Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1885)
- Date
- 1885-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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den östlichcu Provinzen der Monarchie Neues berichtet wird. So wird unter dem gestrigen Datum durch die „Pos. Ztg." au» Bromberg gemeldet, daß am Freitag 3t Bromberger Familien mit der Ausweis« ngsordre bedacht worden sind. Auch für diese ist als Rcisetermin der 1. Oktober d. I. festgesetzt worden, namentlich wurden jüdische Familien von der Ausweisung betroffen, zum Thcil solche, welche schon Jahre lang in Bromberg in geordneten Verhältnissen leben, Handwerker und Gewerbetreibende. Hamburg, 25. August. Eine Gedächtnißfeier für den kürzlich verstorbenen großen Philantropen Moses Montcfiore fand am Sonntag Nachmittag in der Newch-Scholaum-Synagoge am Jungfernsticg statt. Nach dem üblichen Miucha-Gebete und nachdem der Obcrcantor Herr Ehrlich dcn 00. und 16. Psalm rccitirt, bestieg .Herr Dr. Margolies aus Breslau, der dcsignirte Rabbiner der Gemeinde Newch-Scholanm, die Kanzel und feierte in beredten Worten dcn berühmten Todtcn, indem derselbe an dcn i (). Vers des 54. Capitels in Jeremiah anknüpfend die Verdienste des Entschlafenen um seine Glaubensgenossen, sein Vaterland und um die leidende Menschheit aller Nationen und Confessiouen vrics. Die tiefempfundenen Worte verfehlten nicht, einen nachhaltigen Eindruck ans die zahlreich Versammelten zu machen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Im Januar dieses Jahres fand in Wien der Sensationsprozeß Dr. Mandl gegen Pollak von Borkcnan statt. Erstcrcr hatte dcn Letzteren beschuldigt, in städtischen finanziellen Angelegenheiten zmn Nachtheile der Kommune Wien eigenmächtig Arrangements getroffen zu haben. Der Beschuldigte nannte den Ankläger einen Lügner. Dieser erhob nunmehr die Ehrcubcleidigungsklage, mußte sich aber die Freisprechung seines Gegners gefallen lassen und in Folge dessen sein mittlerweile bei den Neuwahlen wiedergewonnenes Mandat niederlegen. Nun wird Dr. Mandl, eine Säule des Wiener Antisemitismus, sich demnächst selbst als Angeklagter zu vcrthcidigen haben, da die Wiener Gasgcsellschaft die Ehrcnbcleidigungsklage gegen ihn angestrengt hat. Der Prozeß wird sich voraussichtlich wieder zu einem hochsensationellcn gestalten. Prag. Der neue Erzbischof von Prag, Graf Schönborn, empfing den Obmann der Vertretung der böhmischen Landcs-Judcnschaft, Herrn Dr. Moritz Lichtenftcrn, in Audienz. Dieser ~ überreichte im Namen der Juden Böhmens eine Glückwunschadresse für den Erzbischof, welcher dafür dankte und unter Andcrm die Worte aussprach: Ich halte cs für eine Aufgabe des Bischofs, dcn religiösen Frieden zu fördern, und ich werde beflissen sein, in diesem Sinne zu wirken. Lemberg. Der Verein „Machsike Hadas" in Vertretung der galizischen orthodoxen Jndcnschaft hat in Angelegenheit der Sonntagsruhe folgende Eingabe an das Ministerium gemacht. Hohes k. k. Ministerium! Der Verein „Machsike Hadas" dessen Tendenz es ist, das wahre Judenthum zu verbreiten und alle Institutionen zu pflegen, welche auf die Veredlung der Juden einwirken, wagt es an ein hohes Ministerium, veranlaßt durch die Bestimmungen der Gewerbegesetznovelle vom 8. März 1885 folgende Petition zu überreichen. Das Grundmotiv der genannten Gewerbsgesetznovellc ist die physische und moralische Hebung des Arbeiters und als Mittel zur physischen und moralischen Hebung des Arbeiters wurde die Sonntagsruhe obligatorisch eingeführt. Der gefertigte Verein erkennt vollkommen die Hauptarbeit des Staates, die Arbeiter als die zahlreichsten der Bevölkerung zu schützen, an. Es wurde aber auch, trotzdem der jüdische Gewerbetreibende^ und Handwerker den Sabbat als Ruhetag hat, für die Juden die Sonntagsruhe obligatorisch eingeführt. Es kann aber unmöglich der Geist der Gewerbegesetznovelle sein, die Juden zu zwingen, entweder den Samstag zu entheiligen, nämlich zur Arbeit moralisch zu zwingen oder sie zur Arbeitslosigkeit am Samstag und Sonntag anzuhalten. Die Gewerbegesetznovclle ermächtigt die hohe Negierung in vielen Fällen Dispense imS Ausnahmen zu statuiren, eine solche Ausnahme ist für den jüdischen Arbeiter¬ und Gewerbestand unbedingt nothwendig. Wie es dem hohen Ministerium bekannt ist, sind die Zehn Gebote die Grundpfeiler, auf welchen unser Glauben basirt. Eines dieser Gebote befiehlt ausdrücklich an, daß der Jude sich am Sabbat jeder Arbeit enthalten soll, es hat dieses Gebot gleich der zitirten Gewerbegesetznovelle, einen social-ökonomischen Charakter, daß der Jude durch die Sabbatruhe sich physisch und moralisch erholt. Durch Schaffung der Gewerbegesetznovelle steht jetzt der Jude vor der Alternative, entweder er beobachte das vom Staate diktirte Gesetz oder das göttliche Gesetz. Wenn er beide, das staatliche und göttliche Gesetz befolgt, so wird er wirthschastlich ruinirt, da er zu einer zweitägigen ununterbrochenen Sonntagsruhe gezwungen wird, denn will er die wichtigste Vorschrift seiner Religion, als welche die