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Der Israelit · 1885-08-24 · Heft 67 (24.8.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 67 (24.8.1885)
Date
1885-08-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Beilage zu Ar. 67 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Zach au, 16. August. Am 2. Tag n"-i CSflnl fanb unter den jüdischen Bewohnern unseres Städtchens, wo noch Liebe und Ehrfurcht zu Gott und seinen heiligen Geboten herrscht, eine seltene Feier statt. Herr Jacobi Pleß und seine Gattin Lea spendeten der hiesigen Synagogengemeiude eine vorzüglich gefertigte neue Sefer-Thora, deren Einweihung heute stattfand. Von Nah' und Fern waren Freunde und Verwandte erschienen, unl an der Feier, die in herkömmlicher Weise unter großer Betheiligung der Gemeindemitglieder vor sich ging theilzunehmen. Bromberg. Bei der Jubiläumsfeier der Berliner Universität hat der stuä. Georg Klemperer, der Sohn des hiesigen Rabbiners, den ersten königl. Preis der medicinischen Facultät — große goldene Medaille mit dem Bilde Friedrich Wilhelm III. — erhalten. Königsberg, 14. August. Wie uns mitgetheilt wird, gehört zu den aus Preußen ausgewiesenen polnischen Unterthanen auch der erste Cantor der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Birnbaum. Derselbe "ist in Krakau geboren, kam aber schon als Kind in seinen ersten Lebensjahren nach Schlesien. Herr Birnbaum wandte sich an beit Negierungs¬ und dann an den Oberpräsidenten, hat aber auch durch des letzteren Befürwortung seines Gesuches bei dem Ministerium nichts weiter erlangen können, als höchstens einen Aufschub bis zum 1. April künftigen Jahres, an welchem er das Gebiet des preußischen Staates verlassen haben ninß, da auch eine Bitte um Naturalisation nach Erlaß des Ausweisnngsdecrets als verspätet zurückgewiesen, werden mußte. — Es ist nicht daran zu zweifeln, daß H. Birnbaum in einer außerpreuß. Großgemeinde eine Anstellung erhalten wird; bedauerlich ist's, daß eine so bedeutende cantorale Kraft unseren deutschen Gemeinden verloren geht. Oe st er r.- Ungar. Monarchie. Wien, 19. August. Montag den 17. d. fand im Tempel in der Leopoldstadt ein Trauergottesdienst zum Andenken an den verstorbenen Sir Moses Montesiore statt. Nachdem der Eanior Goldsteiu einige Psalme mit Chor rccilirt hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. Güdemann eine längere Rede, in der er init lvarmen Worten des großen Todten gedachte. Eitrige Psalmen bildeten den Abschluß der erhebenden Feier. Wien. Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Brimann-Justus gegen das Nrtheil des Landesgerichtes, womit er wegen Betruges, begangen durch Urkundenfälschung, zu zwei Monaten Kerkers verurtheilt wurde, verworfen und das Nrtheit bestätigt. Wien. Der Prozeß Bloch-Rohling gelangt irn November d. I. zur Verhandlung. Zu diesem Prozesse hat Herr Dr. August Wünsche, der auch persönlich als Sachverständiger in Wien erscheinen wird, im Vereine mit Herrn Prof. Nöldecke in Straßburg ein Gutachten abgegeben, das mehr als einhundert Foliobogen umfaßt. Lemberg. In Bezug auf die Sonntagsruhe können wir mittheileu, das; auch der Lemberger israelitische Cultusvorstand eine Eingabe an das hohe Ministerium gerichtet hat, deren Inhalt wir hier folgen lassen: Hohes k. k. Ministerium! Die Tendenz der im $. 75 der Gewerbegesetznovelle enthaltenen Bestimmung über die Souutagsruhe geht dahin, daß jedem gewerblichen Hilfsarbeiter ein obligatorischer Ruhetag in jeder Woche gewährleistet werde. Hiebei wurde aber ganz übersehen, daß für den jüdischen Gewerbsmann nach den Vorschriften seiner Religion die hier zu Lande ftreugstens^observirte Sabbatruhe geboten ist, welche am Freitag Nachmittags beginnt und am Samstag in später Abendstunde endet. Wenn der jüdische Gewerbsmann auch noch überdies von Sonntag 6 Uhr Morgens bis Montag Früh feiern und ruhen soll, dann werden ihm 60 Arbeitsstunden per Woche unwiderbringlich entzogen. Dies kann unmöglich vom Gesetzgeber beabsichtlgt worden sein und wäre für den jüdischen Gewerbsmann geradezu ein Todesstoß. Es ist leider notorisch, daß die Verarmung unter der zahlreiche» jüdischen Bevölkerung unseres Landes von Jahr zu Jahr mehr überhand nimmt. /

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