Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 71-72 (8.9.1885)
- Date
- 1885-09-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1225 (Iesaias E. 6. V. 13): Die heilige Nachkommenschaft ist ihr (der israelitischen Nation) Bestand." Wer die Worte der Gotteslehre erworben, das heißt, sie ganz und gar zu seinem Eigenthum gemacht hat, der wird nicht allein ihnen gemäß leben, er wird sich auch bemühen, seine Mitmenschen für sie zu gewinnen und namentlich die Jugend für sie zu erziehen. So lange es in Israel noch Männer gibt, die von solchem Streben beseelt sind, dürfen wir freudig und getrost der Zukunft entgegcnschauen. Der Prophet Iesaias schildert an dem angeführten Orte eine gar trübe und traurige Zeit. In der Zerstörung und Verwüstung wird nur ein Zehntel übrig bleiben, und auch das wird in Gefahr kommen, hinweggerafft zu werden; aber wie die Bäume Elah und Allon, bei deren Fällung ein Stamm bleibt, bleibt ein heiliger Stamm ihr Samen. Wie aus dem Ucberbleibjcl von Elah und Allon, selbst wenn sie gefällt werden, wiederum junge Bäume heranwachsen, so kann auch Israel nicht vernichtet werden; eine neue Saat geht stets auf, wächst und gedeiht. Aber der junge Stamm bedarf der Hand des Gärtners, des Erziehers, das sind die o’n 'p'iLv, diejenigen, welche die Menge zur Tugend führen. Sie sind die Erhalter unseres Volkes und dadurch die Wohlthätcr der Menschheit, gleichsam die Erhalter der Welt. Und deßhalb werden sie glänzen wie die Sterne immer und ewig, und wie sie Licht gespendet haben in dieser Welt, so werden sie leuchten im ewigen Leben.^ Nun ofyjn '”n \b rup ,rron nsi rap. „Wer sich die Worte der Gotteslehre erworben, hat sich erworben das Leben der zukünftigen Welt." Sinnlichkeit, Habsucht, Leidenschaft, Unzucht, Ehrsucht — sie führen ins Verderben, zerrütten das Leben in dieser Welt und machen der ewigen Seligkeit verlustig. — Thorastudinm, Durchdringung des geistigen Stoffes, praktische Anwendung des Gelernten, Wohlthun den Mitmenschen gegenüber, die Bezeichnung des guten Namens in Gottes ewigem Buche — das Alles ist in dem einen Satze: ^Erwerbung der Worte der Gottcslehre" inbegriffen, es ist zugleich die Erwerbung des ewigen Lebens, der ewigen Seligkeit. Ihr gegenüber ist alles Irdische gering und verschwindend. Was sind selbst hundert Jahre, des irdischen Lebens im Vergleiche mit der Ewigkeit? Was sind irdische Freuden im Vergleiche mit den Wonnen des Anschauens der göttlichen Herrlichkeit, die kein Mensch zu schildern, zu beschreiben vermag, von denen es heißt: „Kein Auge hat sie geschaut, denn Du, Gott, allein!? Deßhalb soll jeder vernünftige Mensch ablasscn von eitlcnr Streben; in den Genüssen des Körpers, in der Erlangung irdischer Schätze, irdischer Freuden, irdischer Ehren soll er sich nur auf das Nothwendige beschränken, dagegen durch echtes und rechtes Thorastudinm wahrhaftes Leben, Weisheit und Vernunft zu erlangen suchen, durch Wohlthun den Frieden mehren und sich bei seinem Gotte einen unvergänglich guten Name» erwerben; dann hat er erworben, zu seinem unvergänglichen Eigeuthume gemacht die Worte dcr Gottcslchrc; dann kann er getrost dem Tode entgegcnschauen; ihm wird ein schöneres, herrliches Leben erblühen in den Gefilden der Seligen, wo reine, unvergängliche Freuden des Menschen unsterblichen Geist beglücken für alle Ewigkeiten." *) Zeitungsnachrichten „,rd Correspon-errzen. Deutschland. Edenkoben. Der bekannte Großindustrielle Herrn Em. Kern, Fabrik chemischer Branche in Edenkoben (Rheinbayern), ist von der Weltausstellung in Antwerpen mit der broncencn Medaille ausgezeichnet worden. Danzig, 1. Sept. Der Wiener „N. fr. Pr." wird unterm 28. August von hier geschrieben: Als österreichischer Unterthan erlaube ich mir, Ihnen das Vorgehen der hiesige» Behörden, beziehungswcis: der preußischen Regierung, mitzutheilen. Gestern erhielten sämmtliche hier lebenden russischen und österreichischen Nuterthancn die Aufforderung, sofort bei der Polizei zu erscheinen, luo ihnen eröffnet wurde, bis längstens 1. Oktober den preußischen Staat zu verlassen, widrigenfalls sie zwangsweise über die russiche, respective österreichische Grenze geschafft werden würden. Die Zahl der gestern Ausgcwkeseuen betrug (außer den für heute Vorgcladenen) cica 80, darunter etwa 20 Ocsterrekcher, größtentheils aus Galizien. Die Betroffenen sind mit ordnungsmäßigen Pässen versehen, haben sich nie etwas zu Schulden kommen lassen, gehören durchwegs dem Haudclsstande au, manche besitzen sogar sehr umfangreiche Getreide- und Holzgcschäfte und Realitäten. Es wird wohl Niemanden wundern, wenn man hört, das; die Unglücklichen diese Ausweisungsbefehle gleich Todcsurthcilcn cütgegengeuommen haben; sie erblickten in diesen Verfügungen ihren gänzlichen Ruin. In der kurzen Zeit bis zum 1. Oktober die Geschäfte abzuwickcln und das Mobiliar zu vcrwerthcn, ist unmöglich; es bleibt nichts mehr zu thun übrig, als alles Hab und Gut liegen zu lassen, sich in sein Schicksal zu *) Wir beschließ«, hiermit die erste Abtheilung des zweite» Buches; im nächsten Wonuncr werden wir unter göttlichem Beistände die Fortsetzung dieser Abhandlungen verössrnilichen.