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Der Israelit · 1885-09-03 · Heft 70 (3.9.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 70 (3.9.1885)
Date
1885-09-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1203 Zeitungsnachrichten und Corrcspondenzen. Frankreich. Berlin, 26. August. Nach einer Anzeige des Rektors der in der Großen Hamburgcrstraße belegencn Knabenschule der jüdischen Gemeinde ist am 23. d. M., Mittags zwischen 12 und 1 Uhr, in das Fenster eines im zweiten Stock nach der Westseite zu belegencn Klassenzimmers während des Unterrichts geschoben worden. Die kleine Kugel drang durch eine Fensterscheibe in die gegenüber liegende Thür, ohne weiter Schaden anzurichten. Frankfurt a. M., 30. August. Frankfurt war bekanntlich einst die bedeutendste Stadt des Buchhandels in Deutschland. Diese Zeit liegt lange hinter uns, allein die Traditionen blieben, auch als Leipzig der Mainstadt längst den Rang abgelaufen hatte, so mächtig, daß auch noch in späteren Jahren ein nicht allein umfangreicher, sondern auch gewählter Büchermarkt seinen Stammsitz in unserer Stadt hatte. Unter die älteren Vuchhändlerfirmen zählt auch die Firma Joseph Baer u. Cie., welche heute die Feier des hundertjährigen Bestandes# begeht. Wir sind in der Lage, einige, authentische Mitthcilungen über den Gang dieses Geschäftes, welches z. Z. auf dem Gebiete des Antiquariats-Buchhandels einen unbestrittenen Weltruf genießt, unseren Lesern zu bieten. — In dem letzten Dezenimn des vorigen Jahrhunderts hatte eine von Hanau verzogene jüdische Familie mit Namen Baer in dem benachbarten Bockenheim ihren Wohnsitz genommen. Nach den damaligen Frankfurter Gesetzen konnte dieselbe nicht das Bürgerrecht unserer Stadt erlangen und durfte hier kein offenes Geschäft betreiben. Der Familienvorstcher Joseph Baer fand jedoch Mittel und Wege, in dem Dominikanerkloster im Jahre 1785 in einem kleinen Lokale ein bnchhändlcrisches Antiquariats-Geschäft zu gründen, worin gewissermaßen unter der Hand gekauft und verkauft wurde. Die Umsichtigkeit des Besitzers ließ trotz der ungünstigen Lage des Geschäftes dasselbe einen raschen Aufschwung nehmen und der durchaus ehrenhafte Charakter Joseph Bacr's gewann ihm bald einflußreiche Gönner, welche es ihm ermöglichten, die ihm entgegenstehenden gesetzlichen Schwierigkeiten zu überwinden und als Bürger nach Frankfurt überzusiedelu. Er erweiterte das Geschäft und verlegte es in die Steingaffe, wo er es jetzt offen betteiben durste. — Joseph Baer war bestrebt, seinen Kindern eine sorgfältige Erziehung angedeihen zu lassen. Sein Sohn Leopold Joseph Baer, geboren am 2. Oktober 1804 in Bockenheim, besuchte in den Jahren 1815 bis 1820 das Frankfurter Gymnasium und trat dann in das väterliche Geschäft ein, welches zu jener Zeit bereits eine große Ausdehnung erfahren hatte. Bier Jahre später, im Jahre 1824, verband sich sein Bruder Hermann Joseph Baer mit ihm zur Ucbcrnahme der Handlung. Selten wohl vereinten sich zwei so strebsame und tüchtige Männer in rastloser Thätigkeit und in der Bemühung, dem Hause eine fortwährende Ausdehnung und Bedeutung zu geben. Der Erfolg war auch ein ausgezeichneter und es ist eine nicht zu leugnende Thatsache, das; die Gebrüder Baer die Ersten waren, welche dem Antiquariatsgeschäste in Deutschland eine weitere und höhere Bahn ebneten. In richtiger Erkenntniß der Verhältnisse thcilten sie die Arbeit. Während der jüngere Bruder Hermann Joseph weite Reisen nach England, Frankreich, Holland und Italien unternahm, um Ankäufe hervorragender oder seltener Werke zu machen, wozu ihn seine bibliographischen Kenntnisse vortrefflich befähigten, leitete der ältere Bruder Leopold Joseph das Geschäft in Frankfurt, und er darf es sich zu besonderem Verdienste anrechnen, von den mit sachkundigster Weise in Besitz gebrachten literarischen Schätzen des Auslandes die öffentlichen Bibliotheken versorgt und vervollständigt zu haben. Mit ganz ungewöhnlichen bibliographischen Kenntnissen war namentlich der ältere Bruder ausgerüstet und er wußte dadurch dem Geschäft den besten Ruf in der europäischen Gelehrtcnwelt zu verschaffen und auch insbesondere intime Beziehungen zu den öffentlichen Bibliotheken in Rußland anzuknnpfcn. — In Frankfurt selbst war das Bacr'sche Geschäft ein Sammelplatz der Büchcrkcnner und Büchcrliebhabcr, welche die reich zuströmcuden Schätze in Ansicht nahmen, damit selbst ihre Kenntnisse erweiterten oder durch die Liberalität der Besitzer Notizen darüber sammelten und literarisch vcrwerthcten. So waren Rath Schlosser, der Geschichtsschreiber Schlosser, Clemens Brentano, v. Bcthmann- Hottwcg, Frhr. A. Friedrich v. Schack, Dr. Joh. Friede. Bochmer, Dr. Lorenz Diefenbach, Hofmann von Fallersleben theils Besucher und Kunden des Geschäftes, theils Freunde des Hauses und auch im Jahre 1848 zur Zeit des Parlaments waren viele von dessen Mitgliedern, darunter namentlich Jakob Grimm, Karl Vogt, der Stiftsprobst Döllinger u. A. sehr häufig in den bücherreichen Räumen zu finden. Besonders viel verkehrten Schöff Dr. F. P. llsener und Dr. I. Gerhard Christian Thomas, Verfasser des „Oberhof zu Frankfurt",

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