Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1885)
- Date
- 1885-08-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1152 — cs handelt sich einzig und allein um mich — Du hast mich immer für sehr brav, für fromm gehalten —" „Und halte Dich noch dafür," siel sie lächelnd ein. Er schüttelte heftig den Kopf. „Ich bin es nicht immer gewesen, diese letzten drei Tage —" „Das ist wahr," stimmte sie bei, „in diesen Tagen hast Du all zn oft ein Gebot übertreten, das uns befiehlt, unsere Gesundheit zu wahren." „Ach, das ist es nicht, das nicht —" „Nun, so sprich denn endlich deutlich, sei vernünftig, Kind, theile mir ohne weitere Umschweife mit, was Du, wie Du sagst, mir mittheilen mußt. Ich verspreche Dir im Vorhinein, mich über nichts zu betrüben. Magst Du auch gefehlt haben, fehlen ist menschlich, mein Vertrauen zu Dir ist dennoch unerschütterlich." „Dank," flüsterte er und neigte abermals sein Haupt an ihre Brust, und begann nun in leiser oft bebender Stimme seine Mittheilung. Es war gut, daß er das Antlitz der Mutter nicht sehen konnte, geisterhafte Blässe hatte es überzogen, als sie vernommen, daß er die Absicht gehabt hatte, am Sabbat zu arbeiten. Doch als er dann von seinen inneren Kämpfen, seinen Qualen sprach, da entglitt eine Thräne ihren Augen und fiel auf seine Hand. „Mama!" schrie er, sich hastig aufrichtend, „Du weinst um mich!" Doch er blickte in ihr mildes, freundliches, wenn auch thräncnüberfluthetes Angesicht und innig drückte sie sein Haupt an ihre Brust. „Mein armes Kind — es war eine I schwere, schwere Prüfung, Gott sei Dank, daß Du schließlich doch gesiegt — nun bist du gefeit sür's Leben." „Das bin ich," versetzte er leuchtenden Blickes. „Doch nun will ich mich rasch ankleiden und beten und dann zu Gebrüder Köhler. Ich werde mich ihnen zu Verfügung stellen, doch nur unter der Bedingung, daß ich am Sabbat frei habe. Im Augenblick, das heißt, so lange sie in Verlegenheit sind, werden sie vermnthlich darauf eingehen und inzwischen gelingt es mir doch vielleicht, eine andere Stellung zu erhalten. Ich glaube, ich habe die Sache bisher zu lässig betrieben; aber noch heute schreibe ich an unsere Verwandten in Berlin und Hamburg und an einen Bekannten in München und an einen anderen in Hannover, irgendwo wird es mir mit Gottes Hilfe doch vielleicht gelingen. Ich habe festes Vertrauen." Hugo's Vernluthung bestätigte sich. Die beiden Chefs des erwähnten Handlungshauscs machten zwar große Schwierigkeiten, die ihnen so unbillig erscheinende Forderung zu bewilligen; als sie jedoch sahen, daß der junge Mann ohne dieses nicht zu bewegen war bei ihnen einzutreten, gingen sie darauf ein, doch nur für die Dauer des Bedarfs. Hugo hatte cs nicht anders erwartet, und hatte an alle auswärtigen Verwandten und Freunde geschrieben, und sie dringend gebeten, sich für ihn zu bemühen; doch es ward unendlich schwer, einen entsprechenden Posten zu finden. Endlich gelang es einem seiner Bekannten, ihm in einem nahegelegenen Städtchen in einem Comptoir, das am Sabbat geschloffen war, einen Posten zu erumteln; doch der Gehalt betrug kaum die Hälfte dessen, den Gebrüder Köhler ihm zugesichert. Dennoch wollte er ohne Zögern darauf eingehen und begab sich zu seinen gegenwärtigen Chefs, ihnen Mittheilung davon zn machen. Doch, wie ward ihm, als die Herren ihm erklärten, sie wollten seine Arbeitskraft um keinen Preis missen und wenn es denn nicht anders sein könnte, wollten sie ihm auch für die Dauer Sabbat und Feiertage frei geben. „Der Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die drcigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Die Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Dannstadt. Eßlingen. Posen. Grätz. Myslowih.— Oesterr.-Ungar. Monarchie: 2 mal Wien. — Rumänien: Bacau.— Belgien: Brüssel. — Frankreich: Paris. — England: London. — Rußland: 2 inal Petersburg. — Türkei: 2 mal Konstantinopel. — Amerika: Springfield. — Feuilleton: Die Versuchung. Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Zachau. Bromberg. Königsberg. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Lmal Wien. Lemberg. Techau. Tabor. — Italien: Rom. — Rumänien: Bukarest. — Indien: Rongoon. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des »JSraelit* gr. Bleiche 45. Druck und Verlag von OScar Lehmann in Mainz. (Hierzu eine Beilage.)