Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-09-22 · Heft 75-76 (22.9.1885) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 75-76 (22.9.1885)
Date
1885-09-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449573--22941-2512584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1583 so bringe er sie ebenfalls in die Suckoh, er esse und trinke in der Suckoh, vergnüge sich in der Suckoh und lerne in der Suckoh. So sollen wir cs auch im und mit dem Leben machen. Auch wenn Wir wissen, der Zweck dieses Lebens wird nicht in diesem Leben erreicht, so müssen wir doch so leben, als wäre cs uns zu beständigem Aufenthalte angewiesen. Denn durch die richtige Benutzung dieses Lebens wird ja erst das andere möglich. Hätte Israel in der Wüste nicht erfahren und gelernt, wie man wohnen, wie man sich Wohnsitze errichtet nnd behaglich macht, cs hätte wahrscheinlich auch in Pälästina nicht den rechten Gebrauch gemacht von seinem dortigen Aufenthalte. Biele glauben, weil einmal das Leben nun doch vergänglich, so sei es überflüssig für das, was man in höherem Sinne darunter versteht, sich so viel zu plagen, so genau darauf zu achten, das; jeder Schritt diesem Leben angcpastt werde. Sie betrachten die Hütte nicht als Wohnsitz, sondern nur als Ausgangspunkt, von wo ans sic ihre Streifzügc, ihre Wanderungen unternehmen. Finden sic heute da einen guten Weideplatz, so brechen sie ihren Wohnsitz ab und schlagen ihn dort ans und morgen wieder an ein einem anderen Platze. Ihre Wohnung nehmen sic mit sich. So bestimmen sich durch ihre Lebensweise den Ort ihrer Wohnnng. Wo sich ihnen der Genus; bietet, den sic zu ihrem Leben sich erwählen, dort lassen sie sich nieder. Solche Menschen suchen sich nirgends wohnlich cinznrichlen, nirgends fest sich nicderzulassen. Andere wiederum betrachten diese Hütte als unveränderlichen Wohnsitz, denken nicht daran, das; cs doch nur eine Hütte sei und das; solche Dinge, für die die Hütte keinen Schutz bietet, wo sic dem Verderben ausgesetzt sind, nicht für immer oder überhaupt gar nicht dorthinein gebracht werden dürfen. Mit anderen Worten, für Biele ist dieses Leben das einzig Maßgebende, und sie opfern ihm nnd seinen Genüssen die höchsten Güter der Menschheit. Gin Blick auf die Vergänglichkeit des Menschen könnte und müßte sie eines Besseren belehren. Wohl sollen wir dieses Leben mit Allem, was es wahrhaft schön macht, ausstatten; wir sollen all unser Thun und Schaffen in das Leben hiucintragcn, aber immer daran denken, daß dieses ganze Leben mit Allem, was wir in ihm wirken nicht Endzweck ist, sondern nur das Mittel. Dann hat auch dieses Leben seinen hohen Werth, dann dürfen wir es für die Zeit seiner Dauer als wahres Leben bettachten; dann ist die Hütte ein zwar vorübergehender Aufenthalt, dennoch aber ein wohnlicher, zweckentsprechender. Das irdische Leben ist ja au sich selbst schon wahres Leben, wenn cs richtig erfaßt, richtig bemltzt wird, bnar \n dn TOBnn dhik? KTvnn yrr ]ysb „Damit erkennen und wissen Eure Nachkommen, das; ich in Hütten habe wohnen lassen die .ttindcr Israels." Diese große Lehren sollen wir, die Nachkommen jener Hüttcnbcwohner in der Wüste durch die Feier des Hüttenfestes schöpfen. Wahrhaft zu leben, im Palast wie in der Hütte nicht vergessen der Aufgabe, Wohnsitze anfzuschlagcn, uns zu üben in den Werken des Friedens; Häuslichkeit nnd Geselligkeit zu pflegen, Bildung und Eultur zn verbreiten, gemeinsam mit den Menschen schaffen an der Mcnschenanfgabc; im Palast wie in der Hütte nur das wahrhaft Gute und Schöne wollen und thuu; im Palast wie in'der Hütte, nicht Palast und Hütte als Wohnsitz zu betrachten, sondern den darin herrschenden Geist, der einzig nnd allein beide erst gastlich nnd wohnlich macht: Das soll uns die .t^d lehren. Im Besonder» aber lehre sie uns noch, daß wir im Palast wie in der Hütte sicher nnd friedlich, nur dann leben können, wenn Gott uns schützt, wenn Gott mit nnscrm Hanse wohnt.. Das; Israel, dessen Leben seit fast zweitausend Jahren einem Nomadenleben glich, dennoch frisch nnd kräftig sich erhielt, das verdankt es diesem göttlichen Schutze, Tütnn roM „Ich," spricht Gott, „habe cs in Hütten wohnen lassen." Die Beobachtung unseres göttlichen Gesetzes, das Leben in und mit seiner Lehre, in nnd mit ihrem Geiste, cs festigte die gebrechliche Hütte zu dauerndem Ban. DD’pt'N 'n ’jn „Ich bin der Ewige Euer Gott." Nicht blos historische Erinnerung ist das Laubhüttcnfest, wie das heute so oberflächlich und leichthin behauptet wird; nicht darf die Beobachtung des Laubhüttcnfcstcs uns deshalb glcichgiltig, nebensächlich sein, sondern ein Gottcsgcbot voll tiefer Bedeutung muß cs uns sein. Und darum darf uns ein kleines Opfer ein bischen Unbequemlichkeit, eine Störung in unserer gewohnten Lebensweise nicht znrückhalten von der Beobachtnug dieses Gebotes, ebensowenig wie der Sabbat deshalb verletzt werden darf, weil er uns im Erwcb cder im Vergnügen stört. ... Wer dieses Fest mit Bewußtsein feiert, wer die tiefe Idee; die es vertritt, erkennt, der wird mit wahrhafter Freude sich demselben hingeben. Wie ja gerade bei diesem Feste die tief empfundene Freude vorherrschen soll dypbx 'n '%b ernenn „Ihr sollt Euch freuen vor dem Ewigen Eurem Gotte", also die reinste Freude, die mau bekanntlich nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.