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Der Israelit · 1885-09-03 · Heft 70 (3.9.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 70 (3.9.1885)
Date
1885-09-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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. 1210 Arbeitern in der Misckmah. Es ist demnach klar, das; cs sich in dem fraglichen Worte nicht um Geräthschaftcn, sondern um Personen handelt, die zu einer Arbeitsleistung gemicthet sind. Für das Wort ]’H?n hat es keine Schwierigkeit dies uachzuweisen, denn dieses kann ebenso gut „Flöten" als auch „Flötenbläser" heisjen, wie ans Bickurim III. 4 hervorgeht *), und mutz an unserer Stelle mit „Flötenblüser" übersetzt werden. Und in eben diesem Sinne muß auch das Wort ps n"-© erklärt werden , denn es ist, meiner Meinung nach ganz zweifellos das griechische Wort 6 (formoyöoog der Sänftenträger, welches nach genauer Transskription mit Ablegung der griechischen Nominal- und Ansetzung der aramäischen Plnralendnng in ps N”n3 wieder erscheint. Man beachte, das; unser Wort im Jcrnschalmi in zwei Worte gethcilr erscheint, demnach genau dem griechischen entspricht, welches ebenfalls ein Compositum ans qooeiov und (föaog ist. Unsere Mischnah mus; demnach so übersetzt werden: „Wenn Jemand Eseltreiber, Kärrner, Sänftenträger und Flötenblüser zu einem Braut¬ oder Leichenzug u. s. w. micthet unb diese treten dann von der Arbeit zurück, so darf er auf ihre Kosten andere Arbeiter miethcn, um die notwendige Arbeit anszuführen." Dadurch gewinnt die Mischnah an geschlossener Einheit und genauem Verständnis;, sowohl in sprachlicher als auch in sachlicher Beziehung. Zeitungsnachrichten und Corrcspvndenzen. Deutschland. Frankenthal, 20. August. Gestern 0 Uhr wurde hier die neue Synagoge — ein Ban, der fortan eine Zierde unserer Staot bilden wird — unter äußerst zahlreicher Betheiligung der gesammten Bevölkerung eingeweiht. Die Stadt wies einen wahrhaft großartigen Flaggenschmuck auf, ein erfreuliches Zeichen der Toleranz, auf welches der Bezirksrabbiner Dr. Salveudi in seiner Festrede mit Genngthnung hinwies. Das Innere der Synagoge ist wahrhaft prächtig ausgestattet und harmonirt vollkommen mit dem Eindrucks den das Gotteshaus von Außen macht. Berlin. Die Veröffentlichung der antisemitischen Obmännerliste hat, wie die zahlreichen Proteste *) rarrccS naa S'inm. beweisen, mancherlei zur Klärung bekgetragen. Viele der Protestirenden räumen offen ein, daß sie früher für den D. A. B. gewirkt, ihm aber nunmehr den Rücken gekehrt haben. Man fängt auch in diesen Kreisen an, sich der Verbindung mit einer Sache zu schämen, die durch die Enthüllungen des Stöcker- Prozesses so scharf gekennzeichnet worden ist. Einige der Absagebriefe rühren von Leuten her, die gar nicht einmal in der Liste standen. So schreibt uns ein Herr B. Tcttweiler: „Ich theile Ihnen mit. daß ich weder je, noch jetzt ein Führer, noch sonst was bei den Antisemiten bin, auch denselben nicht angehöre." Herr Tettweiler war in der Liste nicht aufgeführt; aber schon der bloße Verdacht, das; er zu jenen Elementen gerechnet werden könnte, beunruhigt ihn, und wir nehmen keinen Anstand, ihn von seiner Sorge zu befreien. Herr Pickenbach erklärte aus dem jüngsten Sonunerfcste des D. A. B. die Veröffentlichung der Liste als eine „Besudelung der Ehre". Früher nannten die Herrn sich mit Stolz Antisemiten; jetzt sehen sie in dieser Bezeichnung eine „Besudelung der Ehre". Tempora mutantur. Posen, 23. August. Die Ausweisungen hierselbst, welche zuerst nur gegen russische Staatsangehörige gerichtet waren, nach einem Ministerial-Decret vom 8. d.M. aber auch gegen galizisch-österreichische Unterthanen in Anwendung gebracht werden, haben, nachdem Tausende von Personen in Westpreußen hievon betroffen worden sind, in den letzten Tagen auch in den Provinzen Posen und Schlesien bedeutende Dimensionen angenommen. In dem circa 10,000 Seelen zählenden landräthlichen .Kreise Jnowraclaw sind, wie der „Kuryer Poznanski" mittheilt, allein an 6000 Personen Ausweisungs - Decrcte erlagen worden. Aehnlkch verhält es sich auch mit der Ausweisung in den übrigen Grenzkrcisen, was überdies auch in de» anderen Bezirken in bedeutender Anzahl vorkommt. Höchst auffallend ist cs, das; gegen Katholiken und Inden unnachsichtig vorgegangcn wird, während gegen Evangelische das Ausweisnugs-Dccret gar nicht zu existiren scheint. Es ist bis jetzt die wirklich erfolgte Ausweisung eines Evangelischen noch nicht bekannt geworden. In Westpreußcn war eine solche zwar gegen einen Evangelischen dccretirt, dieses Decret ist aber ohne Zuthnn des hievon Betroffenen zurückgenommen worden. Der in Rede stehenden Person, nämlich einem Hirten Namens Heinrich Molke zn Zawade bei Gollnb, ist von dem Amtsvorsteher Kretschmar zu Gollnb unter dem 29. v. M. folgendes Schreiben zugegangen: „Es wird Ihnen hiedurch eröffnet, daß der Herr Oberpräsident Ihnen gestattet, sich im

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