Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 73-74 (16.9.1885)
- Date
- 1885-09-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1250 pheten Gotics. Erst die Leiden waren cs, die ihn zn Reue, Blitze und Besserung führten. Daraus lernen wir, daß schätzbar sind die Leiden. Rabbi Elieser war, wie wir bereits oben bemerkt haben, einer der größten Männer unseres Volkes. Er gehörte zu Denjenigen, die nach der Zerstörung des heiligen Tempels und der Auflösung des jüdischen Staates, am meisten zur Erhaltung der Gotteslehre beigetragcn haben. Daher vergleicht ihn Rabbi Tarphon dem befruchtenden Regen, ohne den nichts wachsen und gedeihen kann. Roch hoher stellt ihn Rabbi Josua. Dieser, der einstige Mitschüler-, der treueste Freund, der ständige Genosse und, in Bezug auf die halachische Entscheidung, der größte Gegner Rabbi Eliesers, war von unaussprechlicher Bewunderung für seinen Freund und Gegner erfüllt. Als Rabbi Josua einst nach Lydda in das Lehrhaus Rabbi Eliesers kam, küßte er den Stein, auf dem der Freund zu sitzen und zu lehren pflegte, und sprach: Dieser Stein gleicht dem Berge Sinai, von dem ans unserem Volke die Thora verkündet wurde. Und so suchte er nun den leidenden Freund zu trösten, indem er ihn der Sonne verglich, die da Licht und Wärme spendet. — Noch höher feiert Rabbi Elasar ben Asarjah, der Fürst Israels, die Verdienste des kranken Lehrers. Du bist, spricht er, gleichsam Vater und Mutter unserem Volke, ja Du bist uns mehr als sie, da Du uns hilfst, die ewige Seligkeit zu erringen. — All dies große Lob läßt den Kranken kalt; es tröstet ihn nicht in seinen Leiden. Erst, da Rabbi Akiba diese Leiden selbst als werthvoll bezeichnet, läßt er sich im Bette aufrichten, um den Worten seines ehemaligen Schülers zu lauschen. — Weißt Du, fragte er ihn, daß ich irgend wie gefehlt habe, um der Besserung und Sühne durch Leiden zu bedürfen? — Haben wir nicht, entgegnete Rabbi Akiba, von Dir, unser Lehrer, gelernt, daß selbst der frömmste Mensch auf Erden, der stets sich bemüht, das Gute zu thun, manchmal fehlt? Wenn Rabbi Akiba feinem großen Lehrer empfiehlt, sich der Leiden zu erfreuen und sie als Mittel zur Sühne und zur Besserung zu betrachten, wie viel mehr müssen wir gewöhnliche Menschen fürchten und sorgen ob so vieler Dinge, die wir gethan, und anderer, die wir unterlassen haben! Trotzdem, wir alle wissen, daß die Leiden für den Menschen von großenl Werthe sind, sehnen wir sie nicht herbei; wir beten vielmehr am Versöhnungstage zu Gott, daß er uns zur Reue und Besserung führejedoch nicht durch Leiden und böse Krankheiten. Aber die göttgedotenen Schmerze» und Entbehrungen, die uns die Feier des heiligen Tages, bringt, übernehmen wir freudig und gern. Sie hat der Allgütige über uns verhängt, damit es uns leicht werde, den Weg zur Reue und zur Besserung zu finden. Gleichsam abgethan ist alles Irdische. Des Lebens vornehmste Bedürfnisse, Speise und Trank, wir halten sie fern an diesem heiligen Tage. Unsere Füße entbehren der gewohnten Bekleidung, nnd die Sterbcgewänder umhüllen uns. So sind wir losgelöst vom Leben nnd Treiben der Alltagswelt; unsere Blicke richten sich nach innen, unser Geist erhebt sich zu unserem Vater im Himmel. Während eines langen Tages, an dem nichts uns stört oder zerstreut, stehen wir vor Seinem heiligen. Antlitze und haben Zeit, uns zu prüfen, ob wir bisher in seinen Wegen gewandelt, uns zu entschließen, von jedem Laster, jeder Sünde und jeder bösen Angewöhnung abzulassen. — Zu den Entbehrungen, welche die Feier des Versöhnungstages uns auferlegt, müssen wir die Leiden gesellen, die wir uns selbst bereiten, durch bittere Reue und tiefen Schmerz über das, was wir gefehlt und verfehlt haben. Dann wird uns Sieg und Freude erblühen und des Allbarmherzigen Gnade wird uns vor schweren Leiden behüten. — _____ Zum Mersöhimilgslage. Von Dr. H. S ä n g t r. Zwei Tage im Jahre haben wir gleich heilig und hehr, gleich groß und erhaben an Bedeutung: es sind das rem und 2"a"n"\ die wir in diesem Jahre wieder vereint feiern. Und ähnlich wie der Versöhnungstag ein iirat? rüty ein hoher Sabbattag genannt wird, ähnlich ist auch der na» ein Versöhnungstag b hnD bbnn row tdw bo. „Wer den Sabbat vor' Entweihung schützt, dem soll vergeben sein." Und wie das Gebet am Versöhnungstage uns Versöhnung und Verzeihung bei Gott erwirkt, wenn es aus der Tiefe des Hebens kommt, wie es heißt: n’:ny D’iina bt* m nw vro ’Jitim „Nahet mir doch mit lieblichen Worten, suchet mich nnd lebet"; ebenso macht uns das Gebet am rot? frei und rein von Schuld und Fehl, denn, so sagen unsere Weisen: pi^cn '20 to’i iDuxi vuio ^snon be “jnNüm "piy idi, i> onewi 12 m by jtt irr» nab b ."eian „Wer am Freitag Abend betet und toi spricht, dem werden die zwei Engel, welche den Menschen begleiten, die Hände aufs Haupt legen und sprechen: Gewichen ist deine Schuld und deine Sünde sei ge-, sühnt." Darum ist ein Versöhnungstag ohne Feier des Sabbat nicht recht denkbar.