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Der Israelit · 1885-09-08 · Heft 71-72 (8.9.1885) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 71-72 (8.9.1885)
Date
1885-09-08
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1239 muffen diesen anfgcben, affe Geschäftsverbindungen lösen und irren vatcrlandslos umher, ohne zu wissen, wohin sie ihr müdes Haupt legen können — ein trostloses Bild am Ende des alten Jahres l Vielleicht mögen die Gcgcnausweisuugen Deutscher ans Oesterreich hier etwas Helsen, vielleicht auch die bereits angckündigte Deputation polnischer (yMciitc, die Montag in Berlin cintrifft, um beim Minister oder beim Kaiser eine Milderung des Auswcisnngsrcscripts zu erbitten — die Lage der Unglücklichen bleibt eine äußerst verzweifelte, woran weder die Entrüstungsartikel der gcsammten liberalen, deutsch-ösierrcichischen Presse noch die stürmischen Proteste, welche des Herrn von Pn t tk a in er im Abgcordnctenhause harren, werden schwerlich etwas ändern können. Das einzige Mittel, welches der deutschen Judcnheit zur Abwehr zur Verfügung steht, ist die thätige Hilfe, die sie den unbemittelten Ausgcwicsencn angcdeihen läßt; diese allein wird den lautesten Protest gegen die unerbittcrlich streng dnrchgcführtcn Verwaltungsmaßregcln bilden und den Herren zeigen, daß die deutschen Juden für ihre Brüder, auch wenn ihre Wiege nicht auf germanischem Boden gestanden, solidarisch zu haften und mit ihrem Gute nach Kräften einzutrcten wissen. Möge das neue Jahr den Hcimathsloscn und Verbannten Heil und Erlösung bringen und möge der Allmächtige jedes weitere böse Verhängnis; von den Söhnen seines Bundes in Gnaden abwcnden! Bl. Qftrowo, 6. Scpt. Zum Nachfolger des verewigten Dr. Freimann ist Herr Dr. Elias P l e ß n e r, bisher Rabbiner in Rogasen, gewählt worden, nachdem derselbe unter großem Bcifalle hier zur Probe gepredigt hatte. Mülhausen, Elsaß. ist eine höchst traurige Pflicht, die ich hiermit erfülle, indem ich Ihne» von dem Hinfcheidcn einer edlen und frommen Tochter Israels berichte, deren Hiutritt eine tiefgehende Lücke zurück läßt, die namentlich in unserer gegen alles Religiöse so gleichgültigen Zeit nicht so leicht ausgefüllt werden dürste. — Freitag, den 17. Mul, verschied ngck) mchnnonatlichem Leiden im 61. Lebensjahre Frau A. Meyers «Gattin des durch seine aufrichtige Frömmigkeit und sein eifriges Wirken für die Annen des hl. Landes bekannten Herrn Jacques Meyer p"reo vcj für Elsaß-Lothringen. In der Verewigten verliert die Familie eine treue, hingebungsvolle Gattin und Mutter, und die ganze Gemeinde ein leuchtendes Vorbild echt weiblicher Tugend und Frömmigkeit. Jede ihrer Handlungen zeugte von aufrichtiger Religiosität, von dem tiefen, echt jüdischen Sinn, der ihr ganzes Wesen erfüllte. Für Gottesfurcht und Menschenliebe zu wirken galt ihr als das höchste Ziel und eben deßhalb stand sie ihren» edlen Gatten stets kräftig zur Seite in seinem Streben, die drei jüdische«» Hauptpflichten: r.*y* ncy mm tut häuslichen Kreise heimisch zu »nachen. In der ihr eigenen freundlichen Weise suchte sic felbst Andersdenkende für daS wahre religiöse Leben zu gewinnen und zu begeistern, »vas ihr »richt selten auch gelang. Ihre angrlrgrntlilbüe Sorge war die Hcilighaltung und pünklichc Erfüllung der religiösen Vor schriste,» bei ihre,» Kindern zu erwirken. Wahrhaft rührend ist der letzte Wille, den sie bereits vom schweren Leiden geplagt mit zilterrlder Hand tlicdcrschrieb, in welchem sie ihre Söhne beschwor, stets gewissenhaft unsere hl. Religio>r zu beobachten; wohl wissend, daß die Hrilighaltung der göttlichen Ruhetage gleichsam zu den Fundamenten des Judenthums gehört, legte sie ihren Kindern unter den ergreifendsten Worten an's Herz, sich itiemals zitr 'Verlegung des Gottgebotenen Ruhetages verleiten zu lassen. — Daß die Hingeschiedene aber auch an die Werke thätigcr Menschenliebe »licht vergessen, bezeugt schon der Umstalld, daß sie ihren Gatten in seinen pbilanlropifchrn Bestrebungen stets lebhaft nntctstütztc, spendete sie doch selbst alljährlich nahmhaste Summen durch die rron rcip für die Rothleidenden des hl. Landes. Sie vernachlässigte aber auch nicht die inländischen Armen; gar manche Roth wllrdc von ihr gelindert, manche Thränc dllrch ihre milde Haild getrocknet. Eingedenk des Prophetcnwortcs: roy:ym Abte sie all diese schönen Pflichten im Stillen, »licht strebend nach Beifall und Lobeserhebung. Das; der leider nur;n frühe «»getretene Abschluß eines solch tugcndreichcn Lebens allgemeine Theilnahme uild innige Trauer hervorgerufeu, läßt sich leicht begreifen; die hohe Bcrchrnng, die man der Edlen allseitig cnlgcgenbrachtc, kam bei dem Leichenbegängnisse zum lebhaftesten Ausdruck. Von Rah und Fern waren zahlreiche Verwandte und Freunde herbeigeeilt, um der Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Im Trauer- Hause sprach Herr Rabbiner B a m b e r g e r aus Niederhagcnthal, die zahlreichen Verdienste der Seligen in trefflichen Worten schildernd und zu treuer Nachahmung ansfordernd. Auf dem Friedhöfe angelangt, ergriff der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herr Mook, das Wort und rittwarf ein wahrhaft treues Bild von dem Leben und Wirken der Verblichenen; er knüpfte daran tief in'S Her; dringende Ermahnungen an die Hinterbliebenen, dem schönen Vorbilde der Verewigten treu nachzulebcn. Zum Schluffe drückte Herr Rabbiner Schüler auS V o l l w c i l c r den schmerzlichen, unersetzlichen Verlust aus. der die Familie betroffen, und wies darauf hin, wie betrübend der Heimgang einer solch wahrhaft Frommen auf jeden Jrhudi wirken musr, namentlich in unserer Zeit und hier zu Lande, wo die Ehrfurcht vor dem göttlichen Gesetze immer mehr schwindet, das jüngere Geschlecht sich immer mehr über die heiligsten Gesetze hinwegsctzt und die Nnwifscnheit in religiösen Tinge» in erschreckender Weise zunimmt. Möchte der Allaütigc der tiefgebeugten Familie den Balsam des Trostes in's wunde Her; gießen; daS gottgefällige Witkrn der Verklärten, die sich nunmehr cmporgeschwungen in die Regionen des ewigen Friedens, möchte aber sorgfältigste Nachahmung unter uns finden und ihr Andenken stets ein gesegnetes bleiben. , , n"3-v';*r.

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