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Der Israelit · 1885-08-20 · Heft 66 (20.8.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 66 (20.8.1885)
Date
1885-08-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Beilage zu Ar. 66 des Israelit. Zeitungsnachrichteu und Correfpouderrzen. Deutschland. Mainz, 16. August. Von den verschiedensten Leiten gehen uns Berichte über Tranerfeiertichke.iten für das Andenken Montefiore's zu. Es ist uns unmöglich, sie alle in ausführlicher Weise wiederzugeben; die geehrten Korrespondenten werden verzeihen, wenn wir aus den Zuschriften nur die wichtigsten Momente hervorhebcn. Aus Prag schreibt mau uns unter dem 11. August: „Gestern Abend wurde in der hiesigen Klaussynagoge eine der Würde und der Stellung der Prager Gemeinde angemessene Trauerfeier für Montesiore abgehalten. Die weiten Nälune des einfach aber stil- und geschmackvoll hergerichteten Gotteshauses waren überfüllt, und zwar war die Elite der hiesigen Gemeinde, soweit dieselbe nicht in Sommerfrischen und Kurorten gegenwärtig weilt, anwesend. Die Repräsentanz der hiesigen Gemeinde, an ihrer Spitze der Präsesstellvertretcr Dr. Arnold Rosenbacher, war bei diesem Acte der Pietät gegen den größten Sohn, den das Jndenihum in unserem Jahrhundert hervorgcbracht, durch alle gegenwärtig hier weilenden Mitglieder vertreten. Nachdem der Eantor, Herr Singer, das Jom-Kippur-Katon und das Minchagebet in einfach würdiger und ergreifender Weise vollendet hatte, betrat Herr Oberrabbiner Hirsch die Kanzel, um in einstündiger, herzerschütternder und tiefergreifender Rede dem Schmerze des Gesammtjndenthums über den großen Verlust Ausdruck zu verleihen. Es wäre eine Kühnheit auch nur im Auszuge eine Skizze von dieser meisterhaften Rede liefern zu wollen, die wahrscheinlich, nach dem von vielen Seiten geäußerten Wunsche, in Druck erscheinen wird.*) Ferner meldet man uns aus Breslau: Am Sonntag, den 28. Ab, veranstalteten die Vorsteher der orthodoxen Synagoge „Zum Tempel" und die des Montefiore-Vercines einen Tranergottesdienst um den dahingeschiedenen p**w Moses Montefiore v";. Der in dieser Synagoge fungircnde Prediger, Herr Rabbiner Dr. Neustadt, hielt eine *) Stint, der Redaction: Wir werden alsdann s. G. w. darauf znrückkommen. schmerzerfüllte Rede, in der er hervorhob, daß schon beim Leben des,Verklärten hier in der hebräischen Unterrichtsanstalt a"n yy rron "no^n ein Montesiore-Vercin gegründet worden, deffcn Zweck ist, 1) Kinder unbemittelter Eltern unentgeltlich in min zu unterrichten und ihnen die nöthigen anco verabreichen zu lassen, 2) für solche Kinder, die sich durch Fleiß und Gottesfurcht anszcichnen, das Schulgeld in höheren Schulen zu zahlen, 8) diese Schüler zu leiten und zu überwachen, daß sie vor jeder rroj? namentlich vor row b'hn bewahrt bleiben. Nun koste jedes Kind im Gymnasium circa 100 M. Schulgeld p. a. ohne Ncbenansgabcn, wie für Bücher 2c., und Mitglieder wie Beiträge seien gering. Der Herr Rabbiner sprach daher die nachdrückliche Aufforderung zu helfen und zu unterstützen aus, welche Aufforderung auch in diesen Blättern Platz finden möge und hoffentlich recht viel Erhörung finden wird. Der Vereins-Rendant ist der Herr Theodor Oschinsky (Sonnenftr. 2). — Auch die Breslauer Zeitungen haben von der würdigen und erhebenden Feier Notiz genommen.- Berlin, 9. August. Tie drei hiesigen B'n e i- Brith-Logen veranstalteten heute Mittag im Hotel de Hamburg eine Gedächtnißfeier für Sir Moses Montefiore. Etwa zweihundert Mitglieder mögen sich znsammengefnnden haben. Dem Logenmitgliedc Herrn D r. H i r s ch H i l d es h e i m e r war die Aufgabe zugefallen, die Gedächtnißrede zu halten, und der Redner verstand es, seine Aufgabe in meisterhafter Weise zu lösen. In seinem fünfviertelstündigen, von hinreißender Begeisterung durchglühtcn Vortrage schilderte der Redner die unsterblichen Verdienste Montefiore's um die Gefammtmeuschheit wie um das Judenthum. Die Rede wird auf allgemeinen Wunsch dem Drucke übergeben und so weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden. Auch in Romsperg (Böhmen) wurde ein solenner Trauergottesdienst abgehalten, wo Herr Rabbiner Moses Stern die Trauerrede hielt. Ans Schlesien, 16. Aug. Das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen schreibt vor, daß zur Anstellung von Ausländern als Knltusbcamten die Genehmigung des Ministers des Innern erforderlich ist. Die Ausweisung der rus- I fischen Unterthanen ans Preußen hat nun auch

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