Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1885)
- Date
- 1885-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449567--22781-2512418- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1147 Posen. Die Ausweisungen waren bisher vorzugsweise in Westpreußen erfolgt; in der Provinz-Posen, wo stets, schon seit Jahren, regelmäßig lästig gewordene Ausländer, besonders aus Russisch- Polen, über die Landcsgrcnzc gewiesen worden waren, wurden im Laufe d. I. bisher die Ausweisungen nicht in besonders großem Maße vorgenommen. Das scheint sich aber jetzt zu ändern; die Ausweisungen scheinen auch dort einen bedeutend größeren Umfang anzunchmen. Der „Knrycr Pozn." gibt jetzt an, daß an 80 Personen ans dem Kreise Samter die Aufforderung erhalten haben, die preußischen Lande zu verlassen. Das Blatt spricht die Befürchtung aus, daß noch weitere zahlreiche Ausweisungen aus der Provinz Posen erfolgen werden. Griitz, Provinz Posen, 17. August. Auch hier wurde gestern zu Ehren des verstorbenen Sir Moses Montesiore in der zahlreich besuchten Synagoge ein feierlicher Gott sdienst abgchaltcn. Nach dem .imv-Gebete recitirte der Cautor Sinai den 90. Psalm, hierauf bestieg der Rabbiner Dr. Friedmann die Kanzel und hielt in gewohnter Meisterschaft eine tief ergreifende und begeisternde Rede, worin er Sir Moses als Hort der Gerechtigkeit, als Muster der Nächstenliebe und als erhabenes Beispiel echter Gottesfurcht schilderte. Nach der Predigt trug der Cautor das D’cm ^-Gcbet seelenvoll vor, womit die würdige Feier endigte. B e n A m i t i. Myslorvitz, 10. August. In der letzten Sitzung der hiesigen Stadtverordncten-Bcrsammlung wurde die Auflösung der hiesigen Simnltanschule beschloffen und nach vorhergcgaugeuen gegenseitigen Zugeständnissen unter den verschiedenen Parteien die Neuanstellung von 4 Lehrern (2 katholische, l evangelischer und 1 jüdischer) beschlossen. Die katholische Schule wird fernerhin 1046 Schüler mit 13 Lehrern, die evangelische Schule 171 mit 3 Lehrern und die jüdische Schule 96 Schüler mit ebenfalls 3 Lehrern zählen. O e st e r r.- Ungar. Monarchie. Wien. Antisemiten aus Ucberzeugung gibt cs wenige. Es mag wohl manchen Nichtjnden geben, den das Schicksal mit einem schlechten Juden in Verbindung brachte und der dann kurzsichtig genug ist, alle Juden nach diesen! einen Muster zu bcurtheilen. Die meisten Antisemiten jedoch betreiben den Judenhaß aus Eigennutz und zu bekannten Nebenzwecken. Der Eine hat sich auf so manchem Gebiete der Oeffeutlichkeit blamirt und glaubt, seine verblaßte Popularität als Antisemit auffrischen zu können; der Andere gibt sich als Beschützer und Wohlthätcr der armen Christen gegen „die übcrhandnchmcndc Vcrjudung" aus, um Vertrauen zu erwecken und sich an den für arme Christen bestimmten Wohlthätigkcits-Spcndcn zu bereichern (Bcrhovay); ein Dritter ist Antisemit aus dem einzigen Grunde, weil er dabei — wie man sagt — „ein Geschäft macht". Einen solchen Antisemiten wollen wir heute unfern Lesern vorführen. Bor Jahren kam ein christlicher Student zu dem damaligen Obcrkantor der Wiener israelitischen Cultusgemciude, Herrn Professor Salomon Snlzer mit der Bitte um Unterstützung, damit er sein Studium fortsctzcu könne. Herr Snlzer stand deinsclben nach Kräften bei, unterstützte ihn jahrelang nicht nur selbst, sondern verwendete sich auch für ihn bei mehreren reichen und angesehenen Juden. Dank diesem edlen Eingreifen des greisen Snlzer, ist cs dem erwähnten Studenten gelungen, sein Studium zu vollenden und den Doktortitcl zu erlangen. Und wie vergalt der neue Doktor den Juden ihre Wohlthatcn? Er wurde Herausgeber „des österr. Bolksfrcund", eines antisemitischen Blattes schlimmster Sorte, welcher in seinem fanatischen Judcnhasse so weit ging, die Verantwortlichkeit für den an einem Polizcibcamtcn in Florisdorf verübten Mord dem Rcichsrathsabgcordncten Rabbiner Dr. Bloch in die Schuhe zu schieben. Der Name dieses dankbaren!! Antisemiten ist Dr. Psenner; ob wohl dieser Antisemit aus Ucbcrzcugung ist? Das zu behaupten, wird er wohl selbst nicht den traurigen Muth haben. Wie». Der bisherige Dempcl der hiesigen, türkisch-jüdischen Gemeinde wird niedergerissen und an dessen Stelle ein Prachtbau anfgcführt. Um dieses Unternehmen, sowie um noch andere neu ins Leben gerufene Einrichtungen in dieser Gemeinde hat sich insbesondere der Präses Herr Marcus Russo verdient gemacht. R u in ä n i e n. Aus Bacan trifft die Nachricht über einen neuen Scandal ein, der diescsmal in Abwesenheit des Herrn Porumbaru in Scene gesetzt wurde, welcher aber gleichwohl deutlich beweist, wie tief der Geist des Meisters bei seinen Bediensteten Wurzel gefaßt hat. Der Jnstructionsrichter Herr Dazlaoanu begab sich mit seiner Frau in die Fabrik hinaus, um dort zu baden und benützte zur Fahrt einen jüdischen Birjar. Während Herr Dazlaoanu badete, stürzten sich mehrere Arbeiter der Fabrik (Italiener) auf den armen Birjar und maltraitirten denselben