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Der Israelit · 1885-08-24 · Heft 67 (24.8.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 67 (24.8.1885)
Date
1885-08-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1146 mäßig kurzen Epoche ihres Lebens so Großes leisten, daß es auf Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinaus wohlthätig weiter wirkt. Stoch kn anderer Weise können wir zwischen Leben und Leben unterscheiden. Ein Leben^ voller Augst und Schmerzen, voller Noth und Kümmernisse ist kein Leben. So heißt es auch (l. V. M. C. 47. V. 28): „Und cs lebte Jakob im Lande Mizrajim 17 Jahre." Das waren Jahre des Lebens. Als er in Kummer um den verlorenen Sohn in die Grube zu fahren dachte, war sein Dasein nicht werth Leben genannt zu werden. — Es gehörNckso zum wirklichen Leben einerseits eine nützlichere Thätigkeit und andererseits ein friedvolles Dasein und freudige Zufriedenheit des Herzens. Beides verleiht die Beschäftigung mit der Gotteslehre. Es gibt kein schönere und bessere und nützliche Tätigkeit als die, sich mit der Lehre unseres Gottes bekannt zu machen, zu lernen,. was wir thun und was wir lassen sollen, das Herz zu läutern von allen Schlacken, den Charakter zu festigen, den Geist zu erheben zum Gotte des Weltalls, einzudringen in die Räthsel der Weltlenkung, zu lernen, das Gute zu lieben und das Böse zu verabscheuen. Eine solche Thätigkeit gewährt uns selbst, unseren Mitmenschen, unfern Nachkommen das Höchste und Beste. Selbst bei Leiden und Kümmernissen raubt sie dem Schmerze seinen Stachel, den Gefahren ihren Schrecken. Sie lehrt uns, Gott kennen, Seine Liebe und Güte preisen; sie lehrt uns Ergebenheit in den Willen des Allgütigen, sie gewährt uns die höchsten Freuden, lehrt uns den Tand und die Eitelkeit der sinnlichen Genüsse verachten und gern entbehren. Durch das Alles wird unser Leben erst zu einem wahrhaften, wirklichen Leben, wird jede Stunde desselben gleichsam erst gewonnen. Daher sagt Hillel mit Recht: D"n nmo mm nzno. „Wer das Thorastudium mehrt, mehrt das Leben." Es ist dies der Gegensatz zu dem Anfänge unsrer Mischna: nm nmo im nno. „Wer die sinnlichen Genüsse mehrt, der arbeitet nur für Wurm und Made." Vergänglich sind die sinnlichen Freuden; sie gewähren Vergnügen im Augenblicke des Genusses, sind aber nachtheilig in ihren Folgen. Die Freuden aber, die das Studium der Gotteslehre gewährt, sind bleibend, dauernd. Sie veredle« das Herz, erweitern das geistige Können, verleihen dem Körper Gesundheit und Kraft, machen unser Leben zu einem wahrhaften, immerwährenden Genüsse und vermehren die Zahl unsrer Jahre. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmftadt, 16. August. Unter Bezugnahme auf den in einer der jüngsten Nummern des „Israelit" erschienenen Artikel über den Verein '„Schomre Sabbat" begrüße auch ich init Freuden die Constituirung desselben und hege von ihm die Erwartung, daß er, was dem Judenthum noth thut, eine größere Einigung erzielen wird. Darüber aber daß in Süddeutschland, wo die Orthodoxie stärker vertreten ist als im Osten Deutschlands, und wo sehr viele streng religiöse Kaufleute wohnen, noch nicht ein derartiger Verein besteht, habe ich schon Viele ihre Verwunderung aussprechen hören. Der Mange! an einer solcher Institution hat sich schon öfter fühlbar gemacht, indem es meines Wissens vorgekommen, daß manch' junger Mann, der in seiner Jugend eine religiöse Erziehung genossen, sich gezwungen glaubte, um nicht stellenlos zu sein, in ein am Samstag offensteheudes Geschäft einzutreteu. — Ich bin fest überzeugt, daß kein junger Mann, dem es darum zu thun ist, sich am Sabbat von allen Arbeiten fernzuhalten, die geringen Kosten scheuen wird, sich an diesen Verein zu wenden, wenn er sich nach einer andern Stelle umsieht. Selbstverständlich wäre es Pflicht eines jeden orthodox lebenden Kaufmanns, Mitglied dieses Vereins zu werden und seine ev. Vacanzen regelmäßig bei bcmiclbeu anzumelden. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß diese Anregung dazu beitragen wird, dieses Project zu realisiren, und ersuche alle, denen es in der That um das Wohl des Judenthums ernst ist, alle ihre Kräfte anzustrengen, damit die Constituirung eines solchen Vereins in Süddeutschland baldigst erfolgen kann. N. I». Eßlingen. Dem 54. Jahresbericht der israelitischen Waiscnanstalt „Wilhelmspftege" in Eßlingen pro 1. Juni 1884 bis 1. April 1885 entnehmen wir: Die Anstalt empfing an Stiftungen zum Grundstück 3308 M., an jährlichen Beiträgen 1669 M., an Spenden 5596 M., darunter 175 M. von König Karl. Die Gesammteinnahmen betrugen 29,147 M., die Ausgaben 17,521 M. Das Grundstocksvermögen hat um 7006 M. zugenommen und beträgt jetzt ohne Gebäulichkeiten 235,666 M., worunter 20,263 M. Vermögen der Fortbildungsschule und 8032 M. der Adolf Levi-Stiftung' enthalten sind. Die Anstalt verpflegte 38 Zöglinge.

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