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Der Israelit · 1885-09-16 · Heft 73-74 (16.9.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 73-74 (16.9.1885)
Date
1885-09-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1251 ' Mit weihevoller, gehobener Sümmung beginnen wir denVersshnuugstag; wir fühlen uns durch den vorangegangencnr>"-> rein und frei, hoffen zuversichtlich auf Verzeihung. Und warmn? Weil wir einen Tag lang, weil wir den Vcrsöhuungstag mit ernsteren Gedanken, im Gebete und Enthaltung von allen irdischen Genüssen feiern? Feiern wir denn auch den .rar des d ic Seite, welche dem D"n"' mit dem rar gemeinsam ist? Der 2"n“' hat ja nur dann Bedeutung, ist nur dann Versöhnungstag, wenn er auch als rar betrachtet wird. Und wie denn können und dürfen wir mir wagen, Verzeihung zu erbitten, zu erhoffen, da wir wohl den einen Tag feiern, doch die übrigen Tage, die Sabbate äußerst selten so beobachten, wie sie Gott beobachtet wissen will? Mcht dir Versöhnung ist des 3"n"* höchste Bedeutung, sondern seine Aehnlichkeit mit dem rar. So spricht sich auch der Prophet Jeschajohu in der Haphtara zu 2"n"' aus: Nicht das Fasten, nicht die Enthaltung von allem irdischen Genuß und auch nicht die Demuth und Unterwerfung, die man an diesem Tage zur Schall trägt, bilden den Vcrsöhuungstag; sondern D’rncN 'vy Dva *psn rorj> -fcn ranv „Wenn du zurückhältst, um des Sabbats willen, deine» Fuß, deine Geschäfte zu verrichten an meinem heiligen Tage jjy ratw ntnp und nennst den Sabbat eine Wonne raoo 'n rnpfc den vom Ewigen gchciligtcn einen geehrten im ran -pen kkdd jd*h roryo vnrai und ehrest ihn, daß du nicht vollsnhrcst deine Wege, nicht nachgehest deinem Geschäfte und eitle Reden führest." Was will dewl eigentlich der Vcrsöhuungstag? Einen Ausgleich, eine Versöhnung aller feindlichen Elemente; jede Disharmonie soll schwüldeu, Friede und Rlche wieder bei uns einkchrcn. Wenn wir zwischen uns und den übrigen Menschen das Baud gelockert, das uns Alle gemeinsam verbindet als Kinder eines Vaters, als Geschöpfe einer Schöpfcrhand; wenn wir in uns und mit mis selbst in Zwiespalt geratheu das Gleichgewicht verloren haben, das doch so unbedingt »Ähig ist, um das zu sein und zu werden, wozu wir bestinnnt, um das zu thun, was unsere Pflicht ist; wenn wir tagtäglich schwarten in der Wahl dessen, was wir thun sollen, wem; wir heute, gut gelaunt, gern unb freudig das Gute thun, und morgen, durch irgend eines der gewöhnlichen VmkommnUc im Leben verstimmt, an Allem unsere üble Laune auslaffen, wenngleich gar kein Zusammenhang Mischen der Ursache dieser üblen Laune mrd den Dirrgen oder Menschen, die unter unserer VerKmnwrrg zu leiden haben, ersichtlich ist, und wir dadurch hart und ungerecht werden; wenn endlich durch unsere Nachlässigkeit und unser Verschulden uns Unannehmlichkeiten erwachsen oder wenn durch sonstige trübe Vorfälle im Leben wir die Ruhe und dcnGlcichmuth verlieren und dcßhalb mit Gott hadern, daß Er uns nicht davor bewahrt hat und daraufhin unsere Pflichten unserem Gotte gegenüber verletzten: in all diesen Fällen, wo das Gleichgewicht in uns aufgehoben, die natürliche und nothwendige Harmonie gestört und an deren Stelle ein krankhafter Zustand cingcrissen. da soll der jHa“' versöhnend eiutrete», aus unserem Herzen jeden Groll und Hader, jeden Zweifel und Zwiespalt bannen, Ruhe und Frieden wieder zurückrufen, auf daß ein gesundes Vcrhältniß wieder Platz greife, wir wieder mit den Menschen, mit uns und unserem Schöpfer in harmonischem Einklänge leben, unter allem Ungemach des Lebens unfern Geist gesund erhalten und in den Vorkommnissen des Menschenlebens nicht immer eine Störung, eine Krankheit, nicht immer einen Zwiespalt und ein llnglück erblicken, sondern in all diesen Dingen ein uothwcndiges Ingredienz zur gesunden Entwickelung, zur Erhaltung und Festigung des uns mit den Menschen und mit Gott verknüpfenden Bandes. Alles, was sich im Leben ereignet, ist, wenn wir es nicht absichtlich hcrvorgcrufcn haben, nicht gerade deshalb, um den Frieden, die Ruhe und. Einigkeit zu stören, sondern vielmehr sie zu erhalten. Wie der rohe' Diamant nur durch Diamantstaub geschliffen werden kann, um erst dadurch in seinem wunderbaren Lichte uns entgegen zu funkeln; also wird durch die kleinen Stäubchen, die man mit dem Colleetivnainen „Unangenehme»" bezeichnet und welche scheinbar unser Leben etwas verdunkeln und trübe machen, im Grunde weiter nichts, als der Mensch gefeilt und geschliffen, damit er wenn er den Proceß durchgemacht, rein und klar dastehe. Der 2"n"' soll uns zu dieser Erkenntnis; bringen, soll uns klar machen, daß wir nicht dieser Vorgänge halber in Zweifel gerathen dürfen; er soll das eigentlich klärende und veredelnde Moment bilden. Und nichts Anderes will der Sabbat. Die Schöpfung könnte nicht bestehen, wenn nicht Ruhe und Erholung der die Kräfte aufreibenden Thätigkeit beigescllt wären. Die Harmonie der. Schöpfung würde gestört, Zwiespalt und Zerstörung einreißen, wenn nicht Tag und Nacht, Sommer und Winter abwechselten. Das versöhnende, ausgleichendc, erhaltende und weitcrbildende Element, durch welches das Gleichmaß erhalten bleibt, ist der rar. Was der Mensch durch Werkthätigkcit an seinen Kräften cinbüßt, was er durch die oft des Menschen Geist

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