Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1885)
- Date
- 1885-08-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1148 dermaßen, daß er ohnmächtig, blutüberströmt und mit gebrochener Hand am Platze blieb. Der Zustand des Mißhandelten war ein derartiger, daß der Jnstruktionsrichter ihn in den Wagen legen und ihn persönlich nach Bacau fahren mußte. Die sofort cingeleitcte Untersuchung konnte trotz der Bemühungen des Untersuchungsrichters zu keinem Resultate führen, da der Fabriksleiter in Abwesenheit des Herrn Porumbaru die Auslieferung der schuldtragenden Arbeiter verweigerte. Solchen Vorfällen gegenüber ist cs wirklich unbegreiflich, daß man noch immer zögert, in dieser Fabrik endlich einmal Ordnung zu schaffen. Ist denn die Bacauer Papierfabrik außer dem Gesetze oder fürchtet sich die Polizei, dem Henker von Bacau das Handwerk zu legen? (Bnk. Fr. Pr.) Belgien. Brüssel, im August. Am 17. v. M. wurde hier die alljährliche Proceffion zu Ehren der „Wunder des heiligen Sacrameutes" abgehalten, welches Geschchniß durch diese geistliche Handlung den katholischen Gläubigen stets aufs Neue ins Gedächtniß gerufen werden soll. Im Jahre 1369 soll, so erzählen die Chroniken, ein reicher Jude, Jonathan aus Enghien, den zum Ehristenthume übergetretenen Jan van Leuven verleitet haben, ihm für sechzig Goldgulden eine Anzahl geweihter Hostien zu besorgen, dadurch würde ihm auch zugleich Vergebung für seinen Rcligionswechsel werden. In einer Octobernacht drang Jan van Leiwen in die Capelle der heiligen Katharina, entwendete daselbst ein Ciborium mit einer großen und fünfzehn kleinen Hostien und brachte Alles dem Jonathan. Als dieser etwa 14 Tage später mit seinen Söhnen in seinem Garten spazieren ging, traten einige Männer ein, welche, ohne ein Wort zu sprechen, über ihn herfielen und ihn ermordeten. Seine Wittwe überlegte nun mit ihren Söhnen, was sie mit den Hostien beginnen sollten, und sie beschlossen, dieselben in die Synagoge zu schaffen, was auch am 4. April 1370 geschah. Dort wollte man gelegentlich des Passahfestes die Heiligkeit der Hostien untersuchen und legte die 16 Oblaten auf den Tisch, um sie zu zerschneiden; aber, o Schrecken, bei jedem Schnitte floß Blut. Die Juden waren nun sehr in Angst, was sie mit dem Ciborium beginnen sollten, cs zu behalten, war nicht weniger gefährlich, als es zurückzugeben, und so wurde denn beschlossen, es durch eine vertraute Persönlichkeit an die Glaubensgenossen in Cöln bringen zu lassen. Die getaufte Jüdin Katharina erklärte sich für zwanzig Goldstücke dazu bereit; doch kaum hatte sic die Hostien empfangen, als sie sie ihrem Beichtvater Van der Eende brachte. Die Juden wurden gefangen gesetzt, gefoltert und zum Tode verurtheilt. Am 22. Mai wurden sie aus einem Karren durch die Stadt gefahren, auf dem großen Markte vor der Katharinenkirche wurde ihnen mit glshrnden Zangen das Fleisch vom Leibe gerissen, und auf dem Wollendriesplatze wurden sie lebendig verbrannt. Die Hostien wurden zwischen die St. Gudula- und Katharinenkirche vertheilt; obwohl sorgfältig bewacht, sind von den sechzehn nur noch drei Stück übrig. Die ganze Geschichte ist auf den Fenstern der Kirche abgcbildet. Zugleich wurden alle Juden für ewig ans dem Lande vertrieben und ihr Vermögen mit Beschlag belegt. Daß diese Verbannung nicht allzu lange gedauert habe, beweist die Thatsachc, daß im Jahre 1449 mehr als fünfhundert Juden unter der Beschuldigung, die Brunnen vergiftet zu haben, hingerichtet wurden. Von diesem Zeitpunkte an wurde der Tag der Tödtnug der Juden regelmäßig gefeiert, bis im Jahre 1529 eine aus England eingeschleppte Krankheit, die Schweißplage, Tausende von Menschen dahinraffte. Nachdem die Plage 1530 gewichen, verordnete Margarethe von Oesterreich aus Dankbarkeit gegen die Vorsehung für das rasche Auf- Hören der Seuche, daß jährlich juit Sonntage nach ihrem Namcnsfcste eine Procession zu Ehren der „Wunder des heiligen Sacramcnts" abgehalten werden solle; ein Bischof solle dabei anwesend sein. Obgleich nun bereits im Jahre 1580 eine Proclamation des Magistrats von Brüffel erschien, „daß es sich aus das Entschiedenste ergeben habe, daß die angebeteten Stücke der Hostien nie geblutet hätten, daß sie nicht durchstochen, ja nicht einmal durch Eisen berührt worden seien, daß deshalb die ihnen ^geschriebenen Wunder nicht geschehen seien," hielt die Geistlichkeit doch den Glanben an die Wunder- Hostien und dadurch auch den Haß gegen die Juden bis aus den heutige» Tag lebendig. Im Jahre 1820 wurde der vierhundertfünszigste Jahrestag feierlich begangen und 1870 das sünfhundertjährige Jubiläum pomphaft gefeiert. In dem „N. N. C.", dem ich diese Darstellung zun» großen Theile entnommen, wird darauf aufmerksam gemacht, daß der Erzbischof von Mecheln, Msgr. Goosscns, der diesjährigen Proceffion zur Verherrlichung eines der Gräuel des Mittelalters in großem Ornat beigewohnt und dabei eine Messe celebn'rt, daß dieser Kircheufürft aber zwei Tage später bei dem "I?« Deum zur Feier der fünfuudzwauzigjährigen Regierung unseres Königs durch Abwesenheit geglänzt habe.