Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1885)
- Date
- 1885-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1204 mit den Brüdern Bacr. — Nachdem, wie ans älteren Frankfurter Adreßbüchern zu ersehen ist, das Geschäft mehrfach verlegt worden war (wir finden cs 1844 ans der Zeit Nr. 41 im Ponfick'schcn Hause, 1849 Zeit Nr. 5 im Bcrck'schen Hause), wurde es, dem Bcdürfniß nach größerer Ausdehnung nachgebend, im Jahre 1850 in das am Roßmarkt gelegene Casino (Roßmarkt 10) nbergeführt, zehn Jahre später ein eigenes Haus von den Brüdern dafür erworben, das ebenfalls am Roßmarkt, dem Gutenberg-Denkmal gegenüber gelegene große (ehemals Dick'sche) Gebäude, wo sich der Bücherschatz noch heute befindet und in dessen Räumen ein antiquarisches Lager von über 300,000 Bänden ansgestellt ist. — Im Jahre 1853 trat ein Vorkommniß ein, welches dem Baer'schen Geschäft eine weitere Bedeutung gab. Baron Modest v. Korff war es, auf dessen Betreibung Leopold Joseph Baer zum Hanptkonnnissär der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek in St. Petersburg und des öffentlichen Museums in Moskau ernannt, sowie mit der russischen goldenen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde. — Leopold Joseph Baer konnte sich des neuen Besitzthums auf dem Roßmarkt nicht lange erfreuen; ein Herzleiden machte bereits im folgenden Jahre, am 31. December 1861, am Orte seiner Thätigkeit selbst, im eignen Laden, seinem Leben ein Ende. Im Adreßbuch von 1866, dem letzten der freien Stadt Frankfurt, sehen wir als Eigenthümer Hermann Joseph Baer und Wittwe Helene Baer geborene Töplitz, und als Prokuristen Julius Leopold Bacr, Sohn Leopold Joseph's Baer, verzeichnet. Hermann Joseph Baer trat 1872 ans dem Geschäft aus, nachdem ein Jahr vorher (1871) dasselbe durch die Gründung einer Filiale in Paris eine bedeutende Erweiterung erfahren hatte, zu welchem'Behufe Dr. H. Dcrenbourg in Paris in die Firma ausgenommen wurde. Im Jahre 1881 starb Hermann Joseph Baer. Die Pariser Firma ging in Folge dessen im vorigen Jahre in andere Hände über. — In eigenem Verlage hat die Firma Dr. I. H. Bender's Handbuch des Frankfurter Privatrechts, desselben Verfassers Handbuch des Frankfurter Civilprozesscs, und dessen Sammlung Frankfurter Verordnungen aus den Jahren 1808— 1816; ebenso des Senator Dr. Ph. Fr. Gwinner's „Kunst und Künstler in Frankfurt am Main vom dreizehnten Jahrhundert bis zur Eröffnung des Städel'schen Kunstinstituts," nebst Zusätzen. Daneben erwarb die Handlung die ganzen Vorräthe einer Reihe von Werken ans dem Cotta'schen Verlag in Stuttgart, dem Weidcmann'schen Verlag in Leipzig, dem Engelmann'schen Verlag in Heidelberg und dem Carl Hoffmann'schen Verlag in Stuttgart, größtcntheils Werke streng wisteuschaftlicher Richtung, darunter Autoren wie Fichte, Ranke rc. Um einen kleinen Begriff von dem Umfange der Bücherlager zll geben, sei hier nebenbei erwähnt, daß seit Ausgabe des ersten Katalogs im April 1864 von der Handlung 170 große Fachkataloge und 355 monatliche Anzeiger ausgegeben wurden. Das hiesige Geschäft wird heute von dem schon genannten Sohne Leopold Joseph Baer's: Simon Leopold Baer (ein zweiter Sohn Julius war bereits 1873 gestorben) in derselben umsichtigen ehrenhaften und thätigen Weise geleitet, welche cs bei Vater und Großvater schon auszeichneten. Hermann Joseph Bacr hinterließ drei Söhne, von welchen einer. Sollt) Hermann Baer vor drei Jahren hier, ein zweiter," Joseph Baer, vor einem Jahre in Paris starb. Der dritte Sohn, Dr. Moritz Hermann Baer ist als Anwalt in unserer Stadt thätig. Frankfurt a. M., 30. August. Der Jubeltag der Firma Joseph Baer und Co. führte gestern eine sehr große Anzahl von Freunden des Hauses und mit demselben in sonstiger Verbindung Stehender zur Beglückwünschung heran. Wie von Seiten unserer Stadtbehörden, so wurde auch durch Herrn Bibliothekar Ebrard von der Stadtbibliothek ein offizieller Glückwunsch.dargebracht. Von Außen waren Deputationen erschienen, so von dem Börsenverein der deutschen Buchhändler in Leipzig, von dem Leipziger Verein der Buchhändler, welche geschmackvoll ausgeführte Adressen überreichten. Von Straßburg war Herr Bibliothekar Barack erschienen; auch aus anderen Städten hatten Vereine Vertreter gesendet. Vom Frankfurter Lokalverein der Buch- . Händler wurde ein großes in sehr schöner Zeichnung von Eugen Klimsch ausgcführtes Gedächtnißblatt nebst einer Adresse mit Unterschriften aller hiesigen Buchhändler überreicht; von Seiten des Geschäfts- Personals des Hauses ein von Lüthi entworfenes und mit Farben ansgeführtes Blatt, dessen Eomposition sich an die Geschichte der Bnchdruckerknnst und speziell auch die Frankfurts anschließt. Herr Direktor von Rau überreichte einen silbernen Becher; Herr Dr.Kelchncr widmete seine Schrift über einen Mainzer Druck vom Jahre 1480: Herr Klemm aus Dresden überreichte ein Exemplar des Katalogs seiner großartigen Sammlung von Jncunabeln auf holländisches Papier gedruckt und gebunden in Deckel von Holz aus der alten Mainzer Rheinbrücke. Die Druckerei Gebrüder Knauer widmete eine typographisch schön ansgestattete Adresse. Von vielen andern Seiten liefen sinnige Geschenke, reizende Blumen-