnes auswcichen zu wollen. Tiefes Schweigen herrschte im Zimmer, der Athcm des jungen Mannes ging keuchend. Da ward plötzlich ein helllcichtcndcs Zickjack an den Fenstern sichtbar und gleich darauf rollte ein lang anhaltender Donner furchtbar laut. Kornfeld fuhr zusammen, als hätte der Blitzstrahl ihn selbst getroffen. Eduard athmetc wie erleichtert auf, seine Rippen bewegten sich im leisen Gebete, dann fuhr er mit der Hand über die Stirn, als wollte er einen häßlichen Traum verscheuchen. Ich muß Dich mißverstanden habe», Papa," sprach er endlich. Der Vater zuckte die Achseln. „Das mag sein, doch um jedem weitern Mißverständnisse vorzubeugcn will ich klar und offen zu Dir reden — obgleich ich eigentlich versprochen habe, Dir nicht alles mitznthcilen. — Aber das Ganze wird Dir in einem anderen Lichte erscheinen, wenn Tu. alles weißt, und darum will ich, trotz meines Versprechens, rückhaltlos zn Dir reden. — Also vernimm, mein Sohn: Eine junge, schöne, liebenswürdige,hochgesinnte Dame im Besitze von mehr als zwei Millionen — sage nahezu dritthalb Millionen — hat Dir ihr Herz geschenkt und läßt Dir durch mich ihre Hand und ihr ganzes colossales Vermögen anbietcn. — Run, Du Glückskind, was sagst Du dazu?" „Daß ich den Edelsinn^der jungen Dame seinem vollen Wcrthe nach zu schätzen weiß, doch — ich kann nicht einmal sagen zu meinem Bedauern — das so hochherzig Dargebotcne nicht annchmen kann, weil mein Herz nicht mehr frei und meine Hand bereits vergeben ist." „Ich bin überzeugt, Du besinnst Dich eines Besseren, wenn Du den Namen der reizenden Dame erfährst. Die ganze männliche Welt liegt zu ihren Füßen und wird den Glücklichen beneiden, den die Unvergleichliche sich erkoren. Erräthst Du noch nicht, daß ich von Frau von Kleefeld spreche?" „Frau von .Kleefeld?" rief Eduard heftig. — „Und wenn mein Herz noch frei wäre, wie ehemals, bevor ich Adele kennen gelernt — und wenn Frau von Kleefeld mir viele Millionen zubringen wollte, — ich würde sie zurückweisen, denn ihr Reichthum soll unerlaubter Quelle entspringen." „Wer sagt das?" rief Kornfeld hitzig. „Das sagt die ganze Welt." „Verleumdung ist's, elende Verleumdung, elendein Neide entsprungen."