Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1885)
- Date
- 1885-08-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1166 hier eiilgeführt habe, hat sich stets der allgemeinen Thcilnahme zu erfreuen gehabt, auch die frommsten Familien haben sich nicht ausgeschlossen,^ daß der große Schulsaal die Theilnehmer kaum fanen konnte. Das Interesse ist so groß geworden, daß viele Gcmeindcmitglieder zur Freude der Kinder für die Verloosung, die ich von Zeit zu Zeit mit der Channka - Schulfeier verbinde, mir zahlreiche Geschenke übergeben, die ich dann als Gcwinngcgenstände mitverloosen ließ. — Wer will in diesem Verfahren eine Nachahmung der Wcihnachtsbescheerung erblicken? — I. Cornelius, Lehrer. Leipzig, 13. August. Wir haben einen Verlust erlitten, der uns auf's Tiefste ergreift, der in vielfacher Hinsicht ein scheinbar unersetzlicher ist. Herr Isaak Freimann ist am zweiten Tag des n"-i tut Alter von 62 Jahren in das besterc Leben eingegangen, zur selben Stunde des gleichen Tages wie im verflossenen Jahre sein verewigter Bruder Rabbiner Dr. Freimann in Oftrowo. Ein Mann ist uns entrissen, der erfüllt war von unserer heiligen Religion, von ihrem Glaubensmuthe, von ihrer Kampfcsstärke. Er war der unverzagte Streiter an der Spitze seiner religiösen Gesinnungsgenossen gegen die zersetzende Nenerungssncht und Abtrünnigkeit in unserer hiesigen Gemeinde. Die „Brodyer" Synagoge, eine Zufluchtsstätte der Andacht für die Getreuen des altüberlieferten Judenthums, hat er gefestigt und gehoben; dreißig Jahre lang war er hier byi und rten bjp. Er war es vorzüglich, der nicht gerastet und geruht hat, bis R. Simon Hurwitz '"j hierher kam, von der Gemeinde officiell angestellt und mit der Bewachung der gefammten nts'nty betraut wurde. Wie nachdrücklich und tapfer watidte er sich im vorigen Jahre gegen beit bekannten Beschluß unseres Vorstandes in der Begräbnißfrage; mit wie viel tiefem Wissen und Scharfsinn verfaßte er ein darauf bezügliches Gutachten! Denn er war ein großer und gründlicher Kenner unserer heiligen Lehre, jede freie Minute widtuete er ihrer Erforschung, bis tief in die Nacht hinein saß er in seinem traulichen Studirzimmer, von d-isd rings umgeben. Aber auch für spätere jüdische Literatur lebte in ihm das wärmste Interesse; so hat er aus einem Mannscript der Leipziger Bibliothek das -ied von K"n *q crro« edirt. . Häufig suchte ihn, seiner nmfassettden Kenntnisse wegen, Prof. Delitzsch auf, sich von ihm Belehrung zu holen. Mit größter Munificenz lieh er den Wissensdurstigen die schönsten Werke seines attch an Handschriften reichen Bücherschatzes. Nicht weniger hat er die dritte der drei Säulen, die jedes Denkmal überdauern, -an nö'vi, sich aufgcrichtet. Nicht nur soweit seine eigenen Kräfte reichtet!, war er stets und zu jeder Zeit hilfberekt, sondern auch unermüdlich und unbeirrt wirkte er in weiten Kreisen namentlich für unbemittelte Studenten aus Rußland,. die fast Alle in ihtn einen thatkräftigcn Freund verloren haben. Seit Jahren war er opferfreudig in der Ausübung dieser mso. Im persönlichen Umgang war er voll Liebenswürdigkeit und angenehmen Humors. Jeden empfing er ros' kr» m — Schwer hatte dieser seltene Mann mit dem Dasein zu kämpfen, um sich und seine zahlreiche Familie, die nur einen Sohn im Alter von 14—15 Jahren zählt, in der Achtung und dem Ansehen zu erhalten, die ihnen aus allen Kreisen gleichviel welcher religiösen Richtung entgcgcngebracht wurden. Er erlahmte nicht, es gelang ihm im vollsten Maße. Dies zeigte auch das große Trauergeleite, das aus Angehörigen jeder religiösen Meinung sich zusammengefunden hatte. Da Rabbi Simon Hurwitz gegenwärtig tut Bade weilt, so wurde dem tiefen und allgenteinett Schntcrze nicht Wort gegeben. n"2pn möge der trauernden Wittwe und ihren acht Kindern Trost und die Kraft des Ertragens verleihen. Die wahrhaftett Jchndim unserer Gemeinde aber mögen sich anfraffen und suchen die Lücke auszttfüllcn, die Gott gerissen hat, Er wird ihnen beistehen. n"3!an P a l ä st in a. Jerusalem. „Habazeleth" berichtet von fortwährender Einwanderung fremder Judett. Die meisten dcrselbett sind aus Rutnänien, die sich den Verfolgungen, welchen sie in ihrem Geburtslande ausgesetzt sind, entziehett wollett. HcrrW. Wiffotzki von Moskau, welcher von der „Ehowawe-Zion-Gesellschaft" nach Palästina geschickt worden ist, um über die Lage der in diesem Lande bestehenden Colonien zu berichten, hat seine Mission beendet. Vor seiner Abreise hat er einige unabhängige Männer mit der Ueberwachung der Kolonisten betraut. Einer dieser Herrett ist Herr R. Barnctt aus London, welcher einStückLand in der Petach Tikvah-Eolonie angetanst hat und sich daselbst ttiederlassen will. Asien. . Bagdad. Eine Entente brach vor einiger Zeit am Grabe des Propheten Ezechiel, in der Nähe von Bagdad, aus. Etwa 4000 Juden waren daselbst versammelt, als ztvischen einem Theil derselben und einer arabischen Frau ein Streit entstand.