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Der Israelit · 1885-09-03 · Heft 70 (3.9.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 70 (3.9.1885)
Date
1885-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M VV E i u Zentral - Krgan für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von Dp. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den S. September 5645 (1888). Da mit dem 1. Oct. 1885 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonuemcni frühzeitig erneuert werden muß, bamit die Versendung keine Unterbrechung erleide. I£X* Die nächste Nummer (eine Doppelnmnmer) erscheint D i e n st a g, den 8. September. Leitender Artikel. Alt! Sprüche der Jäter. xxxx. Mainz, 31. August. nbw nzno npna nmo. „Wer die Gerechtigkeit mehrt, mehrt den Frieden." Es sind zwei wunderbar herrliche, vielumfassende Ausdrücke, wie sie nurd§^5MMchLNSprache eigen und in fremden ZncM^ nicht wiederzugeben sind — die beiden Begriffe, die uns hier vorgeführt werden, Zedakah und Schalom. Nach dem biblischen Sprachgebrauche umfaßt der Begriff Zedakah alle schöne und herrliche Tugenden, die der Mensch sich aneignen kann, und wer sie übt, heißt ein Zadik. Auch auf Gott, das allervollkommenste Wesen, werden die Begriffe Zedakah (ra-isn 'n und Zadik (vm Vaa p'-.u) angewandt. Im Sprachgebrauche unserer Weisen heißt Zedakah so viel wie Wohlthun, und noch spezieller, Almosen geben. Wo uns das Wort Zedakah in der heilige» Schrift vorkoinmt, übersetzen wir es meistens mit dem deutschen Worte Gerechtigkeit, manchmal auch mit Tugend, Wohlwollende.—--"Das Wort Schalom bezeichnet die höMe..Bollkommenheit; es wird daher auch als eiM^Der »Kamen des Allerhöchsten gebraucht; gewöhnlich lhird es mit,/Fmde" übersetzt. — ' Der Uebergang von dem biblischen zu dem, talmudischen Sprachgebrauche für das Wort Zedakah wirst ein Helles Licht auf den in Rede stehenden Ausspruch des'großen Hillel. Um das zu erklären, müssen wir eine von jeher und namentlich in der Gegenwart die Welt tief bewegende Frage erörtern. Die Güter dieser Welt sind unter den Menschen sehr ungleich verthcilt. Der Eine wird in Purpur geboren. In die Wiege wird ihm alles Schöne und Herrliche gelegt, was die Erde bietet. Liebe und Sorgfalt umgeben ihn von frühester Jugend an, des Reichthums Fülle legt ihm alle Schätze zu Füßen und jeder Wunsch des Herzens kann leichtlich seine Erfüllung finden. Der Andere wird in Armuth und Elend geboren, und wächst unter Hunger und Kummer heran. Fortgesetzte Entbehrungen sind sein Loos von der Wiege an bis zum Grabe. — Noch bedeutender treten die Gegensätze hervor, wenn der im Ueberslnß Geborene verarmt, während der in Kummer und Elend Herangcwachsene zu bevorzugter Lebensstellung emporsteigt. Ebensowenig lute es das eigene Verdienst eines Prinzen ist, an den Stufen des Thrones geboren worden zu sein, ebensowenig ist es in der Regel das eigene Verdienst des Emporkömmlings, daß er von den Fesseln der Armuth und Niedrigkeit befreit ist worden; und wie das Kind der armen hungernden Wittwe nicht verantwortlich gemacht werden kann für seine traurige Lage, so trifft auch den in Reich- ...thum Erwachsenen häufig kein Vorwurf, wenn er in Roth und Elend geräth. Bei Betrachtung dieser Verhältnisse steigen dem Menschen oft Zweifel auf an der Gerechtigkeit der allwaltenden Vorsehung. Da lehrt uns nun Hillel in unserer Mischnah,- daß , dje.. irdischen Güter nicht an und für sich werthvoll

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