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Der Israelit · 1885-08-17 · Heft 65 (17.8.1885) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 65 (17.8.1885)
Date
1885-08-17
Page
– (sequence 23)
Language
German
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— 175 — Hand werket im Auslande, die ja so tüchtig sind wie jene, sich hier niederzulassen. 1. Während der deutsche Handwerker den Gleichmuth bei der Concnrrenz bewahrt, schlägt der jüdische Handwerker bei geringer oder keiner Concurrenz sogleich mit seiner Waare anf; spürt er aber Concurrenz, so verlässt ihn sogleich der Mnth under verkauftseineWaareunterdem Werllie. 2. Der deutsche Handwerker geht systematisch zu Werke; bevor er hierher kommt, weiss er, was er gebrauchen wird und sieht sich mit Geld und den Dingen vor, die ihm notli thun; fehlt ihm ein Gegenstand, so weiss er ihn sich zu verschaffen, und zwar an der richtigen Bezugsquelle. Dem jüdischen Handwerker fehlt bald dies, bald jenes, und er muss für das Beschaffen des Fehlenden das Doppelte bezahlen. Auch wechselt er fortwährend und wirft sich heute auf diesen, morgen auf jenen Gegenstand. 2. Der deutsche Handwerker ist mit Geduld und festem Sinne ausgerüstet. Er verzweifelt nicht gleich, wenn das Geschäft auch nicht gleich in ßlüthe steht. Der jüdische Handwerker wird sofort kleinmütliig, wenn nicht die Kunden in hellen Schaaren zu ihm strömen, geht dadurch verdrossen an die Arbeit und arbeitet dann auch in der That nur wenig. 4. Wenn ein Deutscher unterstützungsbedürftig wird, so helfen ihm seine Brüder, aber nicht etwa wie bei der „Chalukah“ mit Almosen, — nein, sie geben ihm Waare in die Hand n. s. w. Öie geben nichts umsonst, aber die Wirkung ist doch eine gesegnetere, als diese „Chalukah“, bei der unsere Brüder im Auslande nur ihr Scherflein los werden wollen und nicht weiter fragen, was damit geschieht. Doch ich will nicht über das alte Kapitel der „Chalukahu sprechen. Jedenfalls trifft unsere Brüder im Anslande kein minder schwerer Tadel als die hiesigen; wollet Ihr wirklich helfen, so hebet Handel und Gewerbe, durch Ankauf u. dergL — Noch ein trauriger Umstand trägt dazu bei, dass das Gewerbe bei dem Juden nicht blühen will: es jfehlt ihm die Ausdauer, Alles gründlich und genau allmählich zu lernen. Kaum ist er kurze Zeit bei seinem Meister, so bildet er sich ein, die Sache besser zu verstehen als dieser. Auf Kleinigkeiten kommt es nicht an, sagt er sich, er lernt nicht das Einzelne gründlich, und so wird und bleibt er ein Pfuscher. Ich habe bis jetzt als Ankläger meiner Glaubensgenossen gesprochen, allein meine Klagen sind nur zu begründet (die. Redaktion des ' bringt hier viele Beispiele als Beweise für die Richtigkeit der Behauptungen des Herrn Pin es). Als ich im Jahre 51>2S hierher kam, gab ich Denen, die mich hierher geschickt hatten, «len Rath, in London und sonstigen Städten Englands für die hiesigen Holzarbeiter eine Absatzgelegenheit zu schaffen, ferner eine Ziegelbrennerei hier zu errichten, sowie eine Weberei. Mein Vorschlag fand Gewährung mul ich erhielt 50 £. Sterling, um Gefässe aus Olivenholz zu kaufen, ferner 150 £. St. für die Errichtung einer Ziegelbrennerei und 20 £. Sb. um die Weberei zu versuchen. Die Oüvenholzwaare blieb über ein Jahr in London Hegen, bis sie verkauft war. Später kam Herr Birnbaum aus London hierher, der mit den Holzarbeitern ein Geschäft abschloss und später 20 £. St. für Holzsaclien, nebst Arbeitsgerätheu ira Wertha von circa 10 £. St. hierherschickte. Ich war froh, solche Aufr.riige zu erhalten. Allein die Holzarbeiter lieferten nichts, und warum? Es war gerade um die Osterzeit, wo viele englische und russische reiche Leute nach Jerusalem | kommen und sich Olivenholzschnitzereien initzunehmen pflegen. Diese Gelegenheit wollten sich die Arbeiter nicht entgehen lassen, und vernachlässigten ihre conbractlich übernommenen Verpflichtungen gegen Herrn Birnbaum. Später erst machten sie sich au die übernommene Arbeit. Ein Amerikaner gab mir um dieselbe Zeit Aufträge für 100 £. St. und machte sich anheischig, für 500 £. St. jährlich zu bestellen; auch Herr Birnbaum bestellte auf’s Neue für 100 £. St., so dass ich mir schon allerlei Luftschlösser machte. Ich Hess die Arbeiter zu mir kommen und ermahnte sie, ja nichts zu vernachlässigen. Allein es zog sich in die Länge, sie hatten kein Holz, das Holz war nicht trocken genug, u. s. w., u. s. w. Inzwischen war ein Jahr verstrichen, Herrn Birnbaum war es zu lange geworden, und ich schickte die Arbeiten dem Amerikaner, dieser hatte fallirb und konnte nicht bezahlen. —- Mit der Ziegelbrennerei, von der ichoben sprach, machte ich die betrübendsten Erfahrungen. Ich suchte einen geeigneten Arbeiter; da wurde mir ein gewisser Grünberg empfohlen, der zwei

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