Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1885)
- Date
- 1885-09-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1211 preußischen Staate aufzuhalten. Falls Sie einen Antrag stellen wollen, soll Ihre Aufnahme als preußischer Untcrthan stattfindcn. Innerhalb 14 Tagen wollen Sic dies hier anzcigen." Ebenso ist einem evangelischen Dienstmädchen in Gollnb, welchem bereits das Answeisungs-Dccrct zugesiellt worden war, die behördliche Erlaubnis; crtheilt worden, in Preußen bleiben zu dürfen. Danzig. Auf einer beim Oberpräsidcntcn von Westprcnßen stattgefundencn Konferenz der Krcislandräthe, welcher ein Ministerialrath beiwohnte, sind die Grundsätze fcftgcstcllt worden, nach denen bei der Ausweisung dcr.Polcn verfahren werden soll. Es werden nicht ansgcwicscn diejenigen Personen, die vor dem Jahre 1843 nach Preußen gefommcn sind; ferner Leute, die selber oder deren Söhne im preußischen Heere gedient haben; Personen, die zeitweise zu ihrer Ausbildung oder des Erwerbes halber in Preußen sich aufhalten und festes Domizil oder Geschäft nicht besitzen, wohl aber im Besitze von Legitimakionspapicrcn sind, Studenten, Schüler, Handwerker, Arbeiter n. s. w. Alle anderen Personen soroohl aus Rußland als auch alls Oesterreich unterliegen der Ausweisung, selbst wenn sie einen ordnungsmäßigen Paß besitzen. Oester r. - Ungar. Monarchie. Aus Kremsicr wird berichtet: Während der Kaiserbegegnungstagc sind hier viele Taschendiebstählc vorgekommen, nach deren Urhebern man vergeblich forschte. Endlich wurde der Taschendieb in der Person des antisemitischen Agitators Martin Scherchi aus Wien ausfindig gemacht und verhaftet. Auch die Frau dieses antisemitischen Langfingers, die ihm in seinem Geschäfte redlich mithals, wurde fcstgenommen. Italien. Venedig. Dieser Tage starb dahier unser Glaubensgenope, der bekannte Patriot, Baron Jacopo Treves dei Bouiflli im Alter von 07 Jahren. Derselbe hatte sich während der Eholcracpidcmic im Jahre 1836 durch seine Unerschrockenheit und seinen Edelmuch ausgezeichnet. Er war damals von Haus zu Haus gegangen, um den armen Kranken die nöthigcn ärztliche» Mitteln zn bringen. In den Jahren 1848 und 1849 nahm er eine hohe politische Stellung ein und bekleidete ein wichtiges Staatsamt bei der damaligen republikanischen Negierung. Seine später» Jahre waren der Wohlthatigkeit gewidinct, die er Juden und Christen zu Theil werden ließ. Alle Zeitungen Venedigs und Paduas brachten große Artikel, welche den hohen Charakter des Verstorbenen schilderten. Venedig. Bei ihrem jüngsten Aufenthalte dahier empfing die Königin von Italien den Obcrrabbincr Dr. Cocn Porto in Audienz, bei welcher Gelegenheit sie erzählte, daß sie mit großem Bedauern den Tod des Sir Moses Moutcfiorc vernommen, welcher in seinem Leben unzählige Akte der Menschlichkeit ausgcübt habe. Herr Baron Ignaz Weil Weiß v. Lainate in Turin hat dem Arbeiterverein daselbst 20,000 Lire geschenkt, deren Zinsen zu Preisen für Arbeiter ohne Unterschied der Confcssion, die sich durch besondcrn Fleiß auszcichnen, verwendet werden sollen. Frankreich. Marseille. Die Cholera tritt heuer noch heftiger als voriges Jahr auf. Doch ist die Angst vor ihr bei weitem geringer als sonstvon einer Auswanderung der reichen Bevölkerug ist keine Nede. Bis zum 22. August sind bei einer Einwohnerzahl von 400,000, 700 Personen an derselben gestorben, darunter ein Jude bei einer Gcsammtzahl von 4000. Außerdem wurde ein Jude im Pharohospital ausgenommen, der dasselbe als vollständig genesen wieder verlassen hat. N u m ä n i e n. Bukarest. Neue Maßregeln werden neuerdings gegen die unglücklichen Juden unternommen. Im Dkstrictc Bottuschan wurden kategorische Befehle crtheilt, die Juden ans den Dörfern zu vertreibe». Jüngst wurde ein an Händen und Füßen gefesselter junger Jude vor den Untcrpräfccten von Bottuschan gebracht, welcher den Gensdarm mit den bcmerkenswerthcn Worten ansprach: Weßhalb führen Sie den Juden gefangen vor und)? Sie hätten ihn tödten und ihn dann bringen sollen. In Romanwurde den mit Kleinvieh handelnden Inden jeder Geschäftsbetrieb auf dem Markte verboten. Daß dadurch zwanzig Familien brodlos gemacht wurden, macht einem allgewaltigen rum. Polizcichcs wenig Kopfzerbrechen. Ebenso sucht mau die jüdischen Kinder aus den höhcrn Schulen zu verdrängen. Auch hier ist es der Neid, der zu diesem Schritte Anlaß gegeben hat; die jüdischen Schüler zeichnen sich nämlich vorthcilhaft vor ihren christlichen Mitschülern durch ein vorzügliches Betragen und große Fortschritte aus. Das aber muß man den Rumänen lassen, daß sic pfiffig sind und sich immer zu helfen wissen. Um die von der „Anglo Jew. Assoc." iu London