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Der Israelit · 1885-09-03 · Heft 70 (3.9.1885) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 70 (3.9.1885)
Date
1885-09-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1208 vollen Tageslicht den Eingang verwehren, dafür aber den vom prächtigen Gaslustre ausströmenden Lichterglanz desto mehr erhöhen, was war ihr jetzt der vom Silbergcräih sich biegende Tisch, den sie heute, gerade heute so festlich hatte Herrichten lassen, nnd den für die besondere Feier des Tages eine kunstvoll aufgebaute Pyramide des seltensten und herrlichsten Obstes zierte? Wie hatte sie sich auf diesen Abend gefreut, nnd jede Minute, die der Zeiger der Uhr weiterrückte, ohne daß der von ihr so sehr ersehnte Mann erschien, brachte ihr neue Enttäuschung, neuen Kummer, neuen Schmerz. Sie drückte sich in die Sophaccke nnd schloß die Augen, sie wollte für einige Augenblicke mit ihren Gedanken allein sein. — Sie sah sich als Kind in ihrem elterlichen Hause, dort gab es keine kostbaren Teppiche und Möbel, aber dort wohnte das Glück. Wenn ein Sabbat, wenn ein Festtag herannahte, dann herrschte dort Jubel und Freude, und wenn gar der Roschhaschanah-Abend da war. wie ging Eltern und Kindern das Herz auf! Wie war das Beglückwünschen so herzlich, wenn der Vater mit den Söhnen an der Hand aus der Synagoge heimkehrte, die geliebte nnd verehrte Mutter zärtlich mit dem Gruße l'schono tauwo umarmte und segnend die Hand auf die Häupter der Kinder legte, lind mit welcher Spannung sah man dem Ende des Kiddusch entgegen, daß die Brode endlich von der Schüssel gehoben wurden, auf welcher zur Ueberraschung der Eltern die Neujahrsbriefe in kunstvoll beinalten farbigen Papiermappen lagen, die den Theuren die Wünsche nnd die Versprechen des Gehorsams und des Fleißes der Kinder brachten. Besonders die Mädchen konnten die Ungeduld nicht zügeln, bis Vater und Mutter die Servietten von den Tellern entfernt Hatten, um mit der kleinen Handarbeit, die mtt Liebe für das Fest znmAngebinde angefertigt war, überrascht zu werden. Wie waren das glückliche Zeiten, glücklich für die Kinder und für die Eltern! Dann sah sie sich als die noch einzige Tochter im Hause; Alfred lernte sie kenne», die jungen Leute liebten sich, und die Eltern segneten den Liebesbund. Dann sah sie sich als junge Gattin nnd die Jahre ihrer Ehe zogen an ihrem Geiste vorüber. Sie war noch nicht lauge verheirathet, da starb der schon hochbetagte Vater. Alfred suchte in der Residenz einen größeren Wirkungskreis; er fand dort eine auskömmliche Stellung, das Leben floß dem jnngen Ehepaare heiter und sorglos dahin. Alfred wollte sich aber selbständig machen, dazu sollte ihm ein kleines Kapital, das er besaß, dienen. Er ging an die Börse, besorgte die ihm gegebenen Aufträge gewissenhaft, und am Ende des ersten Jahres hatte er einen kleinen Ueberschuß zu buchen. Aber mit der Zeit meinte er, schneller vorwärts kommen zu müssen, er sah, daß Manche, die mit ihm aus demselben Parkett verkehrten, schneller reich wurden, er versuchte einmal eine ganz, kleine Börsenspeculation für sich, er hatte Glück, wie es die Menschen nennen'. (Fortsetzung folgt.) Wende-Hläthsek. Dem Menschen, wie dem Thier, ich Aahrnng spende. , Mich bringt hervor die miillerliche Erde. Doch wenn ich meine wen'gen Zeichen wende, Zur zeitweilig verbot'nen Speis ich werde. Zs. Herzberg, Aerzen. Auflösung erfolgt in Nr. 71. Tie Namen der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 8. Septbr. zugegangen, in der folgenden stummer veröffentlicht. Auflösung des Wende - Näthsels in Nr. 68: 1) (Seele) — 2) (Kaninchen). „Der Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal i» mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig. halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postäinter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Pctitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland rmd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 3 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. 2mal Frankfurt a. M. Trier. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Alts Wien. Pilsen. — Feuilleton: Zwei Roschhaschana-Abende. — Wende-Raths«!. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Beiträge zur talmudischen Sprachnnd Sachkunde. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzrn: Deutschland: Frankrnthal. Berlin. Pose». Danzig. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Aus Kremfier. — Italien: 2mal Venedig. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Rußland. — Inhalt der zweite« Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: 5mal Berlin. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: <8ra^ - Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichniffe. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israeli gr. Bleiche 45. Druck und Verlag von OScar Lehmann in Mainz. (Hierzu drei Beilagen.)

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