Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1885)
- Date
- 1885-08-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1167 welcher durch die Betheiligung vou vielen Arabern zu einem regelmäßigen Kampfe ausartete. Glücklicherweise ist es den Führern der Gemeinde gelungen. den Frieden wieder herzustellen. Der Sultan hat den isr. Arzt Dr. Angel Effendi zum Oberst und zum Garnisonsarzt in Bagdad ernannt. A m e r i k a. In dem neuen und prächtigen jüdischen Waisen- Asyl in New-Orleans wird demnächst eine sinnige und in ihren Folgen wohlthätig wirkende Ginrichtung ins Leben gerufen werden. Man beabsichtigt nämlich mit demselben eine Art Ackerbancolonie zu verbinden und sind zu diesen! Zwecke bereits mehrere Gnmdstücke um das Gebäude angetanst worden. Jedem Waisenkind soll ein kleines Stück Land zur Bebauung angewiesen werden, deffen Ertrag zu Gunsten desselben bis zu seiner Entlassung aus der Anstalt verzinslich angelegt werden wird. Feuilleton. Ale Aonne. Erzählung von N. & e i 1 e r. I. Um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts waren die Niederlande bereits von Spanien abgefallen, während Brabant, das heutige Belgien, noch unter spanischer Herrschaft stand. Hierzu gehörte ein Streifen deutschen Landes, der nördlich von Aachen seinen Anfang nimmt und sich längs der belgischen und holländischen Grenze hinzieht. Das Städtchen Erkelenz gehörte noch zu den spanischen Niederlanden; aber schon hart an der Stadtmauer, nach Osten zu, begann das deutsche Gebiets Die für Spanien geltenden Gesetze hatten auch für die spanischen Niederlande Giltigkeit, und kein Jude durfte sich dort sehen lassen, ohne sich den größten Gefahren auszusetzen. Au einem schönen Sommertage des Jahres 1652 hielt ein Reisewagen anr Thore des Städtchens. Der Thorschreiber trat heraus, um, der damaligen Sitte gemäß, die Namen der Durchreisenden aufzuschreiben. In dem Wagen saß ein schönes Mädchen von etlva neunzehn Jahren. „Rosa Bonueheure aus Nancy", meldete der Kutscher. „Wohin?" ftagte der Thorschreiber. „Reist zu Verwandten nach Cleve." — „Kann passiren." — „Halt!" rief plötzlich eine tiefe Stimme. „Wenn ich nicht sehr irre, so ist das die einzige Tochter des reichen Steuerpächters Nachmann aus Cleve. Judendirne, wie kannst Du es wagen, in unser Land, in unsre Stadt zu kommen! Du bist dem Tode verfallen und wirst verbrannt werden!" — So rief ein Jesuitenpater, der gerade vorübergegangen und stehen geblieben war. Er war aus Cleve gebürtig und kannte die dortigen Juden. Das junge Mädchen war zu Tode erblaßt und vermochte nicht Antwort zu geben. Der Kutscher sprang vom Bocke herunter und rief: „Ehrwürdiger Vater, Ihr irrt Euch! Die innge Dame ist keine Jüdin." „Hans, Hans, lüge nicht!" sagte der Pater, mit dem Finger drohend. „Ich kenne Dich wohl, Du dienst schon viele Jahre als Kutscher bei dem Juden Nachmann!" Der Kutscher warf sich dem Pater zu Füßen und umklammerte dessen Knie. „Ehrwürdiger Vater," rief er, „ich bitte Euch, laßt uns ungehindert ziehen! Wenn Ihr aber Jemanden strafen wollt, so straft mich; denn ich allein bin der Schuldige. Meine Herrschaft hat mir auf das Strengste anbefohlen, das spanische Gebiet zu vermeiden. Ich aber wollte mir den großen Umweg ersparen. Schon auf der Hinreise nach Nancy, wo die Jungfrau ihre Großmutter, die alte Frau Bonueheure besucht hat, bin ich ungehindert durch Erkelenz gefahren, und nun dachte ich, es würde wieder gut gehen. Wie könnte ich meiner Herrschaft unter die Augen treten, wenn ich ihr die geliebte Tochter nicht wieder brächte!" Bei diesen Worten sing der Mann an, bitterlich zu weinen. Der Pater stieß ihn verächtlich mit dem Fuße fort. „Schweige," schrie er, „Du Knecht eines Inden, und sei froh, wenn wir Dich ungehindert ziehen lassen!" Unterdes; hatte sich eine große Menge Volkes gesammelt; auch der Büttel war herveigekommen, und der Pater befahl ihm, das zitternde Mädchen aus den; Wagen zu reißen und auf das RathhauS zu führen. Bald waren die Rathsherrn, au ihrer Spitze der regierende Bürgermeister versammelt, um das Urtheil über die Jüdin zu sprechen, die auf spanischem Gebiet war betroffen worden. Folterknechte mit ihren Marterwerkzeugen waren zugegen, um sofort die Tortur zu üben, wenn die Angeklagte es wagen sollte, das ihr zu Last gelegte Verbrechen zu leugnen. „Wie heißt Du?" fragte der gestrenge Herr Bürgermeister. „„Rosa,"" antwortete das zitternde Mädchen. „Du bist Jüdin?" Keine Antwort erfolgte. »