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Der Israelit · 1885-09-16 · Heft 73-74 (16.9.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 73-74 (16.9.1885)
Date
1885-09-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. M 73 & 74. Der Israelit. Ein KenLrat - Hrgan für das orthodo.re Iudenthum. Herausgcgeben von Vr. Lehmanit in Mainz. Mittwoch, den 1«. September 5646 (1885). Da mit dem 1. Oct. 1885 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement _frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Die nächste Nummer (wiederum eine Doppelnnmmer) erscheint Dienstag den 22. September. Leitende Artikel. Gbammn jissurin! (Zum Versöhnungstage.) Mainz, '7. September. In Seiner großen Gnade hat der allgütige Gott uns einen Tag im Jahre gegeben, den Versöhnungstag, einen hohen, hehren Feiertag wie keinen zweiten es gibt, einen Fest- und Freudentag, wie er seinesgleichen nicht hat auf Erden, wie keür Volk, keine Religion einen ähnlichen kennt. Der Versöhnungstag wird zu den höchsten Freudentagcn gezählt cms’ZJn DVD D»31ü vn *6; aber die Art und Weise seiner Feier besteht nicht in Dingen, wie sie sonst die Herzen der Menschen zu erfreuen pflegen, in Speise und Trank und frohen geselligen Vereinigungen — im Gegentheile, sie besteht in der Aufnahme freiwilliger Leiden, in der Ertragung von Entbehnmgen. Wir müffen unfern Leib kasteien, indem wir ihm länger als 24 Stunden jegliche Nahrung versagen. So hat es des Allweisen Wille angeordnet zu unserm Heile. Die Schmerzen, die wir in diesem Tage fteiwillig übernehmen, sie tragen uns die schönsten und herrlichsten Früchte. Rabbi Elieser, dem unsere Weisen den Beinamen des Großen verliehen haben, war krank und ruhete auf seinem Schmerzenslager.*) Da kamen die größten Männer seiner Zeit, ihn zu besuchen. Rabbi Tarphon ergriff zuerst das Wort und sprach: Wohl- *) Sanhedrin, f. 101 a. thätiger bist Du für Israel als der befruchtende Regen, denn dieser nützt nur für diese Welt, Dein Wirken aber ist wohlthätig für diese wie für die künftige Welt. — Rabbi Josua sprach: Schätzbarer bist Du für Israel als der Sonnenball, denn die Sonne leuchtet und erwärmt nur in dieser Welt, Du aber leuchtest und erwärmst für diese und die zukünftige Welt. — Und Rabbi Elasar ben Asarjah sagte: Mehr bist Du für Israel als Vater und Mutter; denn den Eltern verdankt der Mensch das irdische Leben; Du aber, fuhrst Dein Volk in dieser Welt zur Erlangung der ewigen Seligkeit. — Darauf ergriff Rabbi Äkiba das Wort und sprach: Ehawiwin jissurin, wcrthvoll, schätzenswerth sind die Leiden. — Rabbi Elieser, der bisher den Worten seiner Besucher wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte, sprach nnmchr zu seiner Umgebung: Richtet mich auf, damit ich höre die Worte meines Schülers Akiba, der da gesagt hat: Schätzenswerth sind die Leiden. — und er fragte: Akiba, woher weißt Du das? — Ich folgere es, antwortete Rabbi Akiba, aus der heiligen Schrift. In ihr wird uns erzählt: Zwölf Jahre war Menascheh alt, als er 5rönig wurde, und fünfzig Jahre regierte er in Jerusalem, und er that, was böse war in den Augen des Ewigen. Sollte sein Vater, der fromme König Ehiskijähu, der Lehrer von ganz Israel, die Erziehung des eigenen Sohnes vernachlässigt haben? Nein, er hatte ihn mit der größten. Sorgfalt erzogen; allein, alle seine Mühe war^vergcbens. Vergebens ermahnten den ausgeartcten Jüngling, den auf unheilvollen Wegen wandelnden Mann die Pro-

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