Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-08-27 · Heft 68 (27.8.1885) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 68 (27.8.1885)
Date
1885-08-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449568--22800-2512438
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1165 nciiit, da die Versammlung und was iu ihr geschah, das Vorlcsen der Thora, nicht dcu Zweck der Andacht nnd Erbauung verfolgte, sondern dem Unterrichte diente. Die Erwägung, daß dieser Unterricht zu einem Gottesdienst nicht dadurch wurde, daß er mit Gebet eröffnet, weil Unterrichtsstunden mit Gebet eingeleitet zu werden pflegen, verstößt gegen das Gesetz nicht." Kempen, Posen, 21. August. Die drohende Wolke, welche über unserer Stadt geschwebt, hat sich zum Entsetzen aller Einwohner entladen, das Verhängniß, das ihr gedroht, hat sie ereilt. Vorgestern kam von der Regierung der sttenge Befehl, daß alle nicht naturalisirten Ausländer bis zum 1. Okt. die Stadt räumen sollten, widrigenfalls sie über die Grenze geschafft werden würden. Wie ein Lauffeuer durchdrang die Kunde hiervon die Stadt und rief unter den Bewohnern eine große Bestürzung hervor. Denn abgesehen davon, daß der Stadt und zumal der jüdischen Gemeinde durch den Ausweisungsbefehl ein nicht zu unterschätzender Schaden erwächst, da die Zahl der Ansgewiesenen sich aus 300 beläuft, von denen über 250 dem Judenthume angehören, und die meisten von ihnen ehrsame und tüchtige Handwerker sind, ist ailch das Unglück der Ausgewiesenen gradezu beklagenswerth. Was sollen die Armen jetzt beginnen? Ihr Heim, in dem sie sich häuslich niedergelassen, in dem manche schon 30 Jahre weilen, sollen sie nun verlassen und mit ihren zahlreichen Kindern nach einem fremden, unbekannten Lande ziehen? Werden sic sich dort ernähren können? Bejahrte Männer, die vielleicht standhaft geblieben, wenn ihnen der Tod ein theures Kleinod enttissen, mußten bei diesem über sie so plötzlich hereingebrochenen Unglück Thräneu vergießen. Ja, viele dieser Unglücklichen *), welche sich und ihre zahlreiche Familie in redlicher Arbeit mühevoll ernährten, haben nicht einmal die Mittel, um die Reise nach dem „fernen, unbekannten Lande" bcstteiten zu können. Und das Letzte, was sie noch besitzen, wird ihnen von den Gläubigern, welche für ihre Forderungen besorgt sind, in gradezu empörender Weise entrissen. Diese stürzen sich in die Wohnungen der Schuldner und entreißen ihnen die Hausgeräthe, die Kleider, die Handwcrkszeuge, ohne auf die Thränen der Unglücklichen zu achten. Ja, nur derjenige kann sich einen Begriff von dem Elend machen, der es mit eigenen Augen gesehen; es ist wirklich groß. Darnnl ergehet an Euch, Ihr edlen Menschenfreunde, *) Es gicbl unter ihnen Fawilicuvster aut 8—10 unversorgten Kindern. die Ihr bei jedem Unglücke lindernd cingreift, die Bitte, auch jetzt das Elend Eurer Glaubensgenossen, welche sehr brave und ehrsame Handwerker siud, zu lindern, indem Ihr die Unglücklichen mit'Geldmitteln unterstützet. Etwaige Spenden wollet Ihr gefälligst an die Adresse: S. 'Warschauer, Kempen. Posen, übersenden. Gott wird es Euch lohnen! Aus Wunsch werden die Namen der edlen Spender veröffentlicht. P. M. Notenburg a. 24. August. In Nr. 65 dieser gesch. Zeitung sicht von „Eassel" aus ein Artikel, der meinen Dortrag auf der Eschwegcr Lehrerconferenz bctr. Ehanuka-Schulfcicr bespricht. Dieser Artikel ist jedoch so gehalten, daß er leicht zu falschen Schlußfolgerungen ^Veranlassung geben kann, und um dies im Interesse der guten Sache möglichst zu verhindern, gestatten Sie mir wohl gütigst eine kurze Bemerkung. — Mein Vortrag, der weder Beifallsrufe noch Kopfnicken beanspruchte, sollte nur eine Anregung geben, daß in den jüdischen Gemeinden ein Ehanuka - Abend dazu verwendet werde, um einen Schulakt im Geiste und im Sinne des im Familienkreise gefeierten Ehanuka-Festes zu begehen. Ich dachte nicht, und bedauere cs sehr, daß man einen Vorschlag, der wohl überall Sympathie erweckt, so verdrehen würde, als ob ich die Ehannka-Schulfcier, nach den Worten des Correspondenteu zu schließen, aus der Familie in die Schule verlegen wollte. Ich habe in verschiedenen Blättern, vor längeren Jahren auch in einer orthodoxen Zeitung, für eine solche Ehannka-Schulfcier vlaidirt und vielseitig Zustimmung, aber nirgends Widerspruch gefunden. — Was ich aber in dem bctr. Artikel Ihres Easscler Eorrespondenten berichtigen möchte, ist Folgendes. Mein Bortrag enthielt nicht ein Wort von Bcschccrung oder Bertheilung von Geschenken. Es wurde nur, da eine Discussion überhaupt nicht weiter ftattfinden sollte, von einem Conferenzmitglicd die Befürchtung ausgesprochen, daß es, — wenn damit eine Berthcilung von Geschenken, besonders an ärmere Kinder, verbunden würde, was hin und wieder in anderen Orten geschehen sei, — leicht als eine Nachahmung der Weihnachtsbeschcerung angesehen werden könnte. Zu einer solchen Befürchtung gab aber mein Vortrag auch nicht die leiseste Veranlassung und ich betonte in meiner Erwiderung ganz besonders, daß ich in einer Gemeinde lebe, die sich noch zu dcu frommsten Gemeinden Hessens zählt, nnd in dieser Gemeinde habe meine seit zehn Jahren eingcführte Ehannka-Schulfcier eine derartige Befürchtung nie hervorgerufcn. Die Chanuka-Schnlfcier, wie ich sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.