Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1885)
- Date
- 1885-08-17
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Ackerbau soll alsdann das Mittel sein, die Juden in ihrem Stammlande zu erhalten. Freilich nicht alle Zionstreunde denken so, werfen diese nach zwei Richtungen zielenden Bestrebungen zusammen und verursachen den "Wirrwarr und die Verquickung der Angelegenheit. Wenn man uns aber fragt: Wozu dient diese ganze zwecklose Besprechung, da man sich ja schliesslich die Rückkehr der Juden in ihr Stammland doch nicht anders vorstellen kann, als sie auf den Ackerbau, als den einzigen Erwerbszweig hinzuweisen, — so antworten wir: In dieser Voraussetzung liegt der Irrthum. Allerdings käme bei einer Massenansiedelung Israels in Palästina der Ackerbau in erster Linie in Betracht, weil er der nothwendigste und am wenigsten von der Concurrenz tangirte Erwerbs zweig ist. Allein, ist der Ackerbau der einzige Erwerbszweig? Stellt sich nicht bei ledern ackerbautreibenden Volke auch das Bedürfniss nach Handel und Gewerbe ein? Warum uns von diesen Erwerbszweigen vorurtheilsvoll abwenden, als ob sie nicht zum Segen gereichten? Handel und Gewerbe haben einen ebenso fruchtbaren Boden wie der Ackerbau, nur müssen Emsigkeit und Kunstfleiss bei ihnen stark vorhanden sein. Das nöthige Capital und der nöthige Fleiss sichern hier ein gutes Gelingen, und das wollen wir in Folgendem auseinandersetzen. Es liegt uns ferne, zu behaupten, die Juden Palästina’s hätten Handel und Arbeit vernachlässigt; im Gegentheil, wir wissen ganz gut, dass die Juden gerade zuerst Handel und Gewerbe nach Jerusalem gebracht haben. Vor sechzig Jahren schon haben einige unserer Brüder sich als Handwerker hier niedergelassen und es fanden sich unter ihnen schon damals Goldschmiede, Uhrmacher, Siegelsfcecher, Steinmetzen, Schreiner, Schmiede, Kupferschmiede, Buchbinder, Zimmerleute, Schneider, Schuhmacher, Teppichweber etc. Aber sonderbarer Weise hat es Keiner von diesen Handwerkern so weit gebracht, sich ein eigenes Haus in Jerusalem zu bauen. Die Stadt selbst kann nicht schuld sein, da wir es ja mit eigenen Augen gesehen, dass deutsche Handwerker von den „Templern“ sich als Handwerker hier niedergelassen und ein schönes Vermögen erworben haben. Der erste Schmied in Jerusalem war ein Jude, Namens Elia Salomon; er war fleissig und geschickt — und blieb arm; die deutschen Schmiede hierorts haben dagegen ein blühendes Geschäft. Die ersten Tischler in Olivenholz waren Juden; sie kamen auf keinen grünen Zweig; da traf ein deutscher Christ Namens Fester ein, heute ist er ein steinreicher Mann, seine Arbeiten werden in ganz Europa und Amerika gesucht. Dasselbe war bei der Dampfmühle der Fall; die Juden waren die ersten, die solche betrieben, — es gelang ihnen nicht — jetzt giebt es sechs hier und nur eine von ihnen befindet sich in jüdischen Händen. Der erste Steinschneider hier war ein Jude, dessen Arbeiten sogar den Beifall des Kaisers Franz Joseph fanden, — allein er blieb arm, während ein deutscher Christ sich eine schöne Werkstätte jetzt hier eingerichtet hat und vermögend geworden ist. Manche behaupten, die deutschen Handwerker hätten deshalb den grossen Erfolg, weil sie im Auslande unterstützt würden. Allein das ist nicht wahr. Die „Templer* z. B. sind lediglich auf sich und ihren Verein angewiesen, der übrigens nur für allgemeine Angelegenheiten, wie Aerzte, Lehrer u. dgl. beisteuert. Aber wie kann sich diese Beisteuer im Entferntesten mit der „Cbalukah* vergleichen, die unseren Glaubensbrüdern zu Gute kommt. Früher konnte sich, wie man allgemein sagte, eine Familie ganz schön aus der „Chalukah“ erhalten, und auch heute noch, wo doch die Quellen spärlicher fliessen und die Ausgaben gewachsen sind, werden durch die „Chalukah“ sehr viele Familien erhalten, ohne daran zu erinnern, dass die Vorsteher oft schon für das folgende Jahr die Anweisungen geben. Und nun frage man: Sind die jüdischen Handwerker früher oder jetzt durch diese Unterstützung vermögend geworden? Wir kommen durch diese Betrachtungen auf allerlei unaugenelime Schlüsse und Gedanken über den Werth der Unterstützungen überhaupt, doch dürfen wir nicht übersehen, dass noch andere Ursachen mitwirken, um das oben erwähnte, für die jüdischen Handwerker J e r u s al e m s so traurige Resultat hervorzubringen. Ich möchte das Herz meiner Glaubensgenossen durch diese Betrachtungen nicht betrüben, andererseits kann es nichts nützen, den Mantel der Liebe über unsere Fehler und Mängel zu werfen. Und so wollen wir suchen, welche Vorzüge die d eutschen Handwerker vor uns haben; vielleicht entsohliesst sich einer der jüdischen