Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 71-72 (8.9.1885)
- Date
- 1885-09-08
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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— 191 — beisammen, stehen, die eine oder die andere am älteren Holze abhaut. Die Lese der frühen Trauben ist im September, die der späteren im October. Trotz dieser wenigen und mangelhaften Arbeit giebt es doch viele Trauben; einer unserer Arbeiter hat letzten Herbst z. B. von seinem Stucklein Weinberg, das nur 33 Stöcke zählt, 3 Gondar — 900 Kilo Trauben verkauft, ohne was er mit seinem Weib und Kind davon gegessen hat. In Betreff der Qualität des hiesigen Weines ist zu bemerken, dass Most von 30 °/0 Zuckergehalt nach der Mostwage von Babo nicht selten ist. Das Hauptunkraut sind die Quecken, von welchen das Land allenthalben voll ist; die arabischen Weinberge sehen im Sommer, während alle anderen Gräser dürr sind, beinahe wie eine Wiese davon aus, dagegen auf den Stoppelfeldern werden sie tagtäglich von den Schafen und Ziegen als das einzig Grüne aus dem Boden herausgefressen. Wir Deutsche pflanzen und bearbeiten bis jetzt den Weinberg auf folgende Weise: Man zeichnet den Platz mit Messstange und Schnur regelmässig aus, wie es in, Deutschland auch geschieht, so dass auf 4—6 Qm. ein Stock zu stehen kommt, gräbt zum Setzen der Bebe runde ca. | 70 Cm. tiefe und weite Löcher und pflanzt nie etwas dazwischen. Die Folge davon ist, dass die Stöcke schon das 4. Jahr zu tragen anfangen Man pflanzt mit dem Stock ein 40—50 Cm. hohes Stämmchen, welches, bis es selbstständig zu stehen im Stande ist, an einen Pfahl gebunden wird. Dadurch kann alle Arbeit leichter verrichtet werden, und die Trauben hängen auch frei über der Erde. Den Boden lassen wir mit der Haue bearbeiten, weil die gemietheten arabischen Pflüger die Stöcke zu sehr beschädigen. Nur dis grossen Kosten hielten uns ab, das Land vor der Anlage etwa 2 Fuss tief zu reuten; an einem kleinen Stückchen machten wir den Versuch und das Resultat war, dass die Stöcke im 3. Jahre im Durchschnitt je 3 Kilo Trauben trugen, überdies wurden die Quecken ausgerottet, mit welchen man sonst jahrelang zu kämpfen hat. Die hiesigen Trauben sind mit wenigen Ausnahmen weisse, was daher kommt, dass, als noch keine Deutschen da waren, die schwarzen Niemand kaufen wollte. Allein jetzt ist es so, dass die wenigen schwarzen Trauben drei- bis viermal höher bezahlt werden, als die weissen, Vor neun Jahren flogen wir auch an, Weinberge anzulegen und haben hier bis jetzt ca. 10 Hectaren nach oben beschriebener verbesserter Art angepflanzt. Da gab es viele Schwierigkeiten zu überwinden, bis wir nur gute Rebsorten bekamen. Als man zu pflanzen anfing, suchte man Reben von bestimmten guten Sorten und versprach gute Bezahlung dafür, worauf von allen Seiten Leute mit Reben kamen und schwuren bei Gott und dem Propheten, sie hätten die gewünschten Sorten. Man nahm dieselben an und setzte sie, denn man kannte sie damals noch nicht, weder am Laub noch am Holz. Als die Stöcke aber anfingen zu tragen, fand .man sich gewaltig geprellt; schwarze, welche man besonders gewünscht, gab es nur wenige darunter und von den weissen war ein grosser Theil schlechtes Zeug. Man fing nun an, die schlechten Stöcke mit schwarzen zu pfropfen, so weit die wenigen Reben reichten, was sich jedes Jahr, wie sich die guten Reben vermehrten, bis auf 3000 Stöcke per Jahr steigerte. Die in den letzten zwei Jahren gemachten neuen Anlagen konnten wir schon mit lauter guten Sorten bepflanzen, aber an den älteren Anlagen haben wir noch zwei Jahre zu veredeln, bis das Schlechte ziemlich ausgerottet sein wird. Wie leicht einzusehen, hatten wir da bedeutenden Schaden an Baargeld und durch Verzögerung des Ertrags; allein dieses Lehrgeld war unvermeidlich und kommt jetzt allen nachfolgenden Weingärtnern zu gute. Der Weinbau verspricht auf diesem Gebirge das lohnendste Geschäft zu werden; von einem Fehljahre weiss man nichts, wie es beim Getreide oft Vorkommen kann. Die Feinde des Weinstocks, wie Hagel, Frost und nasskalte Sommer, sind hier nicht vorhanden. Dass der Weinbau sich nur langsam erweitert, hat zwei Ursachen. Die eine ist Mangel an Capital.jWer sich davon nähren will, muss nämlich ansehnliche Mittel besitzen, um Land anzukaufen, die Anlagekosten und den Lebensunterhalt auf etwa 5 Jahre bestreiten zu können; Geld hier zu 10—15 °/# zu borgen ist nicht rath- 8am. An geeignetem Land ist kein Mangel; in der Nähe der Stadt ist es theuer, je nach Lage und Güte bis über 100 Napoleon das Hektar, aber je weiter von der Stadt entfernt, desto billiger wird es. Eine halbe Stunde ab giebt es das Hektar schon fhr 30 Napoleon, und noch