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Der Israelit · 1885-09-16 · Heft 73-74 (16.9.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 73-74 (16.9.1885)
Date
1885-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1252 und Körper so sehr anspanncndc und allzu sehr anstrengende Zwischenfälle an Gleichmaß, an Ruhe und Frische einbüßt, das soll der Sabbat ersetzen und ausgleichen. Um dieses Gesetz des Schöpfers, das zur Erhaltung, zur friedlichen, ruhigen, gleichmäßigen und gesunden Entwickelung der Welt und des Menschen uothwendig ist, zn erfüllen, hat Gott uns den Sabbat mit seinen Ruhe- und Enthaltungsvorschriften gegeben. Wenn an den sechs Werktagen Fleiß und Thätigkcit eine Pflicht für uns ist, so ist am reu? die Ruhe und Erholung eine ebenso große Pflicht. Wann denn sollte der Mensch seinen Gleichmuth, seinen Frieden, seine eingebüßte Kraft und Gesundheit wieder gewinnen, wenn er sich nicht Zeit zur Ruhe und Erholung nimmt, wenn er sich nicht eine Zeit zum Ausgleich und zur Versöhnung der in Eonflict gerathenen Kräfte, der in Conflict gerathcnen Ansichten und Meinungen bestimmt. Wo im Leben bei körperlichen, wie bei geistigen Thätigkeiteu keine Pause eintritt, da kann nur ein überreizter, ungesunder, krankhafter, Zustand ei-zcugt werden. Ich will nicht auf die tausenfachen Beweise iin Leben hiuzeigen, wo solche ungesunde Zustände sowohl im Körper des Menschen, wie auch im gesellschaftlichen Körper hervorgerufen wurden; aber erwähnen muß ich, daß das geistige Gleichmaß, die geistige Ruhe, die geistige Harmonie heilte ganz geschwunden zu sein scheint, daß augenblicklich wie ein Chaos die Ansichten über das Höchste, über das geistig Wahre und Große vernicngt und vermischt, verworren und unklar sind. Die Ruhe und Versöhnung sind der steten Unruhe und Aufregung, der Störung und der Zwietracht allenthalben gewichen. Nirgends findet heute das Auge einen Ruhepunkt. Die üblen körperlichen Folgen dieses Mangels an Ruhe treten deutlich genug zu Tage und sind die zwingenden Beweise, wie nothwendig dem Körper ein Maßhalten der Kräfte ist. Weniger offen liegen für Viele die schädlichen Folgen ans geistigem Gebiete. Denn Viele halten heute die Befreiung von jeder höheren Pflicht dem Schöpfer gegenüber als eine gesunde Anschauung. Sie fühlen sich frei und ungebunden, nicht mehr von lästigen Gewissensbissen gequält und beunruhigt. Und was soll dann der Versöhnungstag? Was soll er ausgleichen, was versöhnen mit einander? Soll er blos herhalten, um die blasse, feige Todesangst aus dem furchtsamen Gewissen zu bannen, indem man sich zu beruhigen sucht, daß man ja den D"n"’ noch mitfeiert? Was soll und kann der Versöhnungstag, dieser eine Sabbat bewirken und ausgleichen? Etwa die Entweihung und Verleugnung der übrigen allwöchentlichen Sabbate? Man setzt sich leicht und kühn über ein Schöpfungsgesetz hinweg, von dem wir doch durch die Erfahrung wissen, wie unentbehrlich es ist zur Erhaltung, zur Versöhnung der in Widerstreit gerathenen Kräfte, zur Herstellung des harmonischeg Einklangs, und glaubt doch, am Versöhnungstage, welcher dasselbe bezweckt, der dieselbe Bedeutung hat, dafür Versöhnung zu erlangen? Wie wenig kennt und erfaßt man die Bedeutung dieses Tages, wie wenig die des Sabbats! Wie tief die Bedeutung des letzteren ist, das deuten uns unsere Weisen an, indem sie sagen: ne nissn im ex y'V'n rn"pn ysb bioar nex ntnn wmmvfinn tan Dbiy bua nb n'nn "Off •rcm nx q.-6 „Israel spricht zu den Heiligen, geloht sei Er: Herr der Welt, welcher Lohn wird uns, wenn wir die Gebote beobachten? Die künftige Welt, ist die Antwort. Zeige uns deren Abbild, sprechen sie. Da zeigte ihnen Gott den Sabbat." Die künftige Welt, der Sitz ewiger Ruhe, ewigen Friedens, wo Versöhnung und Ausgleich aller feindlichen Elemente walten, wird uns in dem Bilde des Sabbat gezeigt. Und was ist denn das ganze Menfchenstreben? Wohin zielt denn all sein Ringen und Mühen und Sorgen, als umschließlich etwas Besseres zu besitzen, etwas Besseres zu sein,, um einst in Frieden und versöhnt mit Allen von hinnen zu scheiden. Warum sollte er sich aber nur mit den Menschen, warum nicht auch mit sich und seinem Schöpfer versöhnen? Warum lebt man so häufig mit sich in Zwiespalt, betäubt und erstickt das Gewissen, das doch manchmal so hörbar anklopft? Warum setzt.man sich weg gerade über d i e göttl. Gesetze, die spccicll zur Versöhnung und zum Ausgleich im Leben bestimmt, die allein Ruhr und Frieden, Gleichmaß und Harmonie der ganzen Schöpfung, wie ganz besonders dem Menschen gewähren? Nicht umsonst hat Gott auf die Entweihung des Sabbat das höchste Strafmaß gesetzt und ebenso den höchsten Lohn auf dessen Heilighalten new b2 \b dine *#>ne rcw, so daß, wer den Sabbat vor Entweihung schützt, Verzeihung erlangt fiir sonstige Vergehen. Wenn wir aiu v"n"'-Abend diesmal das pxro.D'eitfn sagen, möchte es dann in dem Sinne geschehen, daß wir damit Gott als den Weltenschöpfer erklären, der uns in dem Ruhetage das Alles ausgleichende, versöhnende Moment gegeben, so daß, wie unsere Weisen sagen alsdann die zwei Engel, die dem Menschen als Begleiter mit auf

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