Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1885)
- Date
- 1885-08-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1150 Juden zu mißfallen, denn sie dürfen laut seiner Instruction unter keiner Bedingung nach Rußland kommen, natürlich obgleich davon im russischen Gesetze keine Silbe steht. _ (Oest. Wchsch.) St. Petersburg. Graf Josef Tyszkiewicz hat den israelitischen Gemeinden in Polangen und Krottingen bei Gelegenheit der Feier seiner silbernen Hochzeit eine hoch zu veranschlagende Wohlthat erwiesen. Er hat ein Stipendium gestiftet, welches die Unterrichtskosten für acht arme israelitische Kinder zur Verfügung stellt. Diese Kinder haben die Kreisschule in Polangen zu besuchen, woselbst das alljährlich zu entrichtende Schulgeld vierzig Rubel beträgt. Dem Ortsrabbiner Rubinsohn ans Polangen ist das Recht verliehen, die Kinder auszuwählen und zu präsentiren. Die Stiftungs-Urkunde trifft selbst für den Fall der Aufhebung oder Umwandlung dieser Schule ihre Maßnahmen. Diese Stiftung bestätigt aufs Reue den humanen Sinn des Mannes. T ü r k e i. Constantinopel, 11. Juli. Der Moniteur di Koma veröffentlicht einen größeren Aufsatz über Smyrna in Kleinasicn. Wir entnehmen demseben, daß dieser Ort nächst Constantinopel der größte im türkischen Reiche ist, sowohl in Bezug auf Einwohnerzahl, wie Schönheit und Handel. Die Einwohnerzahl ist seit dem Jahre 1880 auf mehr als das Sechsfache (von 30.000 auf 200.000) gestiegen und zählt 100.000 Christen, 50.000 Mohammedaner, 15.000 (nach einigen 20.000) Juden 2t. lieber unsere Glaubensgenossen spricht sich der genannte Artikel folgendermaßen aus: „Die Israeliten zeichnen sich sowohl in physischer wie ethischer Beziehung aus; ihre Hauptbeschäftigung ist der Handel, aber cs gibt auch Handwerker, jedoch nur solcher Gewerke, die keine übergroße körperliche Anstrengung erheischen. Es herrscht unter ihnen eine größere Einheit und Solidarität als unter den übrigen Confessionen; den im Orient so verbreiteten Bettel auf öffentlicher Straße findet man bei ihnen nicht; sie find eine sehr friedliche Bevölkerung, weshalb sie auch bei der Behörde wohlgelitten sind." Konftantinopel, 15. August. Zwischen den Vereinigten Staaten von Nordamerika und der Pforte schwebt gegenwärtig eine diplomatische Differenz, deren Beilegung bisher noch nicht gelungen ist. Der Gouverneur von Jerusalem hat nämlich vor Kurzem von dort mehrere amerikanische Juden auf Grund der seinerzeit erlassenen Verordnung, welche die Niederlassung ausländischer Juden im ganzen Reiche, mit alleiniger Ausnahme Jerusalems gestattet, ansgcwiescn, und die Pforte, bei welcher der amerikanische Gesandte. Mr. Cox, dieserhalb protestirte, hält diese Maßregel aufrecht. Mr. Cox macht jedoch geltend, daß die Regierung der Vereinigten Staaten die Rcchtsverbindlichkeit der erwähnten Verordnung nicht anzuerkennen vermöge, weil dieselbe sich im Widerspruche zu ihrer mit der Türkei abgeschlossenen Konvention befinde, kraft deren allen ihren Bürgern ein absolutes Niederlaffungsrecht in der Türkei zugesichert worden ist, und gab die formelle Erklärung ab, daß die Vereinigten Staaten niemals zugeben würden, daß ein amerikanischer Unterthan wegen seiner Religion aus Jerusalem ausgewiesen werden könne. Amerika. Springfield (Ohio), 3. August. Heute bin ich in der Lage, Ihnen eine aus „dem freien Lande" seltene, aber für das orthodoxe Judenthum um so erfreulichere Thatsache zu melden. Es haben hier sechszehu Jehudim sich zu einer Gemeinde constituirt, deren Grundlage stricte nret? i2"", ra» ist. — Es kann blos Derjenige Mitglied werden, der sich verpflichtet b'u ras? zu respectiren! Für alle Gemeindcbedürfnisse ist gesorgt. Daß wir topn jirua haben, braucht nicht erst gesagt zu werden. — Schabbos Nachmittag wird vom Unterzeichneten p->s, sowie ans non nso vorgetragen. — Die Gemeinde hat sich den in diesem Lande meines Erachtens noch nicht vorhandenen Name new #-on beigelegt. Möge Gottes Segen auf ihr ruhen und sie viele Anhänger und Nachahmer finden: D. Greenbaum. Feuilleton. Are Versuchung. Von Friedrich Rott. VII. Wie Schuppen siel es Ujm plötzlich von den Augen. Er hatte gewähnt, am Sabbat arbeiten zu müssen, um den Eltern Brod zu schaffen, dem kränkelnden Vater die so nothwendige Pflege — und hätte doch gewärttgen müssen, daß die furchtbare Thatsache, daß sein Sohn den Sabbat entweiht, den schwachen Lebensfaden des Kränkelnden jäh zeriffen. — Und seine Mutter, deren Glaubensmuth, deren unerschütterliches Gottvertrauen er in