Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 71-72 (8.9.1885)
- Date
- 1885-09-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1223 Die Einheit Gottes, deren ersten Erkenner nnd Verkünder Abraham war, die Hingebung nnd der Gehorsam, wie sie Jizchak bei der Akedah bewährte, der stete Kampf für Gott und Seine heilige Lehre, wie er im Namen „Jisrael" ansgesprochen ist — das Alles auf Erden zn bewähren und dem hoher: Ziele zuzustrcben, daß die gesammte Menschheit den einzigen Gott erkenne, Ihm gehorche und Seinen Namen anrufe, das ist Israels Aufgabe auf Erden, das unser hoher Berns, dem gegenüber alle irdischen Güter als gering und nebensächlich erscheinen. Wenn wir dieser erhabenen Aufgabe leben, dann wird uns Gott beglücken am Tage des Gerichts; dann werden selbst unsere Feinde zur Einsicht gelangen und sich in Freunde umwandeln, dann wird der allgütkgc Gott uns eirrschreiben in das Buch des Lebens und des Heils, und wird in Seiner unendlichen Gnade für das kommende wie für alle künftigen Jahre Leiden und Unbill von uns fernhalten. Also sei es Sein heiliger Wille, Amen! Air Sprüche der Jäter. XXXXII. Mainz, 3. September. nsstyb rtfp, off rup. „Wer einen guten Namen erworben, hat ihn für sich selbst erworben." Die meisten Erklärer fügen zn diesem Ausspruche Hillels kein Wort der Erläuterung hinzu. Es erscheint derselbe so einfach, so selbstverständlich. Alle irdischen Güter sind unsicher. Ein Vermögen, noch so groß, kann verloren werden, Throne wanken und Macht und Herrlichkeit verschwinden, die Gesundhett, selbst die kräftigste, ist allerlei bösen Zufällen ausgesetzt, des Herzens Lieblinge kann der Tod hinwegnehmen, und der Mensch bleibt einsam, krank und arm. Ja, selbst wenn die irdischen Güter bleiben, können sie zu einer Quelle des Verderbens werden, wie schon der weise König sagt: Es gibt Reichthum, der da aufbewahrt ist für seinen Eigenthümer zu dessen Unheil. — Und sollte das auch alles nicht der Fall sein, bleibt der Mensch bis ans Ende im ruhigen Besitze aller irdischen Güter, so muß er sie doch, sobald der Tod einttitt, verlassen. Nicht so der gute Name. Wer einen solchen sich erworben, er kann ihm nicht geraubt werden; er überdauert das irdische Leben und verschönt das Angedenken an den Frommen bis über das Grab hinaus. So lehren auch die Weisen: Drei Kronen gibts: die Königskrone, die Priesterkrone, die Krone der Gotteslehre; aber die Krone des guten Namens überragt sie alle drei. — Und so verkündet auch Gott durch den Mund feines Propheten: Nicht spreche der Kinderlose: siehe, ich bin ein vertrockneter Baum. Denn so hat gesprochen der Ewige zu den Kinderlosen, welche beobachten meine Sabbate, nnd erwählt haben das, was Ich gewollt, und festhalten an Meinem Bunde. Und Ich werde ihnen geben in Meinem Hause und in Meinen Maliern Kraft mib Namen, besser als Söhne und als Töchter; einen ewigen Namen werde Ich ihnen geben, der nicht vertilgt werden wird. Wenn nun auch diese Erklärung des in Rede stehende» Ausspruches recht schön und einleuchtend erscheint, so bedarf er doch unserer Meinung nach einer eingehenderen Erörterung, uio off, ein guter Name, ist allerdings unendlich werthvoll, daS werthvollste unter allen irdischen Gütern, und trotzdem, im gewöhnlichen Sinne des Wortes aufgefaßt, ein irdisch Gut nnd in den meisten Fällen vergänglich, wie all die andern. Es ist nicht ganz zutreffend, wenn gesagt wird, daß ein guter Name nicht verloren werden könne. Manchmal heften sich Verläumder an die Person eines Mannes oder eines Weibes und vernichten deren guten Ruf, und nicht immer kömmt die Unschuld an den Tag. Aber selbst im besten Falle überlebt der gute Name die meisten Frommen nur kurze Zeit. Wie viele edle, brave Menschen haben gelebt, deren guter Name nach wenigen Jahrzehnten ist vergessen worden, wie Viele haben Großes geleistet, waren der Ruhm nnd die Zierde ihres Zeitalters und sind vergessen worden! Es gibt auch Fälle, in denen man den guten Namen nicht überschätzen darf. So lehren auch die Weisen: Es ist besser, daß dn dein ganzes Leben lang bei den Menschen als Narr giltst, che dn eine Stunde vor deinen! Schöpfer als Frevler erscheinst. Ja, das Streben, sich einen guten Namen zu machen, ist auch an und für sich nicht lobcnswerth. Bescheiden sollen wir wandeln mit unserem Gotte, nicht äußeren Ruhm zu erlangen suchen, in der Stille sollen wir Gutes thun und nicht mit unserem Wohlthun prangen; die Gottesfurcht soll in unserem Herzen wohnen und nicht durch absonderliches, auffallendes Thun die Augen der Menge auf sich ziehen. Warum empfiehlt also Hillel die Erwerbung eines guten Namens? Noch mehr, wieso verheißt der Prophet im Namen Gottes denen, welche die Sabbate beobachten, nach Gottes Willen leben, am Gottesbunde festhalten einen ewigen Namen, der nicht abgeschniiten werden wird? Viele Tausende und aber Tausende, die das Alles gethan, sind vergessen! Wir müssen daher den Begriff des wo vff, des guten Namens, in anderer als der gewöhnliche» Weise zu erklären suchen.