Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1885)
- Date
- 1885-08-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449566--22759-2512395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1126 der Ruhmsucht gehört. Es verleiht einem vornehmen Hause nichts inehr Applomb als die Menge der DieneiHlnd der Dienerinnen; cs ist dies der kostbarste Luxus/ den sich ein reicher Mann erlauben kann. Es ist eine naturgemäße Reihenfolge, dieHillel hier uns hören läßt. Zuerst sorgt der sinnliche Mensch für sich, für seinen eigenen Körper ura nmn; dann sucht er die Mittel zum Wohlleben für die Dauer sich zu beschaffen d’ddj rmo; gelingt ihm das, so führt er viele Frauen heil» zur Befriedigung, seiner Leidenschaften d'bu nms; die Damen bedürfen der Sklavinnen zur Bedienung und zur Hilfe bei den Künsten der Toilette ronsty ra-io; ist nun der Haushalt groß, so bedarf es zahlreicher Sklaven, die die häuslichen Arbeiten verrichten insy nmo. Aber die Sklavinnen pflegen nicht strenger Sitte zu huldigen nmo ne* rcno rare»; sie machen sein Haus zu einer Stätte der Unzucht und bringen es in Verruf. Die Sklaven zeichnen sich selten durch Ehrlichkeit aus und bringen den Herrn um die mühsam erworbenen Schätze bn nmo D’“oy rma. So erreicht er statt Ehre nur Schande und die lockere Dienerschaar bringt ihn am Ende um das mühsam erworbene Eigenthum. Nach einer andern. Erklärung beziehen sich die schlimmen Folgen der zu zahlreichen Knechte und Mägde auf den Herrn selbst. Die lockern Mädchen bringen ihn in Gefahr, den reinen sittlichen Grundsätzen untreu zu werden und die zu zahlreichen Knechte und Diener, die sich anderweitig nützlich beschäftigen könnten, verzehren das Gut, mit welchen der Herr die Annen hätte unterstützen können, so daß er dadurch einen Raub an den Armen begeht. Wir sehen also, daß derjenige, welcher nach irdischen Genüssen strebt, nach Wohlleben durch Speise und Trank und andern derartigen Freuden, daß, wer sein Herz der Habsucht eröffnet und große Reichthümer zu erlangen sich bemüht, daß wer seine Leidenschaften zu befriedigen, statt sie zu bekämpfen sucht, daß, wer in äußerem Prunk und äußerer Ehre das Glück seines Lebens sicht, dH alle diese, selbst wenn sie ihr Ziel erreichen, weit davon entfernt sind, wahrhaftes Glück und wirkliche Befriedigung zu finden, daß sie vielmehr sich Krankheit und Elend, Kummer und Sorge, Zwist und Hader, Unehre und Verlust bereiten. Dagegen gibt es andere, erstrebenswerthe Güter, deren der Mensch niemals zu viel verlangen kann, und diese zählt uns der große Weise in der zweiten Hälfte unserer Mischnah auf. (Fortsetzung folgt). Literarischer Bericht. nrux. S. 8. Rappoports hebr. Briefe an S. D. Lnzzatto (1833—1860). Mit Anm. von S. I. Halberstam nebst Einl. von Dr. A. Harkavy. Herausg. van Eisig Gräber. 1. Heft. Przemysl 1885. 8. Nachdem Gräber die Ausgabe der Briefe Luzzattos vollendet, bringt er uns hier die Briefe Rappoports an diesen als eine willkommene Ergänzung derselben und als eine schätzeuswerthe Bereicherung für die Wissenschaft. Die spätere Entzweiung dieser beiden großen Gelehrten, deren ganze Drastik wir schon ans den Briefen Luzzattos kennen, wirft in diesem Hefte schon ihre Schatten voraus; es fehlt fast in feinem Briefe an kleinen Häkeleien; der empfindliche Lnzzatto ninnnt an dem unscheinbarsten Ausdruck oft Anstoß, das gibt. dann Grund zu Auseinandersetzungen, welche gewöhnlich als Einleitungen zur Correspondenz dienen. Doch dies nebenbei. Wie nicht anders zu erwarten, bieten die vorliegenden Briefe eine Fülle schätzenswerther, gelehrter und kritischer Mittheilungen, von denen Einiges zwar durch gelegentliche Veröffentlichungen bekannt. Vieles aber für den Leser neu ist. Man mag allerdings mit Manchem nicht einverstanden sein, ober das mnß jeder Leser dieser Briefe zugeben, daß Alles, was Rappoport schreibt, von einem tiefen Forschergeiste zeugt, daß der Autor selbst da, wo er zu irren scheint, geistvoll ist, und daß vor Allem ein ernstes Streben nach Wahrheit ihn beseelt. Den Löwenaucheil genießen in den vorliegenden Briefen die Ansichten Rappoports über ioiy on und die Entstehung der Targumim. Rap. macht es sich zur Aufgabe, Jbn Esra gegen die heftigen Anklagen Lnzzatto» in Schutz zu nehmen. Dieser, erblickt in dem Commentator einen doppelzüngigen Menschen, der R. Jona Jbn Ganach als einen Ketzer verleumde, während er selbst leichtfertig mit dem Texte der Bibel umspringe und sich nicht scheue strafwürdige Aeußerungen über die Integrität der Schrift zu machen. In der That lauten einige Ausdrücke Jbn Esra's bedenklich, doch wenn wir uns erinnern, daß zu wiederholten Malen, wenn er sich veranlaßt sah, den einfachen Wortsinn eines Verses dem bMm eto entgegen hervorzuhebcn, er, namentlich wenn es sich um -no»» wn handelt, seine Betrachtung schließt: rons D’prn np-6 ux, fo müssen wir doch bekennen, daß wir in ihm weder einen principiellen Opponenten gegen V"!n ti erblicken können, noch Einen, der im Sinne der neueren Znt BibelkriLik üben will.