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Der Israelit · 1885-09-03 · Heft 70 (3.9.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 70 (3.9.1885)
Date
1885-09-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 70 -es Israelit. Leitender Artikel. Beiträge zur takmudifchen Sprachnud Sachkunde. Von D r. H—ch. E. IX. Es ist allgemein bekannt, daß der jerusalemische und babylonische Talmud, obwohl beide auf einer und derselben Mischnah fußen, dennoch in der Mischnah selbst manchmal verschiedene Lesearten haben, die nicht ausschließlich durch die abweichende Orthographie oder Aussprache der Schulen in beiden Ländern erklärt werden können. Denn abgesehen von den orthographischen Abweichungen im Jeruschalmi, die sich durch die mehr syriasirende Aussprache der Palästinenser erklären, finden sich in demselben manchmal andere Lesearten als in unserer Mischnah, die nothwendig ans eine andere Auffassung der Mischnah Hinweisen. Diese Verschiedenheiten bedürften einer gründlichen Untersuchung und harren noch des Bearbeiters, der das Verhältniß beider Recensionen klarlegen und die Ursachen, die ihnen zu Grunde liegen, einer unbefangenen Würdigung unterziehen würde. Bei eingehender Prüfung und Gegenüberstellung Beider, würde das Verständniß der Mischnah nur gewinnen und manche dunkle Stelle, manche unbesiegbare Schwierigkeit sich unserem Verständnisse erschließen. Folgendes Beispiel möge unsere Ansicht veranschaulichen, wie wir uns eine solche Bearbeitung und Verwerthung denken, und wie die Betrachtung dieser Verschiedenheiten nutzbringend sein könnte. Wir stellen zu diesen! Zweck den Text der ersten Mischnah des sechsten Abschnittes von Baba Mezia, soweit er zu unserer Betrachtung nothwendig ist, hierher, p©”*© (nnp j"*) nnpn nxi nenn ritt "cv rrocn ]e laras® wärt, ftynsi net» itt nb't> . : peo w jrty new 'di Hier ist die Rede von dem Rechte des Arbeitgebers, sich andere Arbeiter zu miethen, wenn auch init höherem Taglohn, wenn die von ihm vorher gemietheten Arbeiter, bei Arbeiten, die keinen Aufschub dulden, ihn im Stiche gelaffen haben. Unsere Mischnah bestimmt darüber Folgendes. „Wer einen Eselstreiber oder einen Kärrner miethet, um psr'-a oder Flöten für einen Braut- oder Leichenzug zu bringen oder Arbeiter um den Flachs aus der Wasscrröste zu nehmen, sowie jede Sache, bei der ein Verlust im Verzüge ist, so daß sie keinen Anfschns dnldclt und diese wollen dann die Arbeit nicht leisten, so darf der Arbeitgeber auf ihre Kosten andere Arbeiter um höheren Lohn miethen," d. h. indem die Mehrkosten den Vertragsbrüchigen Arbeitern zur Last fallen. Das Wort psns bedeutet nach Rasch! „glatte polirte Stangen", wie sie zu einem Brauthimmel verwendet zu werden pflegen. Rach Aruch bedeutet unser Wort soviel als p'n^tt, welches er 8. v. mit „Sänfte" erklärt. Rach Mußafia bezeichnet unser Wort kein Traggeräthe, sondern ein Musikinstrument, gleich dem danebeustehenden v^n und ist vom griechischen aetnyeQiiQ abzuleiten, nämlich ein rundes, gewundenes Musikinstrument, eine Trompete etwa. Entspricht aber diese Erklärung wirklich dem in der Mischnah angeführten Worte? Dem Sinne nach wäre nichts dagegen einzuwenden; aber wie steht es mit der Bedeutung des Wortes? Das angeführte, griechische Wort bezeichnet wohl einen runden Gegenstand, gleichviel welcher Art, aber es läßt in der Bestimmung desselben die Wahl zwischen dem Erdball und einer Haselnuß, denen beiden dieses Prädikat zukömmt, gleichwie den zahllosen Gegenständen, deren Dimensionen sich zwischen diesen Extreme» bewegen. Für die Erklärung Raschi's oder des Aruchs finde ich auch keinen anderen Anhaltspunkt, als daß sich ihre Erklärungen aus dem Zusammenhänge der Mischnah ergeben, da eine Sänfte oder ein Baldachin zu einem Brantzuge gehören. Wir aber glauben dieses Wort anders zu erklären, und diese Erklärung findet eine mächtige Stütze in der Lesart des Jeruschalmi. In demselben lautet unser Text folgendermaßen: ritt -obt 'd: rtm p© tt"-© nnpn nm nenn. Hier ist das Wort tt'^rt, das in unserer Mischnah steht, ausgelassen. Es ist also hier nicht die Rede von dem Bringen der 'di ps whb, sondern von dem Miethen derselben und sie sind in dieser Beziehung gleichgestellt dem Worte nnp ,nen und den übrigen

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