Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1885)
- Date
- 1885-08-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1182 # Genossen, durch Unterricht an die Schüler geschärft und gekräftigt hat, er wird die rechte Klärung seines Denkens, die Klarheit und Bestimmtheit des Urtheils erst dadurch erlangen, -wenn er vielfach um Rath angegangen wird, vielfach Rath zu ertheilen Gelegenheit findet mian nana nsy nana. lieber den Begriff gibt uns ebenfalls die heilige Schrift Aufschluß. Wir lesen (Hiob (5. 12, B. 12) mian Q’G’ -pw naan nweri „In den Alten ist Weisheit, und langes Leben bringt Einsicht." Es gibt in der hebräischen Sprache drei Ausdrücke für einen Alten: vtup ,atv ipi Das Wort ip? bezeichnet Jemanden, der durch Wissen und bevorzugte Stellung sich die Achtung erworben hat, die man dem Alter zu bezeigen schuldig ist. naan mp n? ,]p: ein Solcher kann sich auch in jugendlichem Lebensalter befinden, iw dagegen bezeichnet einen Menschen, der viele Jahre gelebt hat und den nur sein hohes Alter ehrwürdig macht. wyur aber, verstärkte Form von vr. „Wirkliches, Wesentliches (vergleiche ur anis), ist ein im hohen Lebensalter befindlicher Mann, der sein langes Leben dazu angewendet hat, Weisheit zu erlangen, und daher sagt die heilige Schrift: nran DW’^’a „in den Alten ist Weisheit." Die so angewandte Lebenszeit bringt nicht allein naan, sie verschafft auch mian, wie es heißt -pm m*.an ms*. Demnach ist mian eine höhere Stufe als naan. Während naan das theoretische Wissen bezeichnet, ist mian die praktische Anwendung desselben. naan ist, - um mit5tant zu reden, die reine Vernunft, während man die praktische Vernunft bezeichnet. Diese letztere wird nur auf dem Wege der Erfahrung erlangt, und daher sagt die heilige Schrift mian d'd» *pNi „und langes Leben lehrt, die Vernunft praktisch anzuwenden." Aber nicht das lange Leben allein, sondern die stete und wiederholte Anwendung der reinen Vernunft _ durch Nathertheilung an die Mitmenschen, gemäß dem Ausspruche Hillels: mian nane nsynann. Diese Weisheitslehre bildet den Gegensatz zu no» mna ronsty nnm ,d*d^d nana D’tw renn. Dieser Gegensatz tritt ins rechte Licht durch das Wort na? Unzucht. Auch es hängt mit am Denken, ne?a Klugheit zusammen. Das Letztere wird nur selten im guten Sinne (Vergleiche Mischleh C. ll, B. 21, daselbst C. 1, V. 4) gebraucht. Dagegen häufig im schlechten Sinne; so Mischleh C. 24, V. 8, wo Raschi niaia mit D'j?»n ray erklärt. Das böse Denken befördert die Leidenschaften, und die stärkste Leidenschaft ist die des geschlechtlichen Verlangens. Wer sich dem Wohlleben ergibt, nta»a mne, wer lediglich seine irdischen Güter zu mehren bestrebt ist, nana, wer die geschlechtlichen Triebe und Neigungen unablästig befriedigen will nnn #q\m nana ninat?, der wird seine geistigen und sittlichen Kräfte verderben, dem Aberglauben rraito nana verfallen, seinen Geist entwürdigen, so daß er nur auf Schlechtes und Böses sinnt, ne? nana. Wer aber statt dessen sich mit dem Gottesgeifte der Thora erfüllt nmn nana, seine Anlagen durch den Umgang mit den Weisen und durch den wisienschaftlichen Verkehr mit den Genossen nana ausbildet und die erlangten Wissensschätze als Berather seiner Mitmenschen nsy nana verwerthet, der gewinnt Lebe», wahrhaftes Leben Q"n nana, der^ erlangt Weisheit nean nana, der wird ein Wohlthäter der Menschheit durch die praktische Vernunft mian sann, die stets zu bewähren er die Gelegenheit sucht und findet. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Corresnondenzen. Deutschland. Schwabach (Bayern). Dem Necheuschaftsbericht über die eingelaufenen und verausgabten Gelder zur Errichtung einer Talmudschule in Schwabach von Rabbiner L. Wißmann und P. M. H. Wechsler daselbst pro 1884—85 entnehmen wir: Das erste und wie immer auch das schwerste Decenninm hat unsere Anstalt mit G. Hülfe nn» durchlebt. Mit nicht allzugroßcn Hoffnungen begann es für uns. Die damalige Krachära des Gründerthums war auch für unsere Gründung nicht günstig. Wir stellten uns laut unseres Programms die Aufgabe, das Studium der Thora mit dem Prosanunterricht in dem Sinne der Pirke-Aboth II, 2 zu vereinigen. Die Erwägung, daß in Deutschland fast keine einzige Anstalt existirte, welche für die ehemals auch bei uns in vielen Gegenden bestehenden Jeschiboth auch nur irgend welchen Ersatz bot, ließ in uns den Entschluß reife», jenes Programm aufzustellen. Mit G. H. gelang es uns, wenn auch mit geringen Mitteln die Anstalt ins Leben zu rufe», und zwischen 8—10 Schüler im Laufe eines jede» Jahres des verflossenen ersten Deceuniums programmmäßig äuszubildcn. Die meisten unserer Schüler brachten cs soweit, daß sie Gemara mit Poskim nnd Schulchau Arnch verstehen, und die andern, welche dieses Maaß nicht erreichten, frequentirten unsere Anstalt eine zu kurze Zeit hiezu. Im allgemeine» genießt deßhalb auch unsere Anstalt den Ruf, daß ihre Zöglinge im jüd. Wissen verhältnismäßig am weitesten kommen, und auch die religiöse Führung *