Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 73-74 (16.9.1885)
- Date
- 1885-09-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1253 den Lebensweg gegeben, der gute und böse Engel, vereint ihre Hände auf unser Haupt legen und es aussprechen "©an "pwcm "piy tdi. „Gewichen ist deine Schuld und deine Sünde sei gesühnt!" Zeitungsnachrichten und Correspondcnzcn. Deutschland. Mainz, 16. Sept. Soeben, nach Schluß des Blattes, kömmt uns von Rabbiner und Vorstand der isr. Religionsgcsellschaft zu Frankfurt a. M. eine „Aufforderung zur Bildung einer freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" zu. Wir begrüßen diese Anregung mit großer Freude und werden die „Aufforderung" s. G. w. in nächster Nummer zum Abdrucke bringen. Würzburg, 4. Sept. Im Gegensatz zu dem in Nr. 68 Ihres geschätzten Blattes berichteten Vorfall an einem Berliner Gymnasium kann ich Ihnen mittheilen, daß in Baiern den jüdischen Abiturienten wegen der Sabbatgesetzc nichts in Weg gelegt wird. Ein Ministerialcrlaß setzt den Beginn der schriftlichen Prüfungen auf den 15. Juli oder, wenn auf diesen Tag ein Samstag oder Sonntag fällt, auf den 16. oder 17. Juli. Ein weiterer Regierungserlaß bestimmt, daß die Schüler isr. Eonfefsion am Samstag während des Gottesdienstes vom Unterricht dispensirt werden. Berlin, 13. Sept. Am hiesigen Klostergymnasium ist das mündliche Abiturientenexamen auf den Versöhnungstag festgesetzt. Unter den Abiturienten befinden sich nicht weniger als sieben Israeliten. Gleichwohl haben die Eltern der betreffenden Schüler es nicht für angezeigt gehalten, um Verlegung des Termines zu bitten, welchem billigen Verlangen die Behörde zweifellos stattgcgcbcn hätte. Ein Gesuch von dritter Seite bleibt bekanntlich unberücksichtigt Dieses sträfliche Gebühren jüdischer Eltern verdient wahrlich als ein Zeichen der Zeit festgenagelt zu werden. Frankreich. Paris. Vor Kurzem kanr ein Mann zu dent Kriegsminiftcr, welcher so ärmlich gekleidet war, daß ihm der Minister ein Almosen reichen wollte; wie groß war dessen Erstaune», als ihm unser Glaubensgenosse, Herr A. Pereir, ein großes Terrain zur Mbauuvg eines Waisenhauses für Soldatenkinder anbot und gleichzeitig 545,769 Fr. zum Bau desselben überreichte und dann, ohne die Danksagung des Ministers abznwarten, davonging. Paris. Ter Kriegsminister hat an den Oberrabbiner von Frankreich ein Schreiben gerichtet, in welchem er diesen benachrichtigt, daß er Befehle crtheilt habe, wonach allen Militärpersonen iSr. Eonfcssion bei den isr. Feiertagen alle erwünschte Erleichterungen zu Thcil werde, insoweit der Militärdienst dies zuläßt. England. London. Der verewigte Sir Moses Montefiorc hat in seinem Testamente eine gewisse Summe festgesetzt, die jährlich gleichmäßig an Arme der portugiesischen und aschkcnasischen Gemeinde vertheilt werden soll; den doppelten Betrag aber soll derjenige Portugiese empfangen, der ein Mädchen aus der aschkcnasischen Gemeinde heirathet. Bekanntlich haben in früheren Jahren und zum Tl)eil auch noch jetzt bei den Portugiesen große Borurthcile gegen die Aschkcnasim geherrscht, eine Verbindung mit einem aschkcnasischen Mädchen galt als eine Schande. Es scheint, daß Sir MoscS Montefiorc ^'t mit dieser Tcstamentsclanscl diesen Vormtheilcn entgegentreten wollte. London. Einer der größten Schachspieler, Herr Hermann Horwitz, ist dieser Tage dahier gestorben. Gleich den weltbekannten Schachspielern Löwenthal, Steinitz und Günzbnrg war der Verstorbene Jude. Ramsgate. Nachdem die ü'wbv für Sir Moses Montesiore y'r beendet, wurde in dem theologischen College ein nDon abgehalten, bei welcher Gelegenheit der langjährige Freund des Verstorbenen, Herr Dr. Loewe, eine tiefdnrchdachte Trauerrede hielt. Des andern Tages bezog Herr Joseph Sebag die auf ihn übcrgegangcne Villa des Verstorbenen. Der Stadtrath, mit dem Bürgermeister an der Spitze, sowie die Vorstände der jüdischen Gemeinde richteten an den neuen Besitzer eine Adresse, in deren Beantwortung Herr Sebag das Versprechen gab, all die von seinem tiefbctraucrtcn Onkel ins Leben gerufenen Anstalten, und namentlich Alles, was Wohlthatigkeitsakte betrifft, ganz im Sinne seines Vorgängers 'fortznführcn. P a l ä st i n a. Jerusalem. Auf Vorstellung des Arztes, Dr. Schwartz im hiesigen Rothschild'schen Hospitale werden die Herren v. Rothschild in Paris ein zweites Hospital dahier errichten. Zn diesem Zwecke haben dieselben 80,000 Frs. bestimmt.