Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 75-76 (22.9.1885)
- Date
- 1885-09-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1285 gleitet," sagte Frau Kornfeld, indem sic ihren Lhawl fester um die Schultern zog. Das Mädchen ist nicht seine Braut" cntgegncte ihr Gatte heftig; „ihre Mutter hat die Verlobung nicht zugegeben." „Adele ist allerdings Eduards Braut," sagte Frau Kornfeld sanft aber entschieden, „sowohl wir als ihre Mutter haben ihre Verbindung gut geheißen; nur wünschte Frau Ehrmann, ich weiß nicht ans welchem Grunde, die Verlobung nicht vor dem Herbst zu veröffentlichen." „Aber ich habe meine Zustimmung zurückgenommen" rief Herr Kornfeld zornig „habe Eduard jeden weitern Verkehr mit dem Mädchen untersagt." „Aber um des Himmels willen, warum denn das? — Erst gibst Du Deine Einwilligung, und —" „Und jetzt habe ich sie zurückgezogen" fiel er heftig ein, „es ist eine Unverschämtheit von Eduard, das; er trotz meines ausdrücklichen Verbotes —" „Aber sage mir nur um Gotteswillcn. was hast Du gegen Adele?" „Was ich gegen sic habe?—" er fuhr sich mit dem Tuche über die Stirn, als trockene er sich den Schweiß, „nichts habtich gegen das Mädchen, als daß sie nichts hat, oder wenigstens so gut wie nichts." „Das ist kein Grund, Deine Einwilligung zurückzunehmen; Du wußtest, daß sie nicht mehr als zehntausend Mark mitbekommt." „Nun, meinethalben will ich zngcben, daß ich eine Dummheit begangen habe. Das darf mich jedoch nicht hindern, nach reiflicher Ueberlegung meine Dummheit wieder gut zu machen, so lange cs noch Zeit ist." Frau .Kornfeld schüttelte seufzend das Haupt. „Du bist nicht berechtigt, ohne Grund Deine Einwilligung zurückzunehmen. Tic jungen Leute lieben einander, Eduard wird Dir nicht gehorchen." „Ich werd's ihn lehren!" Frau Kornfeld seufzte, doch sic schwieg, denn sie wußte, daß ihr Gatte in dieser Stimmung ans Vcrnnnftgründe nicht' hören würde. Der Wagen hielt vor der Wohnung; sie stiegen aus. Herr Kornfeld trug bcir Hausschlüssel bei sich, er schloß die Thür auf und beide traten ein. „Geh nur hinauf," sagte er, die Thür eines ebenerdigen Zimmers öffnend, „Eduard hat keinen Hausschlüssel, ich werde ihn hier erwarten." „Er wird sicherlich in wenigen Minuten hier sein." „Schon gut, schon gut, geh nur zu Bett." „Sei nicht unfreundlich gegen ihn," bat Frau Kornfeld, indem sie die Hand ans des Gatten Arm legte," Du kannst nicht von ihm fordern, daß er mit dem Mädchen bricht, mit dem er sich mit Deiner Zustimmung verlobt hat." Er murmelte einige unverständliche Worte und trat in das Zimmer, während seine Frau die Stiegen hinanschritt. Wenige Minuten darauf vernahm man ans der Straße rasche, elastische Schritte, die Hausthür drehte sich knarrend in ihren Angeln. Kornfeld ergriff den Leuchter mit der brennenden Kerze, die er angezündct hatte und trat hinaus in die Hausflur, dem eben cintrctcndcn Sohne entgegen. „Du hast ans mich gewartet?" rief Eduard crröthend, „verzeihe, Papa, das hatte ich nicht bedacht." Ter Vater zuckte die Achseln. „Es macht nichts" erwiderte er, „schließe nur jetzt das Hans und wenn Du nicht allzu schläfrig bist, so möchte ich noch über eine wichtige Angelegenheit mit Dir reden." Sein ruhiger, gelassener Ton eontrastirte seltsam mit der Heftigkeit, in der er sich vorhin über den Sohn, geäußert hatte; ein aufmerksamer Beobachter hätte jedoch gewahren können, welche Anstrengung diese Ruhe ihn kostete. Eduard beeilte sich, dem Wunsche seines Vaters zu entsprechen. Nachdem er den schweren eisernen Riegel vor das Thor geschoben, trat er in das Zimmer, in dem Kornfeld mit finster zusammengezogencn Brauen auf und nieder wandelte. Der junge Manu luarf einen scheuen Blick auf das Antlitz seines Vaters, er wartete einige Augenblicke stehend, dann ließ er sich in den Schaukelstuhl am Fenster nieder und harrte schweigend, daß der Vater beginnen werde. Kornfeld setzte seine Zimmerpromenade noch einige Minuten gleichfalls schweigend fort, dann warf er sich wie erschöpft in einen Lehnsessel; ein Seufzer, fast ein Stöhnen entrang sich seiner Brust. Eduard blickte fragend zn ihm hinüber, der Vater gewahrte cs nicht, er hatte beide Arme auf die Seitenlehnen des Sessels gestützt, sein Haupt ruhte in den Händen, die die Augen beschatteten. Abermals verstrichen einige Minuten; der junge Alaun begann ungeduldig zn werden; er räusperte sich leicht, um den Vater an seine Gegenwart zu erinnern; dieser verstand ihn und hob das Haupt ein wenig. „Du hast mein Verbot nicht beachtet," begann er im Tone, sanften, jedoch ernsten Vorwurfs „Dn hast trotz desselben die Ehrmanns wieder begleitet." „Verzeihe, lieber Papa!" erwiderte Eduard, „aber ich kann nicht glauben, daß Du verbieten