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Der Israelit · 1885-08-31 · Heft 69 (31.8.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 69 (31.8.1885)
Date
1885-08-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1191 teil Bodens eingcsahrcn und haben kaum dreimal de» Samen daraus gezogen. Es fleht zu hoffen, daß die bewässerten Kartoffeln, welche wir im Laufe des Juli zu stechen gedenken, eine bcstere Ernte geben. Wir haben den größten Tbcil dieser Kartoffeln verkauft, circa 2,600 Kilogramm zu 11 Frcs. die 100 Kilogramm. Die Bulgaren der Stadt Samacoff gewöhnen sich allmählich daran, der Schulbibliothek der Alliance-Schule Bücher zu entlehnen. Diese Anfragen lassen Gutes vorausschen und werden jedenfalls dazu beitragen, die Beziehungen der Juden und der Andersgläubigen zu befestigen. Sofia. — Herr Bajaroff, Dircctor des öffentlichen Unterrichts in Bulgarien, hat am 17. Juli die Zöglinge der Knabenschule in Sofia geprüft. Eine zahlreiche und auscrwähltc Gesellschaft wohnte den Prüfungen bei. Mau bemerkte dort den Ministcr des Unterrichts, dessen Gegenwart bei dieser Feier von der ganzen Gemeinde als ein Zeichen von Sympathie und großen Wohlwollens aufgcuommcn wurde, den politischen Dircctor, den Oberrabbiner von Sofia, Herrn Bakish, die beiden neuen Staats- Schulcn-Jnfpccwren, den zweiten Bürgermeister; kurz, die Notabcln der Gemeinde und eine große Anzahl von Mitgliedern des Lehrkörpers, des Journalismus, des Gerichts, der Negierung; der Minister für öffentlichen Unterricht und der politische Dircctor haben selbst die Kinder ausgcfragl. Diese haben mit einer Schnelligkeit und einer Genauigkeit geantwortet, die die Zuhörer entzückt hat. Der Minister und Herr Benjaroff haben dem Dircctor der Schule ihre Zufriedenheit über die von den Schülern iin Laute eines Jahres gemachten Fortschritte ausgesprochen und versprachen, die Aufnahme einzelner der vorgeschrittenen Schüler in das Gymnasium zu erleichtern. Rußland. In Maikos haben die jüd. Soldaten des 76. Regiments die Vollendung einer für ihre Synagoge bestimmte Thorarollc festlich begangen. Der Oberst hatte 50 Mann Rcgimcntsmusik zur Feier geschickt und wohnte dem Feste bei. F e n i Ile ton. Ale Könne. Erzählung von N. Kelle r. in. „Hochwürdigste Schwester," sprach die Aebtissin, sich tief verneigend, „verzeiht, daß wir Euch solange warten ließen; allein, ich bin der französischen Sprache nicht mächtig und konnte daher das für uns w ehrenvolle Schreiben nicht lesen; ich mußte cs nlir erst übersetzen lassen. Jetzt aber beeile ich mich. Euch bei uns willkommen zu heißen. Möge cs Euch recht wohl bei uns gefallen." Die fremde Nonne antlvortcte in französicher Sprache, und auch jetzt mußte die Novize hcrbeigcrufcn werden, um die Dolmetscherin zu machen. Schwester Enphrosine wurde in den Speiscsaal geführt, mo man ihr das Beste vorsctzte, was Küche und Keller des Klosters zu bieten vermochte; allein sic aß nur Brod und trank nur Wasser; denn so wollte cs ihr Gelübde. Die Nonnen von Erkelenz wurden mit großer Hochachtung für die fremde Schwester erfüllt. Noch au demselben Tage durch-- wandcrtc sie alle Räume des Klosters, sich überall Notizen inachcnd. Stets mußte die Novize sie begleiten, uu: Alles, was die Acbtiffiu sagte, in's Französische zu übertragen. Abends wurde der fremden Schwester das für vornehme Gäste bestimmte Prunkgemach eiugeräumt, und zwei Nonnen wurden ihr zur Bedienung bcigegcbcn. Sie aber wies die Bedienung zurück. Auch im Pruukgemache wollte sie nicht wohnen. Sie erbat sich die einfachste schlechteste Zelle und statt des BcttcS nur ein Strohlager. Als vor Tagesanbruch die Glocke in die Klosterkirche rief, war die Fremde die erste, welche die Kirche betrat und die letzte, die sic wieder verließ. Die Nonnen von Erkelenz waren ganz entzückt von ihrem Gaste, und die Pariserin wiederum erging sich in großen Lobeserhebungen über das Kloster und dessen Einrichtungen. Nur eins bedauerten beide Thcile, daß sic nämlich sich nicht direct miteinander zu unterhalten vermochten und daß sic dabei der Vermittelung der Novize bedurften. Schwester Enphrosine war gegen Alle freundlicher als gegen die arme Rosa; sic hatte eine unüberwindliche Abneigung gegen die Juden. Auch dieser Umstand trug nicht wenig dazu bei, ihr die Herzen der Aebtissin und der übrigen Nonnen zu gewinnen, die nichts mehr bedauerten, als daß der Beichtvater des Klosters gerade verreist war, so daß er die eben so fromme wie liebenswürdige Fremde nicht kennen lernte. Acht Tage waren auf diese Weise verstrichen. Rosa, welche immer um die Fremde sein mußte, konnte sich manchmals des Staunens nicht enthalten. Oft fühlte sie, wie der Blick der Schwester Euphrosine thcilnahmsvolt ans ihr ruhete; aber, sobald sie dieses zu bemerken schien, wandte sich die Fremde von ihr ab und war wieder kalt und abstoßend wie immer. *

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