Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1885)
- Date
- 1885-08-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1135 heute, wenn von Verfolgungen gesprochen werden kann, nicht die Juden, sondern die Rumänen von einigen jüdischen Gutsbesitzern verfolgt. Damit Lord Salisbury etwas thne, um den Juden das Lamcntireu zu ersparen, müßte er die Macht haben, sic am Schreien zu verhindern, nicht nur wenn sic geschlagen werden, sondern wenn sic Andere schlagen, oder sie aus Rumänien zu vertreiben. Wie wir bereits gesagt haben, bedeutet der erwähnte Schritt der Juden an sich selbst gar nichts. Wohl aber sind die Bestrebungen derjenigen ernst zu nehmen, welche die Juden in London in Bewegung gesetzt haben, da in jedem Falle die ungerechten Anklagen derselben die Juden in Rumänien noch verhaßter machen werden. Da cs den Juden des Landes nicht gelingen kann, jenen von London zu verstehen zu geben, daß sie von einer feindlichen Hand mystificirt und vorwärts getrieben werden, so haben dieselben nach unserm Dafürhalten die Pflicht und das Recht, gegen die dem englischen Premier-Minister vorgctragenen unbegründeten Beschuldigungen in formeller und kategorischer Weise zu protestircn, und alle Welt wird ihnen Glauben schenken. Denn die rumänischen Juden müpen natürlich besser wißen, was im Lande Rumänien vorgcht, und für ihre Interessen mehr Sorge tragen, als die Londoner Philantropcn. Ich hoffe, daß Niemand an der Aufrichtigkeit der Meinung zweifeln wird, die ich mir erlaube kundzngcben. Ich bin weder so enterbt von der Natur, noch so unwissend, um beschuldigt werden zu können, diejenigen zu hassen, die nicht von meiner Race und Religion sind. Ich.empfinde Mitleid mit dem, der leidet, und fühle mich glücklich, ihm eine hilfreiche Hand zu leihen, ohne zu fragen, wer er ist und woher er kommt." Italien. Rom, 2. August. Die Königin Margarita soll, wie vielfach erzählt wird, einen besonderen Hang für hebräische Studien haben. Im August jeden Jahres weilt sie einige Tage in Venedig. Da unterläßt sie cs nie, den Gemeindcrabbiucr zur Audienz zu befehlen und mit ihm jüd. Angelegenheiten zu besprechen, für die sie sich lebhaft interessirt. Dabei überreicht der Rabbi den Jahresbericht des jüd. Hospitals, dem die Herrscherin eine treue Gönnerin ist. Neapel, 8. August. Vor einigen Wochen verschwand spurlos die junge Tochter unseres Oberrabbiners de Benedetto. Nach einigen Tagen verbreitete sich das Gericht, die junge Dame sei von Mönchen nach Tunis gebracht worden, woselbst sie zum Christcnthum überzugehen beabsichtige. Alle Nachforschungen der trostlosen Eltern und der Behörden nach..der Verlorenen waren jedoch umsonst. In der vorigen Woche wurde man nun auf einegroße Cistcrne bei Neapel aufmerksam, weil ans derselben ein entsetzlicher Geruch sich entwickelte, der von Tag zu Tag lästiger wurde. Endlich schritt man zur Untersuchung und fand auf dem Boden des Reservoirs den Leichnam der Vermißten im Zustande vollkommener Verwesung. Es soll sich nun heransgestcllt haben, daß die Dame einen Hang zur Schwermuth hatte, und daß sie sich selbst in die Cistcrne gestürzt, deren Tiefe 50 Meter beträgt. Die Höhe des Falles hatte wohl den sofortigen Tod herbesgeführt. England. Ramsgate. Die Verwaltung der Stiftungen des verstorbenen Sir Moses Montefiore zu Gunsten der hiesigen Synagoge, des Judith Theological College und der palästinensischen Städte ist dem Vorstande der spanisch-portugiesischen Gemeinde in London übertragen. Das College wird nach den von Sir Moses selbst verfaßten Statuten verwaltet. P a l ä st i n a. Jerusalem. Die englische Section des Ordens St. John hat außerhalb der Stadtmauern ein Krankenhaus errichtet, in welchem Kranken aller Confessioncn Aufnahme finden. Hierbei ist Sorge getragen, daß auf die Kranken in Bezug auf Religion keinerlei moralischer Zwang ansgeübt wird, wie dies im Hospital der englischen Missionsgcsellschaft zu geschehen pflegt. Indien. Aus Rongoon (Hinter-Jndicn) wird berichtet: Sowohl die eingeborenen Juden Indiens, als auch die cingewanderten Bagdadcr Glaubcnsgcuoffeu leben hier sehr glücklich., Nichtige Msungen sandten ein: Heinrich Herb in Mainz. Lehrer Ph. Kanstci» in Simmcrn. Lehrer Ackermann in Wiesloch. M. Hausmann in Elsdorf. Tavid Benedikt in Baisingen. Jsaac Rosemhal in Wranke. Moritz Spiro in Rheinberg. Lehrer n. Eantor M. Joseph in Solingen. Josef Greger in Ekyn. Abraham Levi und Max Mayer in Frankfurt a. M. Lehrer und Kantor Simon Berendt in Osann. Simon' Stern in Batorkesz. Philipp Friedmann in t^r.-Tapolcsan. Lehrer «.Vorsänger Schlesinger in Mergentbcim. Jacob Schachtel in Thor». Israel L. Zobel in Boskowitz.