Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1885)
- Date
- 1885-08-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1134 einige Kultusbeamte von oberschlesischen Synagogcngeineinde» betroffen, und da bei dieser Gelegenheit sich heransstellte, daß die vorgeschriebene Genehmigung nicht nachgesucht war, so sind gerichtliche Geldstrafen über die Vorstandsmitglieder und die ohne ministerielle Genehmigung angcstelltcn Kultnsbcamten verhängt worden. Das Gesuch um nachträgliche Naturalisation wurde abschlägig beschiedcn. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. Bistriz (Sübenbürgen) 6. August. In dem benachbarten von nur wenigen Inden bewohnten Orte Lech niy brach kürzlich ein Brand ans, dem mehrere christliche Häuser zum Opfer gefallen sind. Ohne hierzu aufgefordert zu werden, veranstalteten die wenigen Juden sofort eine bedeutende Geldsammlnng und erlegten den gesammelten Betrag zu Gunsten der abgebrannten Christen beim Ortsrichter, der ihnen im Namen der Verunglückten und in dem der Ortsbehörde dankte. Czernowih. Endlich hat sich das Justiz- Ministerium aufgeraffr und den ersten Juden zum Raths - Secretär ernannt. Der Glückliche, dessen Collegen schon längst Bezirksrichter und Landesgerichtsräthe sind, ist der tüchtige Landesgerichtsadjimct in Czernowitz, Dr. Bernhard Barber. Vivat sequens! 9t u nt ä n i e n. Bukarest, 12. August. In Folge der hier eingetroffenen Nachricht, daß eine Deputation englischer Israeliten sich zu Lord Salisbury begeben und bei demselben um die Intervention der Signatarmächte zu Gunsten der verfolgten Israeliten in Rumänien angesucht habe, ist die seit längerer Zeit schlummernde Judenfrage wieder aufs Tauet gebracht worden, und mehrere pnblicistische Organe haben sich in Anbetracht der stoffarmen Zeit dieses ergiebigen Themas bemächtigt. Besonderen Lärm hat ein beispielloser Hetzartikel des Telegraful gemacht. Die wesentlichsten Stellen des Brand-Artikels dieses regierungsfreundlichen Blattes lauten folgendermaßen : „Unser Vaterland Ruuiänien ist in Gefahr! Ein Hochverrath wurde inmitten der Bevölkerung begangen. Die Verräther conspiriren am Hellen Tage, sie gehen frei umher, und die Justiz regt sich nicht, die Thore der Gefängnisse öffnen sich nicht, um die Elenden zu verschlingen. Unserer Regierung steht ein specielles Gesetz zur Verfügung, welches ihr das Recht verleiht, ohne weitere gerichtliche Procedur und nur auf Grund eines Ministerraths-Beschlusses diejenigen Fremden auszuweisen, welche gegen die Sicherheit des Staates conspiriren. Es ist ferner der Negierung nicht unbekannt, daß in nnserm Strafgesetzbnche ein besonderer Artikel für Hochverrath signrirt, welcher dahin lautet, daß derjenige, welcher die Intervention einer fremden Macht gegen Rumänien anruft, mit fünf- bis zehnjähriger Zwangsarbeit zu bestrafen sei. Was thut die Regierung, was thut die Justiz angesichts dieser Gesetze, welche ein Einschreiten fordern? Es ist unvermeidlich, daß die Regierung bei solchen Anlässen die größte Strenge walten lape. Als gute Patrioten wünschen wir nicht, daß Rumänien zum Schauplätze barbarischer Scenen werde, wie dies in Rußland und Ungarn der Fall war, daß in den Straßen das Blut unschuldig gemordeter Inden fließe. Allein wer bürgt uns dafür, daß nicht eines Tages in Folge der Verräthereien einiger Elenden die Geduld des Volkes reißt — und schrecklich in seiner Wuth — der Judcnfrage einfür allemal ein Ende macht? Was jedoch die fremden Mächte betrifft, die es wagen sollten, sich in unsere inneren Angelegenheiten einznmengen, uns zwingeil zu wollen, daß wir den Juden das 9techt ertheilcu, Grundeigenthum zu erwerben, um den rumänischen Landmann auszusaugen, so kann diesen Mächten Folgendes entgegeugehalten werden: „In dem Augenblicke, als eine derselben es wageli sollte, in dieser Rücksicht einen Zwang auf uns auszuüben, wird eine gräßliche Metzelei den Boden Rumäniens beflecke». Die Fremden mögen nicht vergessen, daß Rumänien ein kleines Land ist, daß jedoch dessen Söhne für ihre Unabhängigkeit zu sterben wissen." Eine andere gewichtige Stimme, welche sich bei derselben Gelegenheit über die Judenfrage vernehmen ließ, ist die des Herrn Demeter Bratiano (Bruder des Minister-Präsidenten), welcher in dem von ihm herausgegebenen Blatte Natinnea Folgendes schreibt: „Die Agcnce Havas bringt eine Depesche vom 7. August, welche folgendermaßen lautet: „Lord Salisbury empfing heute eine jüdische Deputation, welche gekommen war, um die Intervention der Signatarmächte des Berliner Vertrages zu verlangen, um den Verfolgungen ein Ende zu machen, welche die Juden in Rumänien zu erdulden haben." Dieser Schritt der Juden ist an und für sich von geringem Werthe und verdient nicht einmal erwähnt zu werden. Wenn es den Inden Spaß macht, sich beim Lord Salisbury zu beklagen, und dem Herrn Salisbury angenehm ist, das Wehklagen der Inden anzuhören, so wünschen wir beiden Theilen eine öftere Wiederholung dieses unschuldigen, aber auch unnützen Vergnügens. In der Thal sind