Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1885)
- Date
- 1885-08-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449569--22826-2512465- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1190 Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. O e st e r r.- Ungar. Monarch! e. Wien. Der Kaiser hat den außerordentlichen Professor des Strafrechts an der Wiener Universität, Herrn Dr. Salonion Mayer, in Anerkennung seiner verdienstvollen Wirksamkeit zum Regierungsrath ernannt. Frankreich. Paris. Monatsbericht (Juli) der „Alt. Jsr. Univ." (Schluß.) Das Eeutral-Eomitä hat die folgenden Mittheilungen erhalten über die Lage der Gemeinde Debdou: Im Jahre 5638 (1878) entstanden Unruhen unter den Mohammedanern, welche bei Debdou wohnen. Die Israeliten dieser Ortschaft haben unter diesen Unruhen viel gelitten und leiten noch darunter; .die Streitenden haben die Dächer ihrer Häuser heruntergerissen, sind in ihre Wohnungen gedrungen und haben sich in ihre Höfe verschanzt, um auf ihre Gegner zu schießen; zahlreiche Wohnungen der Juden sind auf diese Weise zerstört worden; ein Mann und eine Frau wurden getödtet, mehrere Gemeinde-Mitglieder schwer verwundet, die Synagoge profanisirt und geplündert. Die seidenen Mäntel, die Goldgerüthe und die Gesctzesrollen wurden weggeschleppt. Die Notablen von'Debdou baten den Sultan, sie zu schützen; er sandte ihnen einige Soldaten, doch waren diese in zu geringer Anzahl, um der Gemeinde von bedeutendem Nutzen zu sein; die Inden blieben ferner der Gewalt und den Mißhandlungen preisgegeben. Im Jahre 1883 wurde der jüdische Kirchhof zerstört, die Gräber geöffnet und die Todten auf die Straße geworfen; vier Gesetzesrollen wurden gestohlen; die Gemeinde konnte ihrer erst gegen Zahlung einer bedeutenden Summe wieder habhaft werden. Noch heute dauern diese Unruhen in Debdou fort; die Muselmänner führen das Rindvieh der Israeliten fort, stehlen alles, was sie nur wegschlcppen können. Gin Stamm von Tafilalet kommt oft nach Debdou, die Juden 'sind gezwungen ihn zu beherbergen, ihm das Futter für Pferde und Kameele zu beschaffen, sowie Wachs und Zucker. Weigern sie sich, so werden sie geschlagen, mitunter sogar todtgeschlagcn. Die Stadt hat weder Richter noch Gouverneur, die Juden sind ohne jeglichen Schutz. Das Central-Comit« hat die maroccanische Regierung auf die unglückliche Lage der Gemeinde zu Debdou aufmerksam gemacht. (Israeliten Rumäniens.) Wir berichteten bereits über den Todtschlag eines Juden aus Dragonchani (District von Dorohoi), der verurtheilt war, gepeitscht zu werden, und welchen die Henker zu Tode gepeinigt und alsdann in einen Brunnen geworfen haben, damit man an einen Selbstmord glaube. Dieser Jude hieß Jtzig Paskar; er hiuterläßt eine Frau und 8 Kinder. Der Courier de Botochani vom 2. 14. Juni schreibt hierüber: Da der Staatsanwalt des Gerichts zu Dorohoi abwesend war, ersuchte die Familie des Opfers seinen Stellvertreter, eine Untersuchung einzuleiteu; er weigerte sich, es zu thuu, und ernannte statt seiner den Unterpräfekten des Bezirks, Herrn Basen, welcher selbst in der Angelegenheit sehr compromittirt war. Dieser hat sich mit einem Bezirksarzt nach Dragonchani begeben, und letzterer schloß selbstredend auf einen Selbstmord. Im Interesse der Untersuchung unterlaffen wir es vorläufig, einige uns bekannte Thatsachen zu erwähnen, welche von großer Bedeutung sind. Wir beschränken uns heute darauf folgende Thatsache anzugeben: Gin Kind des Opfers, welches den Anblick des Leichnams seines Vaters nicht ertragen konnte, wurde durch Peitschenhiebe dazu gezwungen, denselben zur Autopsie zu entkleiden. Die Wittwe hat sich an den Justizminister und General -Procureur mit der Bitte um nochmalige Untersuchung gewandt. Jaffa. — (Ackerbanschule.) Das Dreschen des Getreides ist im Juni beendet worden; das Ergebnis; war wenig befriedigend. Wir haben — auf unseren Theil -- kaum 85 Hcctoliter Korn von sehr niedriger Qualität, mit Unkraut vermischt; unsere Pächter eben so viel. Man hatte über 100 Hektoliter gesäet. Wir haben 210 Hcctoliter Gerste geerntet, und wir bedürfen ungefähr 880 Hcctoliter für unsere 12 Maulesel und Pferde; wir scheu uns daher gezwungen, noch 170 Hectoliter zu kaufen. Wir hatten auch 10 Hectoliter Lupinen und einige Hectoliter Linsen. Der Sesam steht iu der Blüthe; bis jetzt ist er gut gewachsen, und ich hoffe, daß wir hiermit mehr Grund zur Zufriedenheit haben werden, als mit den vorigen Prodncten. Im Juni haben wir uns auf die Bewässerungs-Arbeiten, das Gaten und Zw ei brachen in den Orange- und (5 edra gärten beschränkt. Tie Orangebänme sind sehr beladen und versprechen eine reichliche Ernte. Im Gemüsegarten werden die Unterhaltungsnnd Bewäfferungsarbeiten fortgesetzt; wir haben auch einige Gemüse gesäet, besonders Bohnen. Wir haben die Kartoffeln der Felder des nicht bewäffer-. *