Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1885)
- Date
- 1885-09-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1202 sind, das; der Erde Freude und Lust, daß des Neichthums Fülle, daß die Befriedigung jedes Wunsches, daß Macht, Ehre und Ansehen an und für sich nicht allein werthlos sind, sondern auch den Keim des Böse» und Schlimmen in sich tragen. Wer die Lust an Speise und Trank zu reichlich befriedigt, zieht sich Krankheit zu und einen frühen Tod; wer Freude findet am Besitz und diese Freude stets zu mehren bestrebt ist, verschafft sich quälende Sorgen; wer von der Leidenschaft erfaßt, diese nicht bekämpft, sondern ihr Befriedigung verschaffen will, zerrüttet sein häusliches Leben; wer durch zahlreiche Dienerschaft den Mitmenschen zu imponiren sucht, wird das mühsam Erworbene dem Raube nmlützer Sklaven preisgeben. — Dagegen gibt cs andere Dinge, die Jeder, auch der in Armnth und Niedrigkeit Geborene, erlangen kann und die eine Quelle des wahrhaften Glückes und des ewigen Heiles sind. Die Thora ist das reichste Gnadengeschenk des allmächtigen Gottes. Offen und frei liegt sie da; Jeder kann sie suchen und finden und durch sie sein Leben zu einem wahrhaften, wirklichen gestalten. An den Stätten jüdischer Forschung findet auch der arme Jüngling ein Unterkommen, um zu der Weisheit Schatz zu gelangen, und des Weisen Rath wird gesucht; er erwirbt nicht allein die Hochachtung seiner Mitmenschen — durch die praktische Anwendung des Erlernten eröffnen sich ihm die Pforten der Erkenntniß. Trotz allemdem sind die Gegensätze nicht ausgeglichen. Der Mensch bedarf immerhin der Speise und des Trankes und noch anderer Dinge, um fein Leben zu erhalten. Der in Armnth geborene Knabe bedarf der Hilfe seiner Mitmenschen, damit es ihm möglich werde, zu lernen; der mittellose Jüngling bedarf der Unterstützung, um auf derJeschibah sein Leben zu fristen. Da ist denn die Zcdakah, die Wohlthat, die milde Gabe, die reiche Spende, die Unterstützung — die a u s g l e i ch e n d e G e r e ch t i g k e i t. Wir haben oben gesagt, daß der Grundbegriff des Wortes Schalom „die Vollkommenheit" ist. Da nun Krieg, Streit, Hader die Vollkommenheit zerstören oder gar nicht anfkommen lassen, so bedeutet das Wort Schalom auch das, was wir im Deutsche» mit dem Worte Frieden bezeichnen. Der Friede kann nach zwei Seiten hin betrachtet werden: Der Friede zwischen Gott und den Menschen; der Friede der Menschen untereinander. Nach beiden Seiten hin befördert die Zcdakah den Schalom. Die zuletzt genannte Art der Fricdeusbeförderung durch die Zedakah bedarf kaum einer näheren Erklärung. Es ist klar, daß, wenn die Mächtigen und Großen, die Neichen und Vornehmen für die Armen und Elenden Sorge tragen durch Errichtung von Freischnlen, durch Anlegung von Kranken- und Waisenhäusern, durch Gründung von Alterversorgungsanstaltcn, Armenküchen rc., durch Beschaffung von gesunden und billigen Wohnungen, durch regelmäßige Unterstützungen der Arbeitsunfähigen und wie die verschiedenen Formen der Wohlthätigkcit sich sonst noch darstetten, daß dann der Klaffenhaß außerordentlich gemildert und der Friede unter den Menschen gefördert lvird. — Wir sindeiffaber auch die Ausdrücke Zedakah und Scholam miteinander in einem Falle in Verbindung gebracht, der von den zuletzt gesprochenen Verhältnissen fern abliegt. Als Israel gegen das Ende seines Wüstenaufenthaltes in Schittim lagerte, wurden viele Israeliten von beit Töchtern Midjans zur Unzucht und Götzen dienst verführt. Ein Stammesfürst des Volker führte mit unaussprechlicher Frechheit die Genoss» seines Frevels vor Moscheh und die Aeltesten des Volkes, die, ob solcher Nnthat weinend, am Eingänge der Stiftshütte standen. Da stand Pinchas auf und durchbohrte den Frevler und seine Genossin. Diese edle und kühne That des Pinchas wird von dem Psalmisten (Psalm 106, V. 31) als Zedakah bezeichnet nby m mb np"i£> ncsrnnt. Und Gott sprach: nbu/ *ma nx ft jnu »an „Siehe, Ich verleihe ihm (dafür) Meinen Bund des Friedens." Durch die Zedakah, die Pinchas hier vollzog, stellte er den Frieden zwischen unserem Later im Himmel und Seinem Volke wieder her. Diese That des Eifers war die größte Wohlthat für Israel. Verloren, verloren wäre das Volk gewesen, wennPiuchas die Unthat nicht sofort gerächt hätte. Sitteulosigkeit und Götzendienst hätten die Vollkommenheit und damit den Frieden Israels vernichtet, rcno G\bw rD-)D, njns. Wir haben den Satz ba rcno onny rann auch dahin erklärt, daß, wer, um seine Ehre und sein Ansehen zu heben, vi?le müßiggängerische Knechte ernährt und besoldet, dadurch einen Raub an den Armen begeht, die er mit seinem Ueberslusse unterstützen sollte. Statt Ehre wird ein Solcher nur den Neid und den Haß seiner Mitmenschen davon tragen. Wer dagegen die reichen Mittel, hie ihm zu Gebote stehen, dazu verwendet, die Noth und das Elend seiner Mitmenschen zn lindern, der wird den Frieden mehren auf Erden öfter rmo npnn noio. (Fortsetzung folgt.)